Ölpest

12. Januar 2011 11:35; Akt: 12.01.2011 12:44 Print

Transocean gibt den Schwarzen Peter weiter

Auch nach der Veröffentlichung des US- Kommissionsbericht über die Ölpest steht für Transocean fest: Die Fehler hat BP begangen.

Bildstrecke im Grossformat »
John Wright, Chef von Boots und Coots, der Firma, die die Entlastungsbohrung am Ort des Untergangs der «»Deepwater Horizon durchführt (Juni 2010). Behandlung einer Meeresschildkröte, die durch Kontakt mit Ölrückständen krank wurde. Audubon Nature Institute in New Orleans, 17. August 2010. Dieser Vogel kämpft im Golf von Mexiko gegen den Tod. Es ist ein Kampf, den er nicht gewinnen kann. Das Öl aus dem defekten BP-Bohrloch begräbt die Vögel buchstäblich bei lebendigem Leibe. Dieser Pelikan wird nie mehr fliegen. So sehr er sich auch bemüht, sein Tod ist nur noch eine Frage von Stunden. Die täglich 1,9 bis 3,8 Millionen Liter Öl, die aus der defekten Quelle ins Meer gelangen, haben deutliche Spuren in der Tierwelt hinterlassen. Bis Anfang Juli sollen seit dem Untergang der Bohrinsel «Deepwater Horizon» am 20. April insgesamt schon 80 Millionen bis 174 Millionen Liter Öl ausgelaufen sein. Lange Zeit war das Ausmass der Katastrophe unterschätzt worden, weil der Ölkonzern BP eine viel geringere Menge angegeben hatte. Die Tiere im Golf von Mexiko zahlen den Preis für die Informationspolitik des Erdölmultis. Die US-Umweltbehörde NOAA teilte am 29. Mai mit, dass inzwischen für etwa ein Viertel des Golfs von Mexiko ein Fischereiverbot besteht. Die Behörde gab die Fläche mit 60'683 Quadratmeilen an, was in etwa 157'000 Quadratkilometern entspricht und damit einer Fläche, die fast viermal so gross ist wie die Schweiz. Für die Fischerei in den drei Bundesstaaten Louisiana, Mississippi und Alabama war vier Tage zuvor der Notstand ausgerufen worden. Die US-Naturschutzbehörde «Fish and Wildlife Service» teilte mit, seit Beginn der Ölkatastrophe am 20. April 2010 ... ... seien mehr als 300 Seevögel, ... fast 200 Meeresschildkröten und 19 Delfine ... ... tot an die Küste gespült worden. Braunpelikane und zahlreiche andere Vögel nisten in den bereits ökologisch fragilen Küstengebieten von Louisiana. Retter bemühen sich verzweifelt darum, ölverschmierte Vögel einzufangen und zu reinigen. Doch für die meisten kommt jede Hilfe zu spät. BP setzt weiterhin eine umstrittene Chemikalie ein, die das Öl unter Wasser binden soll. Die US-Umweltbehörde hatte gefordert, das Mittel Corexit 9500 durch etwas anderes zu ersetzen - der Stoff sei zu giftig, die Folgen für die Umwelt seien nicht abschätzbar. BP bleibt dennoch vorerst bei der Chemiekeule. «Wir sterben einen langsamen Tod, jedes Mal, wenn das Öl sich einen Teil des Marschlandes nimmt, dann ist ein Teil Louisianas für immer verloren», klagen die Fischer. Auch der Tourismus leidet bereits unter der Ölpest.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Transocean verweist nach der Veröffentlichung des US- Kommissionsberichts über die Ölpest im Golf von Mexiko einmal mehr auf den britischen Ölkonzern BP, der die gesunkene Plattform «Deepwater Horizon» von Transocean geleast hatte.

Die Massnahmen in den letzten Stunden auf der Plattform seien von BP-Ingenieuren vorgegeben und von den Regulierungsbehörden im Vorfeld abgesegnet worden, teilte Transocean in der Nacht auf Mittwoch in einer Stellungnahme mit. Auf Basis der wenigen verfügbaren Informationen habe die Transocean-Crew angemessen gehandelt.

Auch habe BP in mehreren Äusserungen Verantwortung für die Kosten des Unfalls übernommen und in den vertraglichen Vereinbarungen mit Transocean und der US-Regierung sei ebenfalls vorgesehen, dass BP für Verschmutzungen und nötige Säuberungen voll haftbar sei, wenn aus dem Bohrloch Öl auslaufe, teilte der an der Schweizer Börse kotierte Plattformbetreiber Transocean mit.

Weil zahlreiche Untersuchungen zum so genannten «Blowout- Preventer», einem massgeblichen Teil der Ausrüstung, noch nicht abgeschlossen seien, wäre es dem Unternehmen zufolge voreilig, endgültige Schlüsse zu ziehen.

Der am Dienstag vorgelegte Abschlussbericht eines von US- Präsident Barack Obama eingesetzten Expertengremiums nimmt auch Transocean ins Visier: Alle an der unheilvollen Bohrung im Golf von Mexiko beteiligten Unternehmen - neben BP auch Transocean und Halliburton - hätten vermeidbare Fehler gemacht.

Sie hätten eine Reihe gefährlicher und zeitsparender Massnahmen ergriffen, ohne die Risiken in Betracht zu ziehen. Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko könnte sich nach Ansicht der Experten jederzeit wiederholen.

(sda)