Emmentaler und Gruyère

04. Oktober 2019 04:42; Akt: 04.10.2019 07:15 Print

Schweizer Käser freuen sich über Trumps Zölle

von Raphael Knecht - Die USA erhöhen die Zölle auf EU-Käse – für Schweizer Hersteller ist das ein Wettbewerbsvorteil.

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Auf der Liste der neuen Abgaben stehen auch die Käsesorten Emmentaler und Gruyère. Donald Trumps Regierung erhebt weitere Strafzölle gegen die EU in Höhe von 7,5 Milliarden US-Dollar. Wird dieser Käse aus der EU in die USA exportiert, wird ein Importzoll in der Höhe von 25 Prozent des Warenwerts fällig. Emmentaler AOP und Gruyère AOP, der direkt aus der Schweiz in die USA geliefert wird, ist nicht von diesen Zöllen betroffen. Für die Schweizer Käse-Exporteure könnte das eine Chance sein, denn die Imitate aus dem EU-Raum werden wegen Trumps Zöllen in den USA teurer. «Grundsätzlich ist es immer ein Wettbewerbsvorteil, wenn auf Schweizer Produkte weniger Zoll angewendet wird als auf Konkurrenzprodukte aus dem Ausland», sagt Wirtschaftsprofessor David Dorn von der Universität Zürich zu 20 Minuten. Unklar ist, wie es mit den Zöllen auf längere Zeit weitergeht: «Die Freude ist vielleicht nur von kurzer Dauer», sagt Mathias Binswanger, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule Nordwestschweiz. «Das war ein grosser Sieg für die Vereinigten Staaten»: Donald Trump ist mit dem Entscheid der WTO zugunsten der USA zufrieden. Bei der Einfuhr von Flugzeugen wird laut dem US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer eine zusätzliche Abgabe von 10 Prozent erhoben werden. Bei zahlreichen anderen Produkten wie Käse, Wein, Butter, Olivenöl und Kaffee wird es ein Strafzoll von 25 Prozent sein. Lighthizer erklärte, man habe bewusst nicht zu den maximal möglichen Strafzöllen von 100 Prozent gegriffen, um Raum für Gespräche zu lassen. Die ab 18. Oktober geltenden Zölle sollen demnach vor allem Produkte der Länder betreffen, die für die Airbus-Subventionen verantwortlich waren: Deutschland, Frankreich, Spanien und Grossbritannien. Grundlage für die Vergeltungsmassnahmen ist ein WTO-Urteil von Mai 2018, mit dem der Streit um Airbus-Subventionen nach fast 15 Jahren zugunsten der USA zu Ende gegangen war. Die EU wiederum hat in einem ähnlichen Verfahren um Subventionen für den US-Luftfahrtkonzern Boeing Recht bekommen und droht, im kommenden Jahr ebenfalls Strafzölle zu erheben. Bezeichnet die von den USA geplanten Strafzölle als «kurzsichtig und kontraproduktiv»: EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström.

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Die US-Regierung hat neue Strafzölle für die EU angekündigt. Die Welthandelsorganisation (WTO) hatte am Mittwoch Zölle in Höhe von 7,5 Milliarden US-Dollar genehmigt. Auf der Liste der neuen Abgaben stehen auch die Käsesorten Emmentaler und Gruyère.

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Wird dieser Käse aus der EU in die USA exportiert, wird ein zusätzlicher Importzoll in der Höhe von 25 Prozent des Warenwerts fällig. Emmentaler AOP und Gruyère AOP, der direkt aus der Schweiz in die USA geliefert wird, ist nicht von diesen Zöllen betroffen. Das bestätigt Christa Wettstein, Sprecherin vom Fachverband Switzerland Cheese Marketing, auf Anfrage.

Vorteil für die Schweiz

Nicht-schweizerischer Emmentaler und Gruyère werden durch die Zölle in den USA teurer. Die Schweizer Käser freuen sich über die Strafzölle, sagt Wettstein: «Jede Verringerung der Preisdifferenz zwischen dem Original-Produkt aus der Schweiz und den Imitaten aus dem EU-Raum kann eine Chance sein.» Eine Prognose, ob der Absatz der Schweizer Produkte in den USA wegen der Strafzölle effektiv steigen wird, wolle man aber noch nicht machen.

Wirtschaftsprofessor David Dorn von der Universität Zürich sagt zu 20 Minuten: «Grundsätzlich ist es immer ein Wettbewerbsvorteil, wenn auf Schweizer Produkte weniger Zoll angewendet wird als auf Konkurrenzprodukte aus dem Ausland.» Es müsse sich nun zeigen, wie viel Marktanteil der Schweizer Käse den Imitaten aus dem Ausland abluchsen könne.

