Einschätzung

15. September 2011 17:50; Akt: 17.09.2011 17:12 Print

UBS-Chef Grübel vor Rücktritt?

von Lukas Hässig - Der Zwei-Milliarden-Verlust der UBS könnte CEO Oswald Grübel zum Rücktritt bewegen. Die Grösse des Verlusts ist Grund genug für einen vorzeitigen Abgang.

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Grübelt Grübel über seinen Rücktritt nach? (Bild: Keystone)

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Der 15. September hat es in sich. 2008 ging die US-Investmentbank Lehman Brothers Konkurs, das weltweite Finanzsystem geriet an den Abgrund. Drei Jahre später erleidet die UBS aus heiterem Himmel 2 Milliarden Dollar Verluste im Handelsgeschäft.

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Für UBS-CEO Oswald Grübel wird es nach dem Auffliegen eines Zwei-Milliardenskandals in seiner Bank eng. Was denken Sie, soll Grübel zurücktreten?
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Die Grösse des Verlusts könnte einen Rücktritt ganz oben nötig machen. In den 1990er Jahren galt eine Grenze von rund 1 Milliarde für ein Köpferollen, so wie im LTCM-Fall, als UBS-Präsident Mathis «Cab» Cabiallavetta im Herbst 1998 gehen musste.

«Cab» ging nach 1 Milliarde, Ospel nach 37

Unter Nachfolger Marcel Ospel wurde die Rücktrittsgrenze weit nach oben verschoben. Erst bei 37 Milliarden Dollar Subprime-Verlust machte Ospel im Frühling 2008 den Präsidentenplatz für seinen Konzernanwalt Peter Kurer frei.

Bei Grübel könnten die 2 Milliarden von heute genügen. Grübel steht für ein anderes Verantwortungsgefühl als Ospel. Er hat in der Subprime-Krise als damals frühpensionierter Ex-CEO der Konkurrentin Credit Suisse stets gefordert, dass die Top-Banker ihre Verantwortung wahnehmen müssten. Dazu gehört ein Rücktritt ab einer bestimmten Verlusthöhe.

Kommt hinzu, dass Grübel eine Händlernatur ist. Er weiss, wie das Investment-Banker-Leben funktioniert. Mal gewinnt man, mal verliert man, und je höher der Einsatz, desto grösser das Verlustrisiko und desto höher hinauf in der Hierarchie reicht die Verantwortlichkeit.

«Bleibt sich Grübel treu, dann verkündet er seinen Rücktritt»

Ein Zürcher Personalmanager, der Grübel und weitere Topshots der Grossbanken persönlich kennt, sagt es im Hintergrundgespräch so: „«Wenn sich Grübel treu bleibt, dann gibt er seinen Rücktritt bekannt». Gleichzeitig würde die Bank in diesem Fall kommunizieren, wie es personell weitergehen würde. «Grübel könnte dann sagen, dass er noch so lange an Bord bleibe, bis der Verwaltungsrat einen Nachfolger gefunden habe».

Wird das Szenario eines unmittelbar bevorstehenden Grübel-Rücktritts Realