06. Februar 2016 23:50; Akt: 03.03.2016 03:41 Print

Syngenta-Standorte in der Schweiz gesichert

Die chinesische ChemChina tastet den Schweizer Hauptsitz und die hiesigen Standorte nicht an. Es gibt aber auch scharfe Kritik am Deal mit China.

storybild

Hauptsitz und Standorte von Syngenta bleiben sicher für fünf Jahre in der Schweiz: Logo der Basler Firma. (Archivbild) (Bild: AFP/Michael Buholzer)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Mit dem Basler Saatgut- und Pflanzenschutzhersteller Syngenta geht ein technologisch führendes Schweizer Unternehmen in das Eigentum eines chinesischen Staatskonzerns über. Wie die «Schweiz am Sonntag» erfahren hat, hat Syngenta-Präsident Michel Demaré mit dem chinesischen Investor Chem China eine Schonfrist von fünf Jahren für Syngenta ausgehandelt.

Der Hauptsitz und die wichtigsten Produktionsstandorte sollen in dieser Zeit nicht angefasst werden. Somit wäre ein zweiter Fall Alstom in der Schweiz ausgeschlossen. Beim einst französischen Staatskonzern kam es nur wenige Monate nach der Übernahme zum Abbau von 1300 Arbeitsplätzen. Syngenta beschäftigt in der Schweiz rund 3300 Mitarbeiter. Eine Syngenta-Sprecherin sagt auf Anfrage: «Es wird sich nichts ändern – weder wird der Hauptsitz aus der Schweiz verlegt, noch werden Stellen abgebaut.»

Im Interview mit der «Schweiz am Sonntag» lobt Ems-Chefin und SVP-Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher Chinas Investoren. «Chinesen wollen das Geschäft langfristig weiterentwickeln.» Das sei positiv. «Das machen wir als Schweizer Firma auch so.» Von US-Unternehmen hat sie ein weniger gutes Bild: «Nach Akquisitionen machen US-Firmen meist Umstrukturierungen mit Entlassungen, um kurzfristige Gewinnverbesserungen auszuweisen.»

Harsche Kritik am Firmen-Ausverkauf in der Schweiz

Weniger positiv sieht der Wirtschaftsanwalt Peter Nobel den Syngenta-Verkauf nach China: «China ist nun mal kein liberales Wirtschaftssystem – es ist eine politisierte Bürokratie. Und diese hat letztlich den Durchgriff auf ihre Unternehmen. Ein chinesisch beherrschtes Unternehmen ist ein Anhängsel des Staatsapparats und dient der Rohstoff- und Know-how-Beschaffung.»

Er äussert sich in der «Schweiz am Sonntag» allgemein kritisch zur Häufung von Firmenverkäufen ins Ausland. «Wenn der kontrollierende Mehrheitsaktionär ein ausländischer Konzern ist, dann bringt das aus Schweizer Sicht schon Nachteile mit sich, die möglicherweise unterschätzt werden», sagt er.

«Die Schweiz ist wirtschaftlich eine Macht – noch. Ein Teil der wirtschaftlichen Macht eines Landes beruht darauf, die Kontrolle über die eigenen Assets (Vermögenswerte; die Red.) zu haben. Wenn diese verloren gehen, verliert ein Land zunehmend auch seine Unabhängigkeit.» Er führt weiter aus, dass die Schweiz dadurch geschwächt werde: «Ich halte es zum Teil für fragwürdig, wie wir Wirtschaftsfaktoren unter ausländische Kontrolle geben. Gerade auch, weil wir ein kleines Land sind. Die Schweiz lebt von ihrem Know-how, ihrem Qualitätsdenken, ihrer Reputation und ihrer Innovationskraft. Solche Werte sind ein Stück weit mit der Eigentümerschaft verbunden. Wenn diese verloren geht, können sich auch unsere Werte verflüchtigen. Bei uns findet bisweilen ein leichtfertiger Ausverkauf statt.» Explizit sagt er, der Verkauf der Winterthur oder auch der Holcim sei nicht notwendig gewesen.

(ofi)

sentifi.com

20min_ch_app Sentifi Börseneinblicke aus den sozialen Medien

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sciron93 am 07.02.2016 00:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mit anderen Worten..

    die Arbeiter haben jetzt 5 Jahre Zeit sich auf ihre mögliche entlassung vorzubereiten...

  • Alle Strassen führen "zu Römer" am 07.02.2016 01:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und nach 5 Jahren ???

    Und was passiert nach den vereinbarten 5 Jahren ? Das ganze Wissen und Know How das hier erforscht und erarbeitet wurde nach China umsiedeln und dort billiger produzieren ? Und in der Schweiz erneut Massenentlassungen ? Schade um dieses Unternehmen.

  • Von der Heide am 07.02.2016 10:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    China kauft Europa

    Es braucht keinen Krieg, die Versklavung des Volkes läuft noch besser so.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Von der Heide am 07.02.2016 10:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    China kauft Europa

    Es braucht keinen Krieg, die Versklavung des Volkes läuft noch besser so.

  • WaleLi am 07.02.2016 09:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was dann?

    Die Arbeitsplätze seien für fünf Jahre gesichert. Das tönt gut, aber was passiert dann?

  • Roli64 am 07.02.2016 09:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fünf Jahre...

    ...und dann? 3000 Arbeitslose?

  • Cavi33 am 07.02.2016 08:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles ist Auslegungssache

    Bei dem Kaufpreis fragt sich nur wie lange. Die Chinesen wollen Technologie und müssten den Kaufpreis eigentlich rasch wieder einfahren das geht nur mit Gewinnmaximierung .

  • JohnCena am 07.02.2016 08:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich!!

    Da wurde aber jemand ganz schwach bei der Geldsumme, und hat alle seine Mitarbeiter vergessen, nur wegen Geld! Die Menschen tun mir jetzt schon leid, in 5 Jahren heisst es adieu syngenta schweiz, wir gehen nach china und dort arbeiten alle eh fast gratis.