US-Steuerreform

18. Januar 2018 21:29; Akt: 18.01.2018 21:29 Print

Apple bringt Milliarden heim – Trumps Triumph?

von P. Michel - Die Politik des US-Präsidenten polarisiert. Nun feiert er mit seiner Steuerreform einen ersten Erfolg. Ein USA-Kenner spricht von «grossartigen Nachrichten».

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«Einen riesigen Gewinn für die amerikanischen Arbeiter» vermeldete Trump auf Twitter. Grund seiner Freude: Aufgrund seiner Steuerreform transferiert der Konzern Apple 252 Milliarden Dollar Gewinne zurück in die USA. Den Anreiz dafür liefert Trumps Steuerreform, die den Transfer von Gewinnen aus dem Ausland einmalig zu einem ermässigten Satz besteuert. Zudem will Apple 20'000 Jobs schaffen und in den nächsten fünf Jahren mit 350 Milliarden Dollar zur US-Wirtschaft beitragen. Laut Martin Naville, Leiter der Handelskammer Schweiz-USA, ist die Ankündigung von Apple ein Zeichen dafür, dass die US-Steuerreform die Unternehmen überzeugen konnte. «Das sind grossartige Nachrichten für die USA.» Trumps Steuerreform werde nun für die Wirtschaft und die Arbeitsplätze einen positiven Effekt haben, sagt Ökonom Fabian Schnell von der liberalen Denkfabrik Avenir Suisse. Denn gerade Konzerne wie Apple hätten bisher ihr Kapital im Ausland geparkt, um Steuern zu sparen. Nun könnten weitere amerikanische Unternehmen dem Tech-Konzern folgen und einen Teil ihrer Aktivitäten wieder in die USA verlagern. Laut «New York Times» ist das neue Steuerregime vor allem für Konzerne wie Alphabet (Google), Microsoft und Cisco interessant. Trotzdem bleibt Schnell skeptisch: «Längerfristig wird die Reform die Staatsverschuldung wohl in die Höhe treiben.» Zudem könnten die zusätzlichen Investitionen, die durch die Steuerreform generiert würden, durch Trumps abschottende Massnahmen in seiner Wirtschaftspolitik wieder zunichte gemacht werden.

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Donald Trump lässt auf dem politischen Parkett keine Peinlichkeit aus. Der jüngste Eklat: Der US-Präsident nannte bei einem Treffen zur US-Einwanderungspolitik afrikanische Staaten sowie Haiti «Drecksloch-Länder». Statt sich auf Twitter weiter der Welle der Entrüstung zu stellen, konnte Trump jedoch am Mittwoch endlich auf einen handfesten Erfolg verweisen:

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Der Konzern Apple hatte nämlich angekündigt, Gewinne in Höhe von 252 Milliarden Dollar, die zurzeit ausserhalb der USA gehalten werden, zurück in die USA zu transferieren. Den Anreiz dafür liefert Trumps Steuerreform, die den Transfer von Gewinnen aus dem Ausland einmalig mit einem ermässigten Satz besteuert. Zudem will Apple 20'000 Jobs schaffen und in den nächsten fünf Jahren mit 350 Milliarden Dollar zur US-Wirtschaft beitragen.

«Grossartige Nachrichten für die USA»

Laut Martin Naville, Leiter der Handelskammer Schweiz-USA, ist die Ankündigung von Apple ein Zeichen dafür, dass die US-Steuerreform die Unternehmen überzeugen konnte. «Das sind grossartige Nachrichten für die USA.» Die Reform sei zwar lange vor der Präsidentschaft Donald Trumps von führenden Republikanern aufgegleist worden und der Aufschwung habe bereits unter Obama eingesetzt. «Es brauchte aber einen Präsidenten mit einer eigenen Mehrheit im US-Kongress, um die Reform auch durchzusetzen», ergänzt Ökonom Fabian Schnell vom liberalen Thinktank Avenir Suisse.

Für Naville haben Trump und die Republikaner nicht nur bei der Steuerreform die richtige Entscheidung getroffen, auch seine Wahl der Kabinettsmitglieder habe zum Aufschwung beigetragen: «Er hat Minister eingesetzt, die konsequent Bürokratie und Regulierungen abgebaut haben.» Konkret meint er etwa die Lockerung der Ölförderung auf See oder die Regelung, bei jedem neuen Gesetz zwei alte zu streichen.

