Gastronomie

31. Dezember 2018 05:37; Akt: 31.12.2018 05:37 Print

«Trinkgeld zu geben ist unangebracht»

von Dominic Benz - Wie hoch das Trinkgeld sein sollte, ist umstritten. Auch die Leser von 20 Minuten haben unterschiedliche Meinungen. Ein Gastro-Experte ordnet ein.

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Trinkgeld gibts nicht nur im Restaurant – doch die Bräuche sind teils etwas anders. Ein grundsätzliches Geschenkverbot für Ärzte gibt es in der Schweiz nicht. Ein Doktor, der Mitglied der » nicht übersteigen dürfen, sofern sie den Arzt in seinen Entscheidungen beeinflussen könnten. Vor allem in kleinen Gemeinden erhalten Pöstler von den Kunden Geschenke wie etwa selbst stehen, müssen die Angestellten aber ablehnen. Bei der Polizei kann es von Ort zu Ort unterschiedlich sein. Angestellte der Stadt Zürich etwa dürfen nicht übersteigen und die Unabhängigkeit des Empfängers dadurch nicht beeinträchtigt wird. Die eigentlich keine Trinkgelder entgegengenommen», sagt Sprecherin Yvette Petillon. Auch hier gehe der Batzen allenfalls ins Personalkässeli. Der Kondukteur darf grundsätzlich ein Trinkgeld entgegennehmen. Sprecher Reto Schärli sagt aber zu 20 Minuten, er habe bisher noch nie gehört, dass ein SBB-Angestellter ins Reisezentrum bringen. In der Flugbranche sind Trinkgelder schenken. In der Schweiz ist es üblich, bei Taxifahrten ein Trinkgeld zu geben. Allerdings erhalten Taxifahrer Trinkgeld, weil viele Kunden kontaktlos bezahlen. In den Stores der Telecom-Branche kommt es oft vor, dass Kunden sich mit kleinen Geschenken, beispielsweise Schokolade, hingegen seien Trinkgelder verständlicherweise eher unüblich. Wie viel Trinkgeld ist angebracht? Darüber streiten sich viele Restaurantbesucher in der Schweiz. Auch die Leser von 20 Minuten haben unterschiedliche Auffassungen darüber, wie hoch der Zustupf für den Service sein soll. Leserin Kathrin sagt etwa: «Wenn das Servicepersonal mich einfach gut bedient, ist das noch kein Grund für Trinkgeld. Eine regelkonforme Ausübung des Jobs verdient noch kein Trinkgeld.» Der Gastro-Experte Rafael Saupe ist damit einverstanden. «Es kann tatsächlich nicht sein, dass man für die blosse Ausführung einer Leistung Trinkgeld geben muss», sagt er zu 20 Minuten. Wenn der Service aber überdurchschnittlich gut und freundlich war, ist Trinkgeld angebracht, so der Experte. «Mit dem Trinkgeld kann der Gast die Wertschätzung ausdrücken.» Leser Roger meint zudem: «Trinkgeld ist nicht angebracht – der Arbeitgeber hat wie in allen anderen Fällen auch einen angemessenen Lohn zu entrichten.» Dagegen sei eigentlich nichts einzuwenden, sagt der Gastro-Experte Saupe. Gebe der Gast aber in einem Restaurant immer wieder wenig Trinkgeld, mache er sich beim Personal sicherlich nicht speziell beliebt. «Vom Service kann er dann keine Extraleistungen erwarten.»

