Weniger Kaufkraft

05. Oktober 2018 05:46; Akt: 05.10.2018 08:25 Print

Steigende Preise fressen Lohnerhöhung wieder weg

von Dominic Benz - Die Schweizer Wirtschaft ist im Hoch. Die Angestellten merken davon nicht viel: Die Lohnerhöhungen sind bescheiden, den Rest frisst die Teuerung weg.

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In der Schweizer Wirtschaft läufts – und zwar so gut, dass sich ansonsten eher trockene Ökonomen begeistern lassen. Die Experten der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) haben ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr deutlich erhöht – und zwar auf «beachtliche» 2,9 Prozent, so die Wortwahl des KOF. Auch für 2019 wird ein «solides» Plus von 2 Prozent erwartet.

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Bei den Löhnen hingegen wird die Hochkonjunktur nicht ankommen. «Die Firmen werden sich mit Erhöhungen zurückhalten», sagt Andreas Kühn, der mit seiner Firma Know.ch Lohnprognosen erstellt. Gründe seien etwa die Handelspolitik von US-Präsident Trump oder Unsicherheiten wegen des Brexit.

Keine grossen Sprünge beim Lohn

Auch die Credit Suisse erwartet trotzt Wirtschaftsboom keine grossen Sprünge beim Lohn. Sie prognostiziert zwar für 2019 eine nominale Lohnerhöhung von 1 Prozent. «Real wird aber nicht viel mehr im Portemonnaie der Arbeitnehmer sein», schreibt die Grossbank.

Schuld ist die Teuerung, sprich: steigende Konsumentenpreise. Sie fressen die ohnehin schon bescheidenen Lohnerhöhungen, die Schweizer Firmen versprechen, wieder weg. Die Credit Suisse schätzt darum das reale Lohn-Plus im kommenden Jahr auf noch 0,3 Prozent. «Die Kaufkraft wird kaum zunehmen», bestätigt KOF-Ökonom Michael Siegenthaler auf Anfrage. Im laufenden Jahr werden die um die Teuerung bereinigten Reallöhne sogar um 0,2 Prozent sinken. «Letztlich kann man von einer Stagnation der Löhne sprechen.»

Arbeitnehmer hatten früher mehr Geld im Sack

Weil die Teuerung seit 2017 wieder anzieht, werden sich die Schweizer daran gewöhnen müssen, dass ihre Löhne weniger wert sind. Von 2011 bis 2017 war noch das Gegenteil der Fall: Zwar ist die Schweizer Wirtschaft in dieser Zeit laut Siegenthaler «meist nur unterdurchschnittlich gewachsen», und auch die Löhne sind nur wenig gestiegen.

Dennoch hatten die Arbeitnehmer mehr Geld im Sack. «Weil die Preise in dieser Zeit unter dem Strich gefallen sind, ist die Kaufkraft gestiegen», erklärt der Ökonom. Das sei insbesondere nach dem Frankenschock der Fall gewesen. «Obwohl es also den Firmen schlecht ging, gab es ein Plus bei den realen Löhnen.»

Das zeigt ein Blick auf die Entwicklung der Saläre zwischen 2010 und 2017 im Baugewerbe. Dort lag der Medianlohn laut Angaben des KOF im Jahr 2010 bei 5848 Franken. 2017 betrug er 6035 Franken – ein Plus von 3,2 Prozent. Die Lohnsumme war aber in der Praxis noch mehr wert: Weil die Preise unter dem Strich um 1,9 Prozent sanken, lag der Reallohn im Baugewerbe im Jahr 2017 sogar bei 6146 Franken.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Onkel Tom am 05.10.2018 06:02 Report Diesen Beitrag melden

    Globalisierung Olé

    Egal. Ausländische Onlineshops, und shoppingcenter ausserhalb der Schweiz fangen meine Teuerung auf. Auch ich kaufe nur beim besten Preis. - Wie mein Arbeitgeber, muss auch ich meine Kosten im Griff haben.

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  • Typhoeus am 05.10.2018 05:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reiche werden Reicher

    und Arme ärmer. Das lernt man in den kapitalistischen Wirtschaftsschulen.

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  • Typhoeus am 05.10.2018 05:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vom Wirtschaftsboom

    profitieren nur die Aktionäre

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Käty am 27.10.2018 07:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    einfach traurig

    Letztes Jahr habe ich 20 Fr. Lohnerhöhung bekommen..... na ja ...

  • Barbara S. am 09.10.2018 20:30 Report Diesen Beitrag melden

    Spirale ...

    Weniger Kaufkraft = weniger Wachstum und Auslagerung resp. Einkauf ennet der Grenze oder ausweichen auf günstigere Produkte. Günstigere Produkte = günstigere Produktion, ev. fragwürdige Lieferkette samt ev. ungünstigem Einfluss auf Umwelt und Gesundheit. Aber hey, Gewinnoptimieren und Geiz-ist-Geil gehen immer weiter und weiter und weiter inkl. Job- und Bodenvernichtung und entsprechenden Wanderungen samt dem Grenzen dicht machen.

  • Ktja am 09.10.2018 17:06 Report Diesen Beitrag melden

    Wer glaubt, dass die Preise erst

    nach der Lohnerhöhung steigen, ist wirklich naiv. Sobald feststeht dass Lohnerhöhung ansteht, gehen die Betonpreise schon in die Höhe. Ein Schelm wer Böses denkt.

  • giulio colona am 09.10.2018 16:42 Report Diesen Beitrag melden

    fast alles teurer seit einigen Jahren

    Ölpreis hat seit 1Jahr ein anstieg von fast 50%. Krankenkasse geht rauf... Immobilien steigen seit bald 20 Jahren... Essen wird teurer Medikamente&Arztbesuche wird immer mehr... hat wohl nur der Glück der Gesund ist!

  • Hugo am 06.10.2018 23:02 Report Diesen Beitrag melden

    Jedes Jahr die selbe Leier

    ...unsere 7 Könige die sich im Wohlstand und im Geld suhlen interessiert nicht wie es dem Volk geht. Schliesslich sind wir ja nur da um zu gehorchen und ihr Portemonaie aufzufüllen. Eine andere Existenzberechtigung haben wir nicht. Das sollte doch mittlerweile auch dem letzten Schweizer bewusst sein. Oder seid ihr wiklich noch so naiv wie kleine Kinder deren einziger Horizont im Leben der Rand ihres Kinderbettchens ist?

    • Bartli am 08.10.2018 08:26 Report Diesen Beitrag melden

      Alles wird teurer

      Das was man mehr bekommt wird gleich wieder weggefressen, also alter Wein in neuen Schläuchen. Nun auch noch imense Kosten gegen Einbruchsicherung. Das Geschäft muss ja unglaublich rentieren. Drei mal darf man nun raten, wieso hier nicht subito die Strafen empfindlich erhöht werden. Entweder mit den Herkunftsländern verhandeln oder keine Hilfe mehr und dort einknasten. Mal sehen wer vor den Wahlen dies mal endlich in Angriff nimmt. Bald sind Wahlen.

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