Schweiz

07. Juli 2016 19:59; Akt: 07.07.2016 23:13 Print

Tiefe Aktienkurse schüren Ängste vor neuer Krise

Nicht nur die Credit Suisse, auch andere europäische Grossbanken haben enorm an Wert verloren. Wie ernst ist die Lage?

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Fürchtet ein Domino-Effekt bei den wankenden Bankensystemen: Daniel Kalt, Chefökonom bei der UBS Schweiz. (Archivbild) (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)

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Die Aktienkurse europäischer Banken sind historisch tief.Neben den Tiefstzinsen und dem Brexit ist ein Grund die Schieflage italienischer Banken. Diese schürt Ängste vor einer neuen Bankenkrise. Schweizer Ökonomen und Analysten rechnen indes nicht mit einer solchen.

Die Credit Suisse, deren Kurs am Donnerstag wieder knapp über 10 Franken notierte, ist nicht die einzige Betroffene: Auch die Aktien anderer europäischer Grossbanken wie jene der UBS, der Deutschen Bank, der Commerzbank, von Barclays, der Royal Bank of Scotland und der Société Générale haben enorm an Wert verloren.

«'So schlecht kann es denen gar nicht gehen'»

Ist dies gerechtfertigt? Rainer Skierka, Analyst bei Research Partners (Zürich), sagt: «Mittlerweile kriegen sie die Banken zu Preisen, dass man sagen muss: «So schlecht kann es denen gar nicht gehen». Bei der Credit Suisse müsste die Hälfte des Eigenkapitals auf irgendeine Art verpuffen, damit der gegenwärtige Kurs angemessen wäre. «Das halte ich für nicht nachvollziehbar», sagt Skierka. Das sei von Panik getrieben.

Gleichzeitig sagt Andreas Venditi, Analyst der Bank Vontobel: «Was an der Börse passiert, hat immer einen Grund.» Wenn ein Sektor in sechs Monaten 30 bis 50 Prozent verliere, dann habe das fundamentale Gründe.

Ein solcher Grund ist die expansive Geldpolitik in der EU und den USA. Die Tiefstzinsen machen es schwierig, im traditionellen Zinsdifferenzgeschäft Geld zu verdienen. Und eine Normalisierung ist nicht in Sicht: Die US-Notenbank Fed hat im März angekündigt, die Zinsen langsamer als geplant anzuheben.

Zu diesen fundamentalen Problemen kommt nun der Brexit. Wie sich der genau auswirken werde, sei noch unklar, sagt Venditi. Daniel Kalt, Chefökonom bei der UBS Schweiz, sagt, der Brexit stelle das bisherige Bankengefüge in Europa in Frage und sorge daher für Verunsicherung.

Faule italienische Kredite

Für die grösste Beunruhigung sorgen derzeit aber die faulen Kredite bei den italienischen Banken. Diese belaufen sich auf 360 Milliarden Euro. Ein privater Rettungsfonds namens Atlante wurde ins Leben gerufen. Dessen Mittel sind aber beschränkt. Die Regierung erwägt daher, den Banken mit Staatsgeld unter die Arme zu greifen. Dies stösst allerdings auf Widerstand der Europäischen Union.

Die maroden Kredite bei den italienischen Banken wecken bei manchen Ängste vor einer neuen Bankenkrise: Denn wenn irgendwo ein Bankensystem ins Wanken kommt, kann das über die Verbindungen der Banken untereinander andere mitreissen.

Dies war bei der Finanzkrise der Fall. Und dies sei auch der Grund, weshalb derzeit die Aktienkurse der Banken in ganz Europa sinken, meint Kalt. Und Venditi sagt: «Wenn die Probleme in Europa noch grösser werden, wird das auch die Schweizer Banken treffen.»

Skierka und Kalt rechnen indes nicht mit einer zweiten Bankenkrise. Aus dem Fall Lehmann habe man gelernt, sagt Kalt. Man wisse heute, dass es einen Mechanismus brauche, um die Banken von faulen Krediten zu befreien und so zu stabilisieren. Das passiere ja derzeit in Italien.

Erholung erwartet

Kalt rechnet damit, dass die Aktienkurse der Banken wieder steigen werden. «Längerfristig sehen wir die Banken höher bewertet», sagt er. Die derzeit tiefen Bewertungen seien an sich noch kein Problem. Sie zeigten lediglich, dass die Marktteilnehmer der Ansicht seien, dass die Gewinn- und Ertragsaussichten der Branche derzeit nicht berauschend seien. Wenn sich aber beispielsweise das Zinsumfeld normalisiere, könne es sein, dass sich die Aktienkurse durchaus erholten. Auch Skierka geht von einer Erholung aus.

