Führungswechsel

07. Februar 2020 07:24; Akt: 07.02.2020 09:24 Print

CS-Aktie fällt nach Thiams Abgang über 4 Prozent

Die Spionageaffäre hat ihn das Amt gekostet: CS-CEO Tidjane Thiam muss gehen. Sein Nachfolger wird neu Thomas Gottstein.

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CS-CEO Tidjane Thiam muss gehen. In seine Fussstapfen tritt der derzeitige CS-Schweiz-Chef Thomas Gottstein. Die Beschattungsaffäre hat ihn das Amt gekostet. Unter Thiams Ägide liess die Credit Suisse mindestens zwei ihrer Top-Manager überwachen. Im Februar 2019 wurde Peter Goerke – zum damaligen Zeitpunkt Mitglied der Konzernleitung – im Auftrag der Credit Suisse von einer Drittfirma beschattet. (Symbolbild) Als Konsequenz hat die CS den ehemaligen COO Pierre-Olivier Bouée fristlos entlassen. Bouée war bereits nach der Beschattungsaffäre gegen Iqbal Khan von seinem Amt zurück- und aus dem Verwaltungsrat ausgetreten. (Im Bild Iqbal Khan) Es hiess, CEO Tidjane Thiam war nicht über die Beschattung Goerkes informiert. Die verantwortlichen Personen verneinten bei der Befragung durch den Verwaltungsrat und die Homburger AG im Zuge der Khan-Affäre die Überwachung von weiteren CS-Mitarbeitern. Sie waren bei der Organisation und Durchführung der Beschattung Goerkes darauf bedacht, keine nachweisbaren Spuren in den Systemen der Bank zu hinterlassen. (Symbolbild) Der Hintergrund ist eine Beschattungsaffäre. Die CS liess Topbanker Iqbal Khan überwachen, weil sie glaubte, er nehme Kunden zur UBS mit. Doch auch privat eskalierte zwischen Thiam und Khan ein Streit – offenbar auch wegen Baulärms. Die beiden sind Nachbarn. Dazu kam es an einer Cocktailparty von Thiam. Nachdem Khans Beschattung bekannt wurde, büsste das Finanzinstitut fast 2 Milliarden Franken an Börsenwert ein. Mittlerweile hat sich der Kurs erholt – am Montag startete die Bank aber im Minus.

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Machtwechsel bei der Grossbank Credit Suisse (CS): Konzernchef Tidjane Thiam tritt per 14. Februar zurück. In seine Fussstapfen tritt der derzeitige CS-Schweiz-Chef Thomas Gottstein. An der Börse lastet der Abgang auf den Aktien der CS: Die Papier gingen mit einem Minus von über 4 Prozent in den Handel.

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Der Verwaltungsrat habe in einer Sitzung am Vortag einstimmig den Rücktritt von Thiam angenommen und Gottstein zum neuen CEO der Credit Suisse Group AG ernannt, teilte die Bank am Freitag mit. Am 13. Februar ist wie bereits bekannt noch die Präsentation des Ergebnisses für das Geschäftsjahr 2019 geplant. Danach werde Thiam die Credit Suisse verlassen.

Der scheidende Chef liess sich mit folgenden Worten in der Mitteilung zitieren: «Ich bin mit dem Verwaltungsrat übereingekommen, dass ich die Bank verlassen werde.» Er sei gleichzeitig «stolz darauf, was das Team während meiner Zeit erreicht hat.» Die Credit Suisse sei erfolgreich transformiert worden.

«Ich hatte keinerlei Kenntnis»

Erneut betonte Thiam zudem, dass er nichts von den Beschattungen von Top-Managern gewusst habe, deren Bekanntwerden seit dem Herbst 2019 für grosse Aufregung gesorgt hatte. «Ich hatte keinerlei Kenntnisse von der Beschattung zweier ehemaliger Kollegen.» Aber: Zweifellos habe dies der Credit Suisse geschadet und zu Verunsicherung und Leid geführt. «Ich bedauere das Vorgefallene, und es hätte nie passieren dürfen.»

Der Verwaltungsrat sprach derweil Präsident Urs Rohner das Vertrauen aus. Vizepräsident und «Lead Independent Director», Severin Schwan, sagte: Rohner habe das Gremium «während dieser turbulenten Zeit in anerkennenswerter Weise geführt». Alle Schritte des Verwaltungsrates seien einstimmig erfolgt und nach sorgfältigen Beratungen. Man spreche dem Verwaltungsratspräsidenten das volle Vertrauen aus und erwarte, dass dieser sein Amt bis April 2021 ausüben werde.

(sda)