Kursfeuerwerk bei VW

28. Oktober 2008 18:55; Akt: 28.10.2008 18:55 Print

Teuerster Konzern der Welt - für einen Tag

Nach dem Kursfeuerwerk vom Vortag hat die VW-Aktie am Dienstag erneut Vollgas gegeben. Zeitweise verdoppelte sich der Kurs fast und durchbrach die Schallmauer von 1000 Euro. Nicht alle Börsenhändler hatten am enormen Kurssprung Freude.

Fehler gesehen?

Der spektakuläre Höhenflug katapultierte die Aktie auf den neuen Rekordpreis von 1005,01 Euro hoch. Mit einem Börsenwert von 296 Mrd. Euro überholte VW damit den Ölkonzern ExxonMobil, den Mischkonzern General Electric und den Softwaregiganten an der Spitze der teuersten Unternehmen der Welt.

Am Nachmittag verlor die Rallye allerdings deutlich an Schwung, bevor sie wieder an Fahrt aufnahm. Bei Börsenschluss notierte die VW-Aktie auf 945 Euro. Das ist immer noch ein sattes Plus von 82 Prozent gegenüber dem Vortag, als sich der Kurs bereits auf 520 Euro mehr als verdoppelt hatte. Am Freitag war der Titel noch für 210.52 Euro zu haben gewesen.

Spekulanten kalt erwischt

Ausgelöst hatte die Kursexplosion eine Mitteilung von VW-Grossaktionär Porsche, dass er sich bereits 74 Prozent an Volkswagen über Aktien und Optionen gesichert habe. Der Stuttgarter Sportwagenbauer wollte damit die Spekulationsblase platzen lassen, die sich um die Aktie gebildet hatte.

Doch das zerstörte die Strategie von Hedge-Fonds, die auf fallende Kurse gesetzt hatten. Sie hatten sich einem Bericht der «Financial Times» zufolge 12,9 Prozent der VW-Aktien geliehen und damit allein am Montag 15 Mrd. Euro verloren, da sie die Papiere wieder teuer zurückkaufen müssen.

Am Markt sind nur noch 5,8 Prozent an VW frei verfügbar. Dadurch brach eine regelrechte Jagd auf die Anteilsscheine aus.

Kettenreaktion

Am Dienstag wurde die Lage zunächst noch schlimmer. Die Kursentwicklung zwang laut Händlern zahlreiche weitere Investoren, VW-Aktien zu kaufen - zum Beispiel Fonds, die ihre Performance am deutschen Börsenbarometer der Grosskonzerne DAX messen.

Das VW-Papier machte zeitweise ein Drittel des gesamten DAX- Wertes aus. Andere DAX-Aktien seien deshalb zum Teil ohne Rücksicht auf Verluste verkauft worden, nur um Aktien von Volkswagen finanzieren zu können, hiess es von Händlern. Der deutsche Leitindex schoss am Dienstag um 11,3 Prozent nach oben, obwohl 21 von 30 DAX-Aktien Kursverluste hinnehmen mussten.

«Die Aktien spielen komplett verrückt. Es muss etwas passieren», sagte ein Händler. Vorstand Lars Kolbe von der Investmentfirma Star Capital appellierte an die Deutsche Börse: «Was hier am deutschen Aktienmarkt gerade passiert, sehen sie sonst an der Börse in Simbabwe.» Manche Marktteilnehmer forderten deswegen, dass VW aus dem DAX genommen werde.

Der Markt solls richten

Der Deutsche Börse sah aber keinen Handlungsbedarf. «Da muss man den Markt gewähren lassen», wies ein Sprecher die Forderungen zurück. «Es läuft alles nach den Regeln ab.»

Die deutsche Börsen- und Finanzaufsicht BaFin sucht unterdessen Anhaltspunkte für Insiderhandel oder Marktmanipulationen. Die Analyse werde aber einige Zeit dauern, sagte eine Sprecherin.

Porsche wies eine Verantwortung für die Kursausschläge zurück. «Verursacher sind diejenigen, die mit riesigen Summen auf fallende VW-Kurse gesetzt haben», sagte ein Sprecher.

(sda)