Ölpest

25. Juli 2010 13:20; Akt: 25.07.2010 18:14 Print

Tritt BP-Chef Hayward zurück?

Laut diversen Medien steht ein Rücktritt des umstrittenen BP-Chefs Tony Hayward unmittelbar bevor. In den nächsten 24 Stunden soll offiziell informiert werden.

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Nimmt BP-Chef Tony Hayward den Hut? (Bild: Reuters)

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Im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko hat wegen eines Sturmtiefs ein Dauerwettlauf mit dem Wetter begonnen. Unterdessen melden verschiedene Medien den bevorstehenden Rücktritt des heftig kritisierten BP-Chefs Tony Hayward gut drei Monate nach Beginn der Katastrophe.

Schlechtes Krisenmanagement, verbale Ausrutscher, horrende Kosten - der 53-jährige Hayward habe mit dem Ölkonzern bereits die Bedingungen für seinen Weggang ausgehandelt, berichtete der Sender BBC am Sonntag.

Eine offizielle Erklärung zu Haywards Rücktritt solle es innerhalb von 24 Stunden geben, hiess es bei BBC unter Berufung auf Unternehmenskreise. Die Wirtschaftsagentur Bloomberg meldete, dass die Ankündigung auch am Dienstag bei der Vorlage der Geschäftszahlen für das erste Halbjahr 2010 gemacht werden könnte.

BP wollte die Berichte weder bestätigen noch dementieren. «Hayward hat weiterhin das Vertrauen des Aufsichtsrats», sagte Konzernsprecher Toby Odone der Nachrichtenagentur dpa.

Als Haywards Nachfolger wird der US-Amerikaner Bob Dudley gehandelt. Er hatte vom BP-Chef bereits Ende Juni die operative Leitung bei der Eindämmung der Ölpest übernommen. Damals hiess es aus dem Konzern noch, Hayward solle sich wieder stärker dem regulären Geschäft widmen. Beobachter empfanden dies als Degradierung.

Unsensibel

Der Vorstandschef, der seine Karriere bei BP vor 28 Jahren begonnen hatte, war vor allem in den USA heftig gerügt worden für seinen Umgang mit der schwersten Umweltkatastrophe in der Geschichte des Landes.

Beissende Kritik zog er mit seinem Kommentar auf sich, er wolle einfach nur sein Leben wieder haben. Kurz darauf geriet er ins Schussfeuer der Medien, als er mit seiner Segelyacht «Bob» an einer Regatta im Ärmelkanal teilnahm.

Der Aufsichtsrat des Energiekonzerns trifft sich an diesem Montag, um über die Zukunft Haywards abzustimmen. Dabei solle lediglich Haywards Entscheidung abgesegnet werden, sagte der BP- Sprecher. Am Wochenende wurde den Berichten zufolge über eine Abfindung verhandelt. Sein Gehalt und Bonus betrug laut BP im vergangenen Jahr 3,1 Millionen Pfund (5 Mio. Franken).

Analysten erwarten, dass BP trotz der Ölpest im ersten Halbjahr dieses Jahres 10 Milliarden Dollar Gewinn gemacht hat. Gleichzeitig erwarten Branchenexperten, dass sich im zweiten Quartal unter dem Strich ein Verlust anhäuft - der erste seit mehreren Jahrzehnten.

Hurrikan-Saison

Die teure Schlacht an der Ölpest-Front ist für BP wegen des wechselhaften Wetters noch längst nicht geschlagen. Zwar konnten die Arbeiten am Sonntag wieder aufgenommen werden, nachdem sich das Sturmtief «Bonnie» deutlich abgeschwächt hatte. Doch die gerade begonnene Hurrikan-Saison in der Region nimmt Fahrt auf.

«Wir werden die restliche Saison über Katz und Maus spielen müssen», sagte der Einsatzleiter der US-Regierung, Admiral Thad Allen. Sobald sich der nächste grosse Sturm ankündigt, müssten die Arbeiten erneut unterbrochen werden. Allein die Evakuierung an diesem Wochenende habe die BP-Pläne, die defekte Ölquelle mit Hilfe von Parallelbohrungen endgültig zu verschliessen, mindestens um eine Woche verzögert.

Das Unterfangen dürfte laut Allen nicht vor Mitte August abgeschlossen sein. Eine provisorische Kappe auf dem Bohrloch hält aber wie schon seit rund zehn Tagen das Öl vom Ausströmen ins Meer ab - für BP ein Erfolg.

(kub/sda)