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Die einen geben nichts, die anderen zu viel – Schweizer handhaben es mit dem Trinkgeld ganz unterschiedlich. Kein Wunder, sorgt der Zustupf fürs Beizenpersonal immer wieder für hitzige Diskussionen. Auch die Leser von 20 Minuten haben unterschiedliche Meinungen. Aber wie viel Trinkgeld ist denn angebracht? Und ist es knausrig, mal kein Trinkgeld zu geben? Eines vorweg: Offiziell wurde das Trinkgeld in der Schweiz abgeschafft. Das geschah mit der landesweiten Einführung des Gesamtarbeitsvertrags im Schweizer Gastgewerbe im Jahr 1974, wie der Gastro-Experte Rafael Saupe vom Beratungsunternehmen Desillusion zu 20 Minuten sagt. Der Branchenkenner ordnet die Ansichten der Leser ein:

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«Nur den Job zu machen, reicht nicht»

Leserin Kathrin:«Ich habe früher immer Trinkgeld gegeben, da ich es von meinen Eltern so vorgelebt bekommen habe. Mittlerweile muss ich aber sagen, dass wenn das Servicepersonal mich einfach gut bedient, dies noch kein Grund für Trinkgeld ist. Eine regelkonforme Ausübung des Jobs verdient noch kein Trinkgeld.»
Das sagt der Experte: «Es kann tatsächlich nicht sein, dass man für die blosse Ausführung einer Leistung Trinkgeld geben muss. Wenn der Service aber überdurchschnittlich gut und freundlich war, ist Trinkgeld angebracht. Das macht man ja auch bei einem Möbellieferanten oder Pizzakurier so. Mit dem Trinkgeld kann der Gast die Wertschätzung ausdrücken.»

«Ich gebe auch einer arroganten Bedienung Trinkgeld»

Leser Robert: «Bei einem Kaffee für 4.40 Franken gebe ich gerne 7 Franken. Das zaubert dann meistens noch ein Lächeln auf das Gesicht der Bedienung. Nicht mal bei arroganten und abweisenden Bedienungen gebe ich kein Trinkgeld.»
Das sagt der Experte: «Das Trinkgeld ist in diesem Fall übertrieben hoch. Viele Leute haben kein Gefühl dafür, welches Trinkgeld angebracht ist. Oft wird einfach nach Lust und Laune ein spontaner Betrag gegeben. Ein hohes Trinkgeld kann aber auch ein Statussymbol sein, vor allem wenn man mit vielen Leuten am Tisch sitzt. Trinkgeld ist immer ein Statement.»

«In der Schweiz zahle ich sonst schon zu viel»

Leserin Camilla: «Im Ausland gebe ich immer gern Trinkgeld, denn da ist das Essen eigentlich immer sehr gut und die Bedienung nett. In der Schweiz zahle ich ja sonst schon viel zu viel.»
Das sagt der Experte: «Die Gastronomie im Ausland kann man nicht mit der in der Schweiz vergleichen. Die Kostenstrukturen sind unterschiedlich. Zudem hält man in den Ferien vieles für besser, weil man in guter Stimmung ist. So schmeckt am Strand der schlechte Wein auf einmal gut. Das Trinkgeld hat dann meist nichts mit der Qualität des Essens und des Service zu tun.»

«Trinkgeld ist nicht angebracht»

Leser Roger:«Trinkgeld ist nicht angebracht – der Arbeitgeber hat wie in allen anderen Fällen auch einen angemessenen Lohn zu entrichten. Ich runde jeweils nur auf den nächsten Franken auf, sofern ich bar bezahle.»
Das sagt der Experte: «Dagegen ist eigentlich nichts einzuwenden. Ein kleines Trinkgeld sollte nicht grundsätzlich zu einer Enttäuschung führen. Gibt der Gast aber in einem Restaurant immer wieder wenig Trinkgeld, macht er sich beim Personal sicherlich nicht speziell beliebt. Vom Service kann er dann keine Extraleistungen erwarten.»

Ich runde auf den nächsten Franken auf

Leserin Sabine: «Ich runde in der Regel auf den nächsten Franken auf. Aber wenn es zum Beispiel 18.90 Franken kostet, würde ich 20 Franken geben.»
Das sagt der Experte: «Wenn man einfach auf die 20 Franken aufrundet, ist das völlig in Ordnung. Trinkgelder in der Höhe von beispielsweise 10 oder 30 Rappen sind hingegen eher unangebracht. Denn das ist häufig ein negatives Statement. Dann gibt man lieber gar kein Trinkgeld.»

