Balcony Gardening

15. Mai 2015 16:12; Akt: 17.05.2015 13:09 Print

Trend zum Gärtnern schafft Milliardenmarkt

Schrebergärtnern ist schon lange hip, jetzt kommt das Balcony Gardening. Der Gartenkult kreiert eine Milliardenbranche.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Gärtnern ist der neue Sex», behauptet die Landschaftsarchitektin Gabriella Pape im deutschen Fernsehen. Was die Preisträgerin des grünen Oscars landauf, landab beschwört, freut einen ganzen Wirtschaftszweig. Laut Branchenverband Jardin Suisse generiert die Lust an der selbstgezogenen Tomate eine Bruttowertschöpfung von über 1,8 Milliarden Franken pro Jahr – Tendenz steigend. Denn nach Urban Gardening ist Balcony Gardening, also Gärtnern auf dem Balkon, der neuste Lifestyle-Trend.

An der diesjährigen Giardina war das gar das Motto der Gartenmesse, die immerhin 60'000 Schweizer anlockte. «Der Balkon ist nicht mehr eine Abstellfläche, sondern wird zum erweiterten Wohnraum, der im Sommer wie im Winter viel Freude bereitet», sagt Gartengestalterin Kathrin Stengele.

Nur keine Geranien

«Urban Gardening und Urban Balcony sind zukunftsorientiert und sprechen vor allem auch junge Leute an. Darin sehen wir Potenzial, neue Hobbygärtner und damit auch neue Kunden zu gewinnen», sagt Jardin-Suisse-Sprecherin Doris Krivitsch. Geranien vermöchten die jungen Generationen jedoch nicht zu begeistern, dagegen liege Balkongemüse – essbare Pflanzen für den Topf – im Trend.

Auch bei der Migros freut man sich an der wachsenden Lust am grünen Daumen. «In den letzten schönen April-Tagen hat der Verkauf in den entsprechenden Abteilungen stark angezogen», so Sprecherin Monika Weibel. Man gehe davon aus, dass nach den Eisheiligen die Lust auf Gemüse und Blumen noch grösser werde. «Dann kaufen die meisten Leute auch die etwas heikleren Pflanzen», so Weibel. Auch bei Coop ist man «zufrieden mit dem diesjährigen Geschäftsverlauf», so Sprecher Ramon Gander. Aufgrund des kalten Frühlingsanfangs stelle man aber eine Verzögerung von rund zwei bis drei Wochen fest.

Aktionen locken

Gibts bei Jumbo Aktionstage wie beispielsweise die 1-Franken-Erde, kommen die Gärtnerfans in Scharen. Auch Aktionen wie Primeln und Geranien seien jeweils «rasend schnell» ausverkauft, sagt Sprecher Daniel Hofmann. Diesen Frühling registriere man «sehr viele Investitionskäufe», also neue Gartenmaschinen oder Lounge-Möbel.

Dass nichts besser schmeckt als die selbst gepflanzten und geernteten Tomaten, wissen auch die Schweizer. Gemüse ist gesund und Dreck macht glücklich. Sogar in Schulen wird wieder selber Gemüse angepflanzt. «Der Schulgarten ist ein Relikt aus den Vorkriegsjahren, doch er lebt wieder auf», sagt Astrid Andermatt, Projektleiterin des Schülerprojekts «Feuerbohne-Mondviole» in Spreitenbach.

Die Liebe zu Blumen, Obst und Gemüse liege in jedem Menschen, sagt Sozialforscherin Silke Borgstedt. Sie erklärt den Boom der Gärten damit, dass sich immer mehr Menschen nach Sinnlichkeit sehnen. Der selbst gezogene Rucola und die blühenden Malven seien ein Gegenpol zur Rationalisierung und Technologisierung des Alltags.

Auch industrielle Interessen

Und doch liegt hinter selbst gemachter Rhabarber-Türkische-Minze-Konfitüre mehr als die blosse Sehnsucht nach Romantik in einem digitalisierten Leben. «Dieser Megatrend ist auch von der Technologie getrieben», sagt Trendforscherin Karin Frick vom Gottlieb Duttweiler Insitut (GDI).

