Autobranche

04. Februar 2011 07:38; Akt: 04.02.2011 10:34 Print

Trotz des Booms bleiben feste Jobs rar

von Robert Erni - Nach der Krise setzen die Schweizer Autozulieferer auf Temporärjobs. Der Grund: So können sie bei der nächsten Krise unkompliziert Mitarbeitende abbauen.

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Schweizer Autozulieferer profitieren vom Branchen-Boom (Bild: Keystone)

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Die Finanzkrise war auch eine Krise der Autobauer. Aber sie ist vorbei. Nach dem dramatischen Einbruch stieg der Autoabsatz 2010 selbst in den Vereinigten Staaten wieder um über elf Prozent. Deutsche Automobilhersteller wie Audi und Volkswagen melden sogar Rekord-Verkaufszahlen. Aber nicht nur die Autohersteller freuen sich. Auch zahlreiche Schweizer Unternehmen profitieren. «Im laufenden Jahr und 2012 werden die Zulieferer wieder Umsätze wie vor der Krise erzielen», sagen die Analysten der Credit Suisse.

Einerseits profitierten die Schweizer Firmen von der wieder anziehenden Nachfrage der Automobilhersteller. Andererseits kommt den Schweizer Zulieferern der Trend zu immer umweltfreundlicheren und leichteren Fahrzeugen zugute. Autohersteller setzen vermehrt auf leichte Werkstoffe, um das Gewicht eines Fahrzeugs zu reduzieren. Diese Baustoffe sind «Made in Switzerland» und stammen von Firmen wie EMS-Chemie und Georg Fischer.

Auch der Verkabelungsexperte Komax profitiert von Gewichtseinsparungen. «Weil die Autos immer leichter werden, werden auch die elektronischen Komponenten immer kleiner», erklärt Komax-Sprecher Marco Knuchel. Um die steigende Nachfrage überhaupt noch zu bewältigen, hat Komax die im Krisenjahr verhängte Kurzarbeit inzwischen ausgesetzt. Auch der Autozulieferer und Weltmarktführer für Feinschneiden Feintool führt aufgrund der Auftragslage seit dem Sommer 2010 keine Kurzarbeit mehr.

Befristete statt feste Stellen

Doch auf den alten Personalbestand zurückzufahren, reicht längst nicht mehr. So ist die Dätwyler-Gruppe etwa gezwungen, zusätzliche Mitarbeitende anzustellen. Allerdings arbeiten diese laut Sprecher Guido Unternährer nur temporär.

Das ist typisch für die Nachkrisen-Situation. «Heute schaffen praktisch alle Automobilzulieferer wie Rieter, Georg Fischer oder Feintool immer mehr befristete statt fester Stellen», sagt ein Branchenkenner zu 20 Minuten Online. Der Grund: Bei der nächsten Krise können sie sich unkompliziert wieder vom überflüssigen Personal trennen. Diese Entwicklung gefällt der Unia überhaupt nicht: «Sie führt zu prekären Arbeitsbedingungen und Lohndruck», warnt Unia-Gewerkschaftssprecher Hans Hartmann. Unternehmerische Risiken dürften nicht auf die Mitarbeiter abgewälzt werden.