Freude nur von kurzer Dauer?

Emmentaler oder Gruyère aus der Schweiz bekomme man in den USA vor allem in Delikatessen-Läden und Märkten im hohen Preissegment. Beim Discounter sei es gut möglich, dass statt EU-Importen einfach mehr heimische Käseprodukte angeboten werden.

Zudem ist unklar, wie es mit den Zöllen auf längere Zeit weitergeht: «Die Freude ist vielleicht nur von kurzer Dauer», sagt Mathias Binswanger, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Die Handelspolitik der USA sei zurzeit dermassen unberechenbar, dass sich die Situation schnell wieder ändern könne.

Käseimporte für 92 Millionen Dollar

Rund 20 Prozent der diesjährigen Emmentaler-Importe in die USA kamen aus der Schweiz. Importe machen allerdings lediglich 2 Prozent des amerikanischen Käsemarktes aus. Laut Kongressmitglied Bill Pascrell liegt der niedrige Anteil aber nicht an der fehlenden Nachfrage, sondern daran, dass die USA schon seit längerem hohe Zölle auf Käseimporte erhebt.

Die Vereinigten Staaten importierten 2018 Käse im Wert von 92 Millionen US-Dollar aus der Schweiz. Zum Vergleich: Deutschland – der grösste Käse-Exporteur für den US-Markt – lieferte im gleichen Jahr Käse im Wert von 4,4 Milliarden Dollar. Das Importvolumen aus dem Vereinigten Königreich, Italien und Frankreich lag bei jeweils rund 2 Milliarden Dollar. Fast 80 Prozent des Import-Käses kommt aus der EU.

Die neuen Zölle sollen am 18. Oktober in Kraft treten. Hintergrund für die Sanktionen ist der seit 15 Jahren andauernde Streit um Subventionen für den europäischen Flugzeugbauer Airbus und dessen US-Wettbewerber Boeing. Beide Firmen hatten laut WTO unzulässige Staatshilfen erhalten, was zu einer Wettbewerbsverzerrung geführt hatte. Die USA hat nun zuerst grünes Licht für Strafzölle erhalten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Erwin am 04.10.2019 05:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CH zum Glück nicht in der EU

    Einmal mehr: gut, dass wir nicht in der EU sind.

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  • Schneidewind am 04.10.2019 05:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Subventionen gefällig?

    Super! Dann können wir den Amis noch mehr subventionierten Emmentaler schicken.

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  • Mister Clever am 04.10.2019 05:17 Report Diesen Beitrag melden

    Er füllt alle Staatskassen mit denen Er streitet.

    Spühlt noch 7,5 Milliarden mehr in die Kassen der USA. Natürlich wird die EU sich revanchieren und auch einige Milliarden Schutzzölle in die Staatskassen spühlen. Der Konsument zahlt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Roli am 05.10.2019 23:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freude unangebracht

    Tatsache ist, dass die Zölle in der EU viel höher sind als in den USA. Der Schweizer Staat hat es nicht verstanden unsere Käsesorten zu schützen. Mal sehen was wir aus dieser Situation machen.

  • Roger am 05.10.2019 19:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dank keinem Rahmenabkommen

    Zum Glück haben wir kein Rahmenabkommen, sonst könnten wir auch noch betroffen sein oder ?

  • Toni-il-tedesco am 05.10.2019 19:10 Report Diesen Beitrag melden

    Swissmade

    Hoffentlich weiss das der Trump, das die Schweiz nicht zur EU gehört

  • Rolando am 05.10.2019 19:00 Report Diesen Beitrag melden

    Eigentor Trump

    Trump bewirkt, dass sich seine Geschäftspartner Gedanken machen und eigene Lösungen, losgelöst und unabhängig von Trump und Amerika machen. Wie z.Bsp. China und Russland und neuerdings auch Europa ( ohne die Schweiz ). Auf Apple, Facebook, Microsoft, Twitter und Co. kann verzichten und eigene Alternativen aufbauen .. Amerika, ich sage Tschüss, eure Waren braucht es nicht, euer Ölvorrat interessiert uns nicht und euere Demokratie ist schon lange keine echte mehr.

  • rene w am 05.10.2019 11:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    luxusprodukt

    In den USA ist Schweizer Käse ein Luxusprodukt. Der einfache Ami kann sich höchstens die billigen Imitate leisten. Und die Mehrheit isst den in abgepackten Scheiben verkauften Cheddar. Das ist auch das Zeugs das auf den Burgern ist. DT ist meines Wissens nicht wie Kim Jong Un dem Schweizer Emmentaler verfalen.

    • Kayla am 05.10.2019 17:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @rene w

      Nein mit gutem Geschmack könnte DT sich noch nie brüsten, in keiner Art und Weise.

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