Ein Interview mit Rafael Saupe zum Thema Trinkgeld lesen Sie später auf 20 Minuten.

Alle Namen der Leser wurden geändert und sind der Redaktion bekannt

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Daniela am 31.12.2018 06:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Trinkgeld oder doch?

    Interessant. Das Trinkgeld wurde in der Schweiz abgeschafft. Warum höre ich dann oft von Servicefachangestellten das sie einen kleineren Grundlohn erhalten und gemäss Vertrag das Trinkgeld zum Grundlohn dazu gezählt wird? Ich glaube in diesem Fall haben die Gastronomen sas noch nicht mitbekommen oder wie muss ich das sehen? Und was räht der Herr Experte nun? 10% des Betrages oder wirklich nichts? Kommt nicht aus eurem Text raus....

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  • Bärgbur am 31.12.2018 07:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    keine Frage...

    aufmerksame und freundliche Bedienung, verdient in der heutigen etwas muffen Welt , absolut eine Belohnung in form eines trinkgeldes!

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  • Miggi am 31.12.2018 06:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "Lohnbestandteil"? für den Chef

    Was ich unangebracht finde ,wenn das Personal das Trinkgeld abgeben muss und der Chef das Geld auf alle Angestellten verteilt. Wenn ich mit dem Service zufrieden bin gebe ich der Person Trinkgeld die mich bedient hat und nicht dem übrigen Personal.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ace Ventura am 02.01.2019 18:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Es sind die schlechtesten bezahlten Jobs in der Schweiz...dann kommt extrem viel Stress und übelst unfreundliche Kunden dazu. Warum diskutiert man solche Dinge der Mindestlohn liegt bei 18.90.- Fr. Frechheit!

  • Lilly Wolf am 02.01.2019 15:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tringeld

    Gibt es kein andere Thema seid letztes Jahr " Tringeld) so viele Meinungen ? Habt ihr sein Leben nicht in Griff ? Jede soll machen , was er für richtig findet. Ein gutes Neues Jahr mit oder ohne Trinkgeld !

  • Franz am 02.01.2019 10:21 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Trinkgeld?

    Gästen, welche kein oder immer nur wenig Trinkgeld geben wird einfach beim nächsten mal ins Essen gespuckt. Hab ich in X Jahren und unzähligen Betrieben beobachtet. Eklig aber Fakt.

    • Kellner am 02.01.2019 12:40 Report Diesen Beitrag melden

      Kenn ich

      Unser Koch schiebt sich bei solchen Gästen das Fleisch vor dem anbraten erstmal in die Unterhose.

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  • _MadShark_ am 02.01.2019 10:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ei Huhn / Huhn Ei

    Im Artikel steht: wer nie Trinkgeld gebe, könne auch nie einen ausserordentlichen Service erwarten. Und weiter oben im Artikel: Nur Ausserordentlicher Service verdient ein Trinkgeld. Was den jetzt? Gebe ich Trinkgeld um einen guten Service zu erhalten oder gebe ich Trinkgeld nachdem ich einen guten Service erhalten habe. Ist eigentlich schon Traurig zu sehen wie die Heutigen Leute jeden Rappen spalten und geizig sind, für mich ist das TG selbstverständlich ausser es war ein mieser Service. die paar Franken TG machen doch keinen Unterschied wenn ich da die Rechnung bezahle. Und das Lächeln des Service ist doch immer schön. Aber in der heutigen Egogesellschaft hat dies leider keinen platz.

  • f. neumann am 02.01.2019 10:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trinkgeld

    es ist auffallend, dass scheinbar niemand mehr etwas davon weiss, dass das Trinkgeld eingerechnet ist und das Personal trotzdem noch immer zusätzlich es Trinkgeld erwartet!

    • Martin am 02.01.2019 11:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @f. neumann

      stimmt. aber das eingerechnete Trinkgeld sackt der Chef ein! Glauben Sie ja nicht dass die Angestellten nur einen Rappen davon zu sehen bekommen!

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