Doch keine Negativzinsen

20. Oktober 2019 11:45; Akt: 20.10.2019 11:45 Print

Wie die UBS im Ärmelkanal die SNB austrickst

Um die Negativzinsen für Wohlhabende umgehen zu können, schaffte die UBS auf der Jerseyinsel im Ärmelkanal ein Treuhand-Konto zur Gelddeponie.

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Wer mehr als zwei Millionen Franken auf dem Konto hat, muss bei der UBS und Credit Suisse Negativzinsen bezahlen. Für das Horten des Geldes verlangen die beiden Grossbanken eine Gebühr von 0,75 Prozent des angelegten Vermögens.

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Doch keine Bank vergrault ihre reichen Kunden gerne – deshalb bietet die UBS ihren wohlhabenden Klienten jetzt ein Schlupfloch an. Um die Negativzinsen zu umgehen, können die Reichen ihr Geld bei der UBS auf der Insel Jersey im Ärmelkanal deponieren. Und zwar auf einem Konto namens «Fid Call UBS Jersey» bei der dortigen Bank-Filiale, wie die «Sonntagszeitung» berichtet.

Angebot der UBS kam via Telefon

Gegenüber der Zeitung erzählt ein UBS-Kunde, wie ihm genau dieses Angebot unterbreitet worden ist: Vor ein paar Wochen habe ihn ein Banker der UBS angerufen und ihm vorgeschlagen, den Bargeld-Anteil jenseits der 2-Millionen-Franken-Schwelle auf die kleine britische Insel zu transferieren. Der Berater erklärte dem Klienten, dass ihm von diesem Treuhand-Konto in Jersey keine Negativzinsen abgezogen werde.

Der reiche Kunde ist also aus dem Schneider: Es werden ihm nun hier keine Gebühren im fünfstelligen Bereich vom Bargeldvermögen abgezogen, auch kann er das Geld nach Belieben und innert Kürze wieder abheben. Lediglich etwas ändert sich: Das Konto auf der Insel Jersey verwaltet nicht mehr die UBS Switzerland AG, sondern die UBS AG.

Das Spiel zwischen den UBS-Banken

Dies ist der springende Punkt: Die UBS AG muss ihre Einlagen nicht bei der Schweizer Nationalbank (SNB) deponieren, da sie weniger Depositen als Kredite aufweist. So werden der UBS AG von der SNB auch keine Gebühren auferlegt. Anders bei der «Schwesterbank», der UBS Switzerland AG: Weil diese in ihrer Bilanz mehr Einlagen als Kredite aufweist, muss sie die Gelder zwischenzeitlich bei der SNB gegen Gebühr parkieren.

Diese Unkosten werden schliesslich dem Kontoinhaber übertragen. Indem die Kunden die Gelder nun aber von der UBS Switzerland AG zur UBS AG verschieben und so die anfallenden Negativzinsen umgehen, schlagen sie der Nationalbank und ihrer Geldpolitik schliesslich ein legales Schnippchen.

(miw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marco am 20.10.2019 12:10 Report Diesen Beitrag melden

    Kundenorientiert

    Sorry aber hier macht die UBS alles richtig! Sie ist bemüht ihren Kunden eine bestmögliche Anlage zu bieten und nutzt dabei die vorhandenen Möglichkeiten. Diese Minus-Zins-Politik der SNB gehört schon lane korrigiert. Bevor es dann auch noch den kleinen 0815-Kunden trifft.

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  • Thomi am 20.10.2019 11:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    War doch absehbar

    Das war doch schon vorneweg klar... Bei den Reichen lernt man sparen!

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  • Markus S. am 20.10.2019 12:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auslaufmodell?

    Darum sind solche Banken ein Auslaufmodell inkl. der Armada von überbezahlten Steueranwälten. Wenn die Banken dann mal jedes Sparkonto mit weiteren absurden Zusatzspesen belasten werden, so wird dann wohl niemand für meine gesparten CHF 5.50 von der UBS anrufen. Wenn doch, dann eher um das Konto aufzulösen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Radagast am 22.10.2019 22:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Logisch

    Nichts daran auszusetzen, läuft ja alles legal und transparent. Die Negativzinsen sind ja keine Steuer sondern eine Gebühr für das Geld bei der SNB parken. Diesen Schritt zu umgehen ist nur logisch. Der Kleinsparer macht übrigens dasselbe indem er das Geld zuhause parkt.

  • Andy82 am 22.10.2019 22:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    falsche Logik

    Ich bin halt immer noch der Meinung es müsste inzwischen für Kredite, Hypotheken und andere Schulden einen Zins geben der dem Schuldner bezahlt wird. Wäre ja nur logisch wenn man ja quasi bezahlt weil man Vermögen hat... aber nein... man bezahlt jetzt einfach immer Zins, statt zu bekommen

  • Walter am 22.10.2019 11:43 Report Diesen Beitrag melden

    Hinterlist zur Gewinnmaximierung

    Wer glaubt die UBS oder andere Schweizer Banken müssen ihr ganzes Aktivkapital als Sichtguthaben bei der Nationalbank halten, auf denen die Schweizer Nationalbank Negativzinsen erhebt, der irrt gewaltig. Aber grossartig Negativzinsen und immer mehr Gebühren auf Sparguthaben den Kunden zu belasten, das scheint en vogue zu sein.

  • Uncle SAM am 22.10.2019 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    Nehmt alle euer Geld

    vom Konto und lagert es in einem Bankschliessfach

  • Stöffu am 22.10.2019 08:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kriminelle Ansätze

    Reiche werden systematisch auf der ganzen Welt geschützt. Bei der Vermögensbildung und bei den Steuerersparnissen. Hoffentlich gibt es noch genügend heissen Limburger, damit gewisse Leute und ihre Handlanger mal zur Rechenschaft gezogen werden können.