Zu einem realen Problem könnten die tiefen Aktienkurse dann werden, wenn sie Kunden in Sorge versetzen. «Der Aktienkurs ist ein Signal an den Markt, die Mitarbeiter und die Kunden, dass da etwas nicht rund läuft», sagt Venditi. Wenn sich Kunden Sorgen machten, machten sie vielleicht weniger Geschäfte mit dieser Bank. Das habe man während der Finanzkrise gesehen, als Kunden von der UBS zu den Kantonalbanken wechselten.

Zudem kann ein tiefer Aktienkurs dann ein Problem sein, wenn eine Bank ein anderes Institut übernehmen und mit Aktien zahlen will. Oder wenn eine Bank eine Kapitalerhöhung durchführen will. Beides stünde derzeit bei den meisten Banken aber nicht im Fokus, sagt Skierka.

(kat/sda)

sentifi.com

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Werner Scheidt am 07.07.2016 20:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das halte ich für ein Gerücht

    Wenn eines sicher ist, dann dass es keine neue Bankenkrise gibt. Die alte ist nämlich noch gar nicht vorbei.

  • Der Zweifler am 07.07.2016 21:34 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso neu?

    Entgegen allen Beteuerungen, wie gut wir durch die letzte Krise gekommen sind, war ich immer der Überzeugung, dass diese nie wirklich weg war. Ausser den, durch billiges Geld gepushten Finanzmärkten und einer Preisinflation auf Vermögenswerten wie Kunst, Oldtimern und Immobilien, hat sich doch eigentlich nichts wirklich erholt. Im Gegenteil, in den letzten Jahren wurden die Probleme verschärft, die Blasen vergrössert und die Mittel verballert, die man hatte. Jetzt steht der Kaiser ohne Kleider da. Und nun Herr Draghi, Frau Yellen und wie sie alle heissen, was kommt jetzt? Helikoptergeld?

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  • Kurt Gurt am 07.07.2016 21:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krasse weitsicht

    Was die alles wissen, was der normalbürger nie erahnen könnte. Ein grosser teil der schweizer bürger spührt schon lange, dass die wirtschaft in die falsche richtung läuft. Eine wirtschaft funktioniert nur als kreislauf und nicht als einbahnstrasse. Diejenigen, die von der einbahnstrasse profitieren, hätten die macht, global was zu ändern, aber die haben natürlich kein interesse daran. Sie profitieren so gar noch von den krisen. Ich wäre auch ein guter ökonome, wenn ich auch mal ne schule besucht hätte.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter am 09.07.2016 20:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bankenzahler

    Unsere Realwirtschaft wäre doch schon weltmeister, wir hätten Ein Wachstum von 3 - 4% pro Jahr wenn wir nicht über den starken Franken die Spekulanten und Banken finanzieren müssten.

  • Sparer am 09.07.2016 19:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Du und Ich = Bankentotalhaftung

    Da werden mit Speichel auf den Lippen die Banken medial hochgeschrieben und hochgeschnorrt. Bundesräte quasseln von den Arbeitsplätzen mit der höchsten Wertschöpfung. Da ist alles eine riesige Blase. wenns die beiden Grossbanken erwischt, dann sind wir als kleines Land wirklich landunter. Es braucht neue Kräfte und Parteien in unserem Land, die uns aus dieser kriminellen Totalhaftung herausführen.

  • Thera 777 am 09.07.2016 19:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Vertrauen

    Das Risiko liegt ja nur bei den Banken. Wenn bei anderen Branchenunternehmen der Kurs so stark sinkt, sind sie meistens konkurs oder werden sonst verwurstet. Die Banken werden in so einem Fall von den Gesetzen und von den Behörden unterstützt. Sorry, aber eine CS müsste schon lange unter staatlicher Kontrolle abgewickelt werden. Der Aktienkurs sinkt ja schon seit vielen Jahren. Da ist nur noch Zokerei aber kein Vertrauen mehr.

  • Tommi H. am 08.07.2016 14:51 Report Diesen Beitrag melden

    gesteuertes Risiko

    Die Ängste sind zwar berechtigt aber nur, weil man mit sehr hohem Risiko Einsatz spekuliert und da liegt die grosse Gefahr dieser Casino Betreiber.

  • Olaf Rustle am 08.07.2016 14:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bankster

    Es ist schon klar dass es wieder zum Crash kommt, wenn man nichts aus der letzten Finanzkriese gelernt hat. Die haben genau gleich weitergemacht.