Damoklesschwert bleibt

20. Dezember 2011 11:32; Akt: 20.12.2011 12:43 Print

Trügerischer Sinkflug des Aussenhandels

von Balz Bruppacher - Noch sieht im Schweizer Aussenhandel alles nach einer sanften Landung aus. Spitzt sich die Lage im Euroraum zu, könnte sich dies aber rasch ändern.

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Ohne die Schubkraft der Uhrenexporte lägen die Ausfuhren klar im Minus. (Bild: Keystone)

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Sei es der seit September von der Nationalbank verteidigte Euro-Mindestkurs, seien es Preiszugeständnisse oder die Qualität der Produkte der Exportindustrie: Zum befürchteten Absturz der Schweizer Exporte und einer Wiederholung der Situation von Ende 2008 ist es diesen Herbst nicht gekommen. Die Unsicherheiten auf den Weltmärkten sind aber derart gross, dass an ein Zurücklehnen nicht zu denken ist.

Zum Positiven der Aussenhandelsstatistik der Eidgenössischen Zollverwaltung für den Monat November: Die Exporte nahmen im Vorjahresvergleich nominell um 0,9 Prozent zu, real um solide 3,8 Prozent. Im Elf-Monats-Vergleich resultiert dieses Jahr noch immer ein nominelles Plus der Exporte von 2,3 Prozent. Real, also um die Teuerung bereinigt, macht die Zunahme sogar 9,7 Prozent aus. Weil die Importe deutlich weniger stark stiegen, erreichte der Handelsbilanzüberschuss nach elf Monaten mit 21,8 Milliarden Franken einen neuen Rekordwert und war höher als im ganzen letzten Jahr.

Nur noch vier von zehn Exportzweigen im Plus

Bei der hinterher hinkenden Entwicklung der Importe beginnen aber die negativen Aspekte der Aussenhandelsstatistik. Im November rutschten die Einfuhren anders als in den vorangegangenen Monaten klar ins Minus. Dies könnte ein Hinweis auf eine sich verlangsamende Binnenkonjunktur sein. Bei den Exporten zeigen die saisonbereinigten Zahlen zum sechsten Mal in diesem Jahr eine rückläufige Entwicklung gegenüber dem Vormonat. Der Blick auf die einzelnen Branchen zeigt zudem, dass auch im Vorjahresvergleich nur noch vier von zehn Exportzweigen im Plus sind.

Exporte wären ohne Uhren klar im Minus

Ohne die Schubkraft der Uhrenexporte lägen die Ausfuhren klar im Minus. Die Uhrenindustrie legte mit einer Zunahme der Exporte um 16 Prozent auch im November ein neues Rekordresultat hin. Besonders gefragt sind nach wie vor Luxusuhren. Das schlug sich auch im Börsenkurs des Marktführers Swatch und des Luxusgüterkonzerns Richemont nieder. Beide Titel lagen bei leicht negativem Gesamtmarkt am Dienstagvormittag rund zwei Prozent im Plus.

China-Exporte im Krebsgang

Beunruhigende Anzeichen sind auch den Daten über die regionale Verteilung der Exporte zu entnehmen. So waren die Ausfuhren nach China im November rückläufig, nachdem dieser Markt mit einem Plus von über einem Fünftel bisher noch zu den Stützen gehört hatte. Deutschland als mit Abstand wichtigster Absatzmarkt der Schweizer Exportwirtschaft wies noch ein kleines Plus von 1,5 Prozent aus. Die Ausfuhren in die gesamte EU waren sowohl im November als auch in den ersten elf Monaten leicht rückläufig.

Hildebrand erwartet langwierige Sanierung in Europa

In der EU liegt auch das grösste Risiko für die Schweizer Exportwirtschaft. Noch 57 Prozent der Schweizer Ausfuhren gingen dieses Jahr in die EU. «Wenn es Europa gut geht, geht es auch der Schweiz gut», sagte Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand in einem gestern Abend ausgestrahlten Interview der TV-Sendung «ECO». Und stellte zugleich schwierige Zeiten in Aussicht: «Die letzten 10 Jahre waren voller Sünden», sagte Hildebrand. Die Korrektur werde nicht über Nacht gelingen. Europa habe vielmehr einen schwierigen, langen Weg vor sich. «Und das hat auch Auswirkungen auf die Schweiz», sagte der Notenbankchef.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Eidgenosse am 20.12.2011 14:12 Report Diesen Beitrag melden

    Immer das gleiche Lied

    Seit Jahren das gleiche Lied: Unsere Wirschaft geht unter. Und was ist passiert? Genau das Gegenteil. Die ständige Angstmacherei, mit dem Ziel, den Arbeitnehmer möglichst klein zu halten, geht mir gewaltig auf den Wecker. Man kann dann jammern, wenns soweit ist. Oder mit negativen Prognosen die Krise her suggerieren. Danke all den Medien und anderen Pessi-Misten.

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  • romaro am 20.12.2011 14:27 Report Diesen Beitrag melden

    Komisch ist, dass unsere ....

    .... Schweizer Industrieunternehmer nie die geringste Amerkung betreffend der, dank schwachen Euro, viel billigeren Import Rohstoffe gemacht haben! Aber dafür lautstark über den teuren Schweizerfranken jammern! Wie lange werden die das Volk noch für dumm verkaufen?

Die neusten Leser-Kommentare

  • romaro am 20.12.2011 14:27 Report Diesen Beitrag melden

    Komisch ist, dass unsere ....

    .... Schweizer Industrieunternehmer nie die geringste Amerkung betreffend der, dank schwachen Euro, viel billigeren Import Rohstoffe gemacht haben! Aber dafür lautstark über den teuren Schweizerfranken jammern! Wie lange werden die das Volk noch für dumm verkaufen?

  • Eidgenosse am 20.12.2011 14:12 Report Diesen Beitrag melden

    Immer das gleiche Lied

    Seit Jahren das gleiche Lied: Unsere Wirschaft geht unter. Und was ist passiert? Genau das Gegenteil. Die ständige Angstmacherei, mit dem Ziel, den Arbeitnehmer möglichst klein zu halten, geht mir gewaltig auf den Wecker. Man kann dann jammern, wenns soweit ist. Oder mit negativen Prognosen die Krise her suggerieren. Danke all den Medien und anderen Pessi-Misten.

    • evelyn am 20.12.2011 16:37 Report Diesen Beitrag melden

      die EU

      die schweiz exportiert 2/3 ihrer produktion.die EU ist ihr grösster abnehmer. die SVP will uns aber immer noch weiss machen uns geht es besser wenn wir unseren grössten kunden verunglimpfen...hallo....

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