Die Industrie habe ein grosses Interesse daran, wie Innenräume sinnvoll begrünt werden oder ganze Stockwerke von Hochhäusern für die Nahrungsmittelproduktion nutzbar gemacht werden könnten. So verkörpert beispielsweise das Interesse des Agrokonzerns Syngenta an Urban Farming diese Entwicklung. Der Konzern organisiert regelmässig Gesprächspodien zum Thema.

(cls)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Julia am 15.05.2015 19:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schulgarten

    Schulgärten sind eine super Sache! Bewegung an der frischen Luft, neues Wissen und grosser Stolz, wenn das selbst gesäte Gemüse geernet wird...

  • Besucher am 15.05.2015 17:20 Report Diesen Beitrag melden

    Giardina

    Genau wegen diesem Thema, sah ich mir die Giardina an. Riesige Gärten und sogar einen Japanischen Garten mit Weiher, etc. gab's gleich mehrfach! Leider fand ich wenig bis gar keine Ideen für meinen Balkon bzw. Terrasse... :-(

    einklappen einklappen
  • Kentucky Jack am 15.05.2015 16:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heirloom tomato

    Bei uns wachsen auf der Dachterrasse seit ca 4 Jahren im Gewächshaus die besten Heirloom tomatos. Alles natürlich Organic Grow. Sorten wie zb: Mortage Lifter,Black Mountain Pink,Arkansas Marvel,Giant Syrian,Pink Brandywine,Moonglow,Cheyenne Purple,Mexico Midget etc etc. Es gibt soviele Tolle Sorten die fast vergessen worden sind. Nur keine F1 Hybriden,das ist uncool

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mike Meier am 16.05.2015 15:45 Report Diesen Beitrag melden

    Anderer Lösungsansatz

    Balkone als Garten kann ja wirklich nicht das Ziel sein. Wenn jemand Lust zum Gärtnern hat, sollte man die Möglichkeit haben, eine Grünfläche zu mieten. Warum ist das in der Schweiz kaum möglich? Weil alles überreglementiert ist, zu engmaschig, zu kompliziert. Da müsste man doch endlich mal ansetzen. Das Leben lebenswerter machen ausserhalb des Balkons.

    • Weitsicht am 16.05.2015 17:23 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht nur bei Gärten ist es so

      Mietwerkstetten gibt es in der Schweiz auch keine. Fräsmaschinen oder eine Drehbank zum mieten wäre auch toll.

    • baba am 16.05.2015 18:26 Report Diesen Beitrag melden

      Grünfläche

      wird von Tag zu Tag kleiner. Grünfläche wird zum wahren Luxus in diesem Land. Und immer noch haben 50% der Bewohner das Gefühl sie müssen alle Retten wenn auch nur der kleine Zeh vom Nachbarn beim gehen erwischt wurde und nicht mal aus Böswilligkeit. Die Rettung bedeutet, alles hier ansiedeln, egal wie es uns geht und wie wir und fühlen und evlt. deswegen mal verhungern müssen.

    einklappen einklappen
  • Trotzki am 16.05.2015 15:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was ist daran neu ?

    Es gab schon immer einen Hang zum gärtnern bei den Menschen. Insbesondere trifft das auf Städter zu. Sonst gäbe es ja wohl kaum Bau- und Gartenmärkte seit Jahrzehnten. Was offensichtlich Milliarden bringt sind die heutige Technik und neue Pflanzenarten.

  • max am 16.05.2015 12:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    monsanto

    ich frage mich, wieviele leute haben mitbekommen, dass die EU Patentrechte auf broccoli an monsanto vergibt? und das ist erst der anfang!

    • DenktWeiter am 16.05.2015 18:44 Report Diesen Beitrag melden

      TTIP

      Sehr gute Frage Max. Wahrscheinlich sehr wenige denn die meisten haben überhaupt nicht von dem bevorstehen Handel (TTIP) der EU und Amerika noch nichts mitgekriegt. Es wird aber ein hartes erwachen geben wenn in der Migros Chlor Hühnchen mit resistenten E.Coli / Salmonellen Bakterien UNDEKLARIERT verkauft werden. Schlimmer noch mit unseren Bauern wenn es denen gleich ergeht wie den Bauern in Amerika und sie nicht mehr frei sein werden anzupflanzen ohne das nicken von Monsanto. PS: Monsanto versucht Syngenta aufzukaufen!!! Dann sind die hier direkt!

    einklappen einklappen
  • Emma am 16.05.2015 11:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Balkon ist doch viel...

    ...schöner, wenn er mit Pflanzen und Blumen geschmückt ist. Wenn dann noch feine Kräuter usw. dazukommen macht es doppelt Freude. Es muss ja nicht ein ganzer Schrebergarten sein, dies würde zu weit führen. Was hingegen schrecklich ist, dass viele Leute den Balkon als Abstell- und Gerümpelkammer nutzen. Eine Zumutung für Mitbewohner, die eine gepflegte Umgebung schätzen. Leider bringen fremde Kulturen nicht immer die Balkone zum Blühen.

    • raupe am 16.05.2015 14:35 Report Diesen Beitrag melden

      Das macht mich hässig

      Ich bin nicht aus einer fremden Kultur. Und ich hätte liebend gerne einen eigenen (Gemüse-)Garten. Mein Balkon ist winzig. Mit einem Liegestuhl, zwei Stühlen und einem kleinen Tisch - alles aus Plastik - sieht das auch aus wie eine Abstellkammer. Ich arbeite hart daran, den Gartentraum irgendwann wahr zu machen. Die "fremden Kulturen" können machen, was sie wollen, sie bleiben Fremde, weil Leuten wie Ihnen nicht passt, was sie nicht haben wollen. Was an einem Schrebergarten "zu weit führt" verstehe ich auch nicht. Ist es vielleicht, weil diese häufig von "fremden Kulturen" gepflegt werden?

    • Bereits Schmetterling am 16.05.2015 18:20 Report Diesen Beitrag melden

      Raupe

      ich habe auch einen kleinen Balkon. Die Pfanzen müssen nicht zwingend am Boden sein. Ich habe die Töpfe alle an der Wand. Das "Gerüst" dazu fand ich im Gartenzenter. Wär dies was als Idee? Aber es stimmt, vor meinem Haus sind Schrebergärten, keine einzige CH Fahne zu sehen...meistens von den Südländern "besetzt". Da hängen alles Adler, aber nicht der Deutsche Adler, eine zumutung das der Staat mit uns macht.

    • mali am 16.05.2015 19:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Abstellkammern

      bravo, sollte verboten werden, die Müllbalkone.Sehe manchmal die schönen Bepflanzungen von diversen Balkone u.dann darunter oder daneben Abstellkammern, schade.

    einklappen einklappen
  • Sandra Basilea am 16.05.2015 10:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich gärtnere, also bin ich!

    Ich hege und pflege meinen Balkongarten jetzt das dritte Jahr. Einiges habe ich seit Beginn immer wieder überwintert, und jedes Jahr kommen ein, zwei, drei, vier neue Schätzchen hinzu (Besuche in Gartencentern sind zu einer echten Disziplinprobe geworden, da könnte ich mich totkaufen!) Es gibt nichts schöneres, als am Feierabend sein Gärtchen zu "betreuen". Und die Erdbeeren, Cherrytomaten und Co. haben nie besser geschmeckt!! Ich kann jedem nur empfehlen, sich ein paar Pflanzen auf die Terasse zu stellen, Trend hin oder her.

    • Pia A. am 16.05.2015 18:21 Report Diesen Beitrag melden

      Mach ich auch

      bin aber bei einigen Sachen noch am üben. Aber das lerne auch noch...

    einklappen einklappen