Microsoft und Google könnten folgen

Trumps Steuerreform werde nun für die Wirtschaft und die Arbeitsplätze einen positiven Effekt haben, sagt Schnell. Denn gerade Konzerne wie Apple hätten bisher ihr Kapital im Ausland geparkt, um Steuern zu sparen. Nun könnten weitere amerikanische Unternehmen dem Tech-Konzern folgen und einen Teil ihrer Aktivitäten wieder in die USA verlagern. Laut «New York Times» ist das neue Steuerregime vor allem für Konzerne wie Alphabet (Google), Microsoft und Cisco interessant.

Im Vorfeld wurde kritisiert, Trumps Steuerreform nütze vor allem den Reichen und den Unternehmen. Mit der Ankündigung könnte Apple versuchen, zu zeigen, dass auch für die Unter- und Mittelschicht Jobs geschaffen würden. Wie die «New York Times» schreibt, hatte Apple aber ohnehin geplant, in den nächsten fünf Jahren in den USA 275 Milliarden Dollar zu investieren.

Nach Abzug der einmaligen Steuer investiert Apple also lediglich 37 Milliarden Dollar mehr. Ein Analyst sagte zur Zeitung: «Mit der Charme-Offensive sieht es so aus, als ob Apple Donald Trumps Ruf nachkommt, mehr amerikanische Jobs zu schaffen.»

Reform könnte auch zu mehr Staatsverschuldung führen

Skeptisch bleibt Ökonom Schnell, auch wenn die Steuerreform kurzfristig Unternehmen anziehen wird. «Längerfristig wird die Reform die Staatsverschuldung wohl in die Höhe treiben.» Insgesamt beträgt der Umfang der Steuererleichterungen 1,5 Billionen Dollar. Zudem könnten die zusätzlichen Investitionen, die durch die Steuerreform generiert würden, durch Trumps abschottende Massnahmen in seiner Wirtschaftspolitik wieder zunichte gemacht werden. «Etwa wenn er die Drohung wahr macht, das Nordamerikanische Freihandelsabkommen mit Mexiko und Kanada aufzukündigen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • JK am 18.01.2018 21:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komisch..!?

    Ich bin überhaupt kein Trumpanhänger, im Gegenteil. Als er jedoch gewählt wurde sagte Apple, dies sei nicht unser Präsident. Wenns aber ums Geld geht (konkret Steuern sparen), ist es dann plötzlich kein Problem mehr. Komisch!? Und amerikanische Doppelmoral vom Feinsten..

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  • Mark Cuban am 18.01.2018 21:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eins muss man ihm lassen

    Wie und wo man Geld holt, weiss er nun halt mal. Alles andere ist Ansichtssache.

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  • Marco am 18.01.2018 21:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Das ist wohl eher Trumps Gebiet! Wenn es um Geld geht weiss er schon wie Handhaben... einfach mit der Politik hat er es nicht so.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Margaret am 22.01.2018 15:27 Report Diesen Beitrag melden

    Gut gemacht Donald

    Man kann über ihn sagen was man will, aber aus wirtschaftlicher Sicht ist er sicher ein Glücksfall für die USA.

  • JFK am 21.01.2018 14:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bye, bye Apple

    Naja, dann sind sie halt schneller im Konkursverfahren. Der 2. Welt-Staat USA macht's ja mit seiner "Witzfiguren-Regierung" vor.

  • Linearium am 20.01.2018 16:45 Report Diesen Beitrag melden

    Die USA ändert wenigstens was...

    ...und wir regulieren uns ins Abseits, lassen Steuern, Gebühren und Abgaben wachsen. Oben drauf stimmen wir noch für diese wachsenden Ausgaben. Voll schräg.

  • anaBel am 20.01.2018 16:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pleite!

    Nützt auch nichts wenn der Staat pleite ist.....Siehe heutiger Zeitungsbericht.

  • A.Surrer am 20.01.2018 13:12 Report Diesen Beitrag melden

    Eine riesen PR-Übung seitens Apple.

    Mal wieder! Das ist in was Apple eigentlich noch Spitze ist. Marketing! Wenn wir nämlich ehrlich sind, sind 95% der Apple "Innovationen", schlicht und einfach "Kopien die sehr teuer verkauft werden"...Weder das GUI, noch die Maus, noch das Touch-screen, auch nicht MP-3, auch Musik online zu kaufen, stammt nicht von Apple... Was sie erfunden haben, war das Unibody-Case. o.k. und das Technische Geräte nun vermarktet werden wie Medikamente, die werden nämlich auch nicht billiger...technische Geräte früher einmal schon.