Verseuchtes Wasser

25. Mai 2012 11:45; Akt: 25.05.2012 13:13 Print

Syngenta kauft sich mit 105 Mio Dollar frei

Der Agrarchemiekonzern Syngenta hat in den USA einen Rechtsstreit um das Herbizid Atrazin mit einem Vergleich beigelegt. Dafür legte der Konzern 105 Millionen US-Dollar auf den Tisch.

storybild

Mit der Vergleichszahlung will Syngenta weitere wirtschaftliche Unwägbarkeiten vermeiden. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Syngenta und deren Tochter Syngenta Crop Protection Inc. (SCPI) wurde vorgeworfen, in den USA wissentlich «beträchtliche Gewinne» durch den fortgesetzten Verkauf von Atrazin erzielt zu haben; dies, obwohl sie gewusst hätten, dass das Mittel Trinkwasservorkommen verunreinige.

Jetzt hat sich der Konzern mit einem Vergleich freigekauft. Allerdings lehnt Syngenta im Rahmen der Vereinbarung jede Haftung ausdrücklich ab, wie der Konzern am Freitag mitteilte. Die Kläger, mehrere öffentliche Wasserversorger, räumen im Gegenzug ein, dass ihnen keine neuen wissenschaftlichen Studien zum Mais-Herbizid Atrazin bekannt sind.

Atrazin wird in den USA weiter vermarktet

Die Gesamtkosten des Vergleichs in der Höhe von 105 Mio. US-Dollar könnten teilweise durch Rückstellungen gedeckt werden, schreibt Syngenta. Die Belastung werde sich voraussichtlich mit rund 0,50 US-Dollar auf den Gewinn pro Aktie auswirken - 2011 belief sich dieser auf 16,80 Franken.

Der Konzern will das Unkrautvernichtungsmittel Atrazin in den USA weiterhin vermarkten, wie es in der Mitteilung heisst. Die geplante Vergleichsvereinbarung braucht noch die Zustimmung des zuständigen Gerichts im US-Bundesstaat Illinois.

Streit um Kosten

Geklagt hatten mehrere Gemeinden aus den Bundesstaaten Illinois, Missouri, Kansas, Indiana, Ohio und Iowa, welche die öffentliche Wasserversorgung sicherstellen. Sie verlangten von Syngenta und deren Tochter SCPI, die Kosten für die Säuberung des von Atrazin verunreinigten Wassers zu bezahlen. Das geht aus einer Anklageschrift hervor, die 2010 beim Bundesbezirksgericht im südlichen Distrikt von Illinois eingereicht wurde.

Die Kläger werfen dem Agrochemie-Riesen darin vor, Atrazin produziert und verkauft zu haben, obwohl Syngenta gewusst habe, dass dadurch Wasser verschmutzt werde. Während der Konzern damit «Milliarden von Dollar» verdient habe, hätten die Kläger die Wasserreinigung zahlen müssen.

Gesundheit sei nie gefährdet gewesen

Der Agrochemie-Konzern Syngenta schreibt hingegen auf seiner Website, die meisten Wasserversorger hätten nie «signifikante Mengen» von Atrazin im Wasser gemessen. Niemals sei jemand Atrazin in einer Menge ausgesetzt gewesen, dass es einen Einfluss auf die Gesundheit gehabt habe. Dies sei wissenschaftlich bewiesen. Trotz dem fast acht Jahre dauernden Rechtsstreit hätten die Kläger keine anderslautenden Studien vorweisen können.

Dass Syngenta nun dennoch in einen mit einer Millionenzahlung verbundenen Vergleich einwilligt, begründet das Unternehmen damit, dass so weitere wirtschaftliche Unwägbarkeiten vermieden werden könnten.

Kein Einsatz in der Schweiz und der EU

Atrazin wird laut Syngenta in über 60 Ländern verwendet. Das Unkrautvernichtungsmittel wird demnach seit über 50 Jahren gebraucht. In der Schweiz und der EU wird Atrazin nicht mehr eingesetzt.

In der Schweiz waren in den Jahren 2000 bis 2002 zu hohe Konzentrationen im Aargau, im Jura und im Kanton Zürich nachgewiesen worden. Die SBB hatte bereits Anfang der 90er-Jahre den Atrazin-Gebrauch für die Unkrautvernichtung an den Geleisen eingestellt.

(sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ch. Walter am 25.05.2012 13:46 Report Diesen Beitrag melden

    Bin kein Freund

    ...von Syngenta. Aber noch weniger Freund bin ich von der Willkür der Amerikaner, wo "sich freikaufen" Mode zu sein scheint! Da das Mittel weiterhin vermarktet wird, verstösst es offensichtlich nicht gegen geltendes US-Recht. Wieso also bezahlen, wenn die Amis zu bequem sind griffige Bestimmungen zu erlassen?

  • natur am 25.05.2012 13:23 Report Diesen Beitrag melden

    werm gehört die natur?

    die mächtigen machen was sie wollen, mit unerer natur, hauptsache profit, der neuste schrei; regenwasser pattentieren. danke an syngenta, monsato, nestle etc..

  • kerl am 25.05.2012 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    scheinheilig

    und was ist mit monsanto und dessen "round up?" ach ja stimmt ein amerikanischer konzern und die verantwortlichen der behördenstelle sind grossaktionäre bei monsanto.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ch. Walter am 25.05.2012 13:46 Report Diesen Beitrag melden

    Bin kein Freund

    ...von Syngenta. Aber noch weniger Freund bin ich von der Willkür der Amerikaner, wo "sich freikaufen" Mode zu sein scheint! Da das Mittel weiterhin vermarktet wird, verstösst es offensichtlich nicht gegen geltendes US-Recht. Wieso also bezahlen, wenn die Amis zu bequem sind griffige Bestimmungen zu erlassen?

  • natur am 25.05.2012 13:23 Report Diesen Beitrag melden

    werm gehört die natur?

    die mächtigen machen was sie wollen, mit unerer natur, hauptsache profit, der neuste schrei; regenwasser pattentieren. danke an syngenta, monsato, nestle etc..

  • kerl am 25.05.2012 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    scheinheilig

    und was ist mit monsanto und dessen "round up?" ach ja stimmt ein amerikanischer konzern und die verantwortlichen der behördenstelle sind grossaktionäre bei monsanto.