EZB

03. März 2011 14:01; Akt: 03.03.2011 17:14 Print

Trichet tönt steigende Leitzinsen an

Der Inflationsgefahr zum Trotz: Die Euro-Währungshüter beschlossen an ihrer mit Spannung erwarteten Sitzung, den Leitzins nicht zu erhöhen. Das könnte sich schon bald ändern.

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Die Zinsen im Euroraum dürften nicht mehr lange auf dem Rekordtief von 1,0 Prozent bleiben. Denn steigende Energie- und Rohstoffpreise befeuern die Inflation. Und das werden Europas Währungshüter mit der Zinsschraube verhindern, betont EZB-Präsident Jean-Claude Trichet. Vielleicht schon im April. «Ein Zinserhöhung bei unserer nächsten Sitzung ist möglich, aber nicht sicher», sagte Trichet, nachdem der Zentralbankrat den Leitzins am Donnerstag noch unverändert bei 1,0 Prozent beliess.

Der Preisauftrieb beschleunigt sich seit Monaten und hat die Währungshüter in seinem Ausmass überrascht. Grund sind vor allem steigende Öl- und Benzinpreise sowie teurere Lebensmittel. Im Februar betrug die jährliche Teuerungsrate im Euroraum 2,4 Prozent - und lag damit so hoch wie seit Oktober 2008 nicht mehr.

Oberstes Ziel der EZB ist aber die Preisstabilität, die sie bei einer Teuerungsrate von knapp unter zwei Prozent gewährleistet sieht. «Wir tun, was wir tun müssen, um Preisstabilität zu garantieren», versprach Trichet am Donnerstag. Eine Serie von Zinserhöhungen stehe aber nicht bevor.

Führende Währungshüter hatten zuletzt mehrfach betont, dass sie zwar vorübergehend mit einer Teuerung über der wichtigen Marke von 2,0 Prozent rechnen, sie aber schon für das Jahresende wieder Preisstabilität erwarten.

Inzwischen hat sich die Lage an der Preisfront spürbar verschärft, nicht zuletzt wegen der weltweiten Sorgen vor einer Rohölknappheit infolge der Unruhen im Nahen und Mittleren Osten, vor allem in Libyen. Die Ölpreise haben seit Jahresbeginn um 20 Prozent angezogen. Das belastet die Industrie, aber auch die Autofahrer. Befürchtet wird, dass das Chaos in andere Öl produzierende Länder überschwappen könnte. Das würde die Lage verschärfen.

Stärkerer Preisanstieg

Nach den jüngsten EZB-Prognosen werden die Preise im Euroraum in diesem Jahr deutlich stärker steigen als bisher angenommen. Getrieben von steigenden Energie- und Rohstoffpreisen steige die Inflation auf 2,3 Prozent (Spanne: 2,0 bis 2,6), sagte Trichet am Donnerstag. Bei den Vorhersagen sei der jüngste Ölpreisschub noch gar nicht berücksichtigt. Der Wert würde über der Warnschwelle der EZB von 2,0 Prozent liegen.

2012 werden die Preise nach den Berechnungen der Experten um 1,7 Prozent (1,0 bis 2,4) anziehen. Bei ihrer letzten Prognose im Dezember 2010 hatten die EZB-Experten für 2011 noch eine Teuerung von 1,8 Prozent und damit Preisstabilität vorhergesagt. Für 2012 waren damals 1,5 Prozent genannt worden.

Der wichtigste Zins zur Versorgung der Geschäftsbanken im Euro- Raum mit Zentralbankgeld verharrt bereits seit Mai 2009 auf seinem Niveau. Damals steckte nicht nur der Euroraum tief in der Rezession. Inzwischen wachsen einige Länder angeführt von der Konjunkturlokomotive Deutschland wieder deutlich. Andere haben sich aber auch masslos überschuldet und ächzen nun unter Sparpaketen und Steuererhöhungen.

Höhere Zinsen können den Preisauftrieb bremsen, sie verteuern aber auch Kredite. Daher könnten sie Gift für die Erholung der Konjunktur sein. Dreht die EZB an der Zinsschraube, wird ein Aufschwung insbesondere in hoch verschuldeten Staaten wie Irland, Griechenland oder Portugal noch unwahrscheinlicher: Deren Wirtschaftsentwicklung wird bereits durch die öffentlichen Einsparungen schwer belastet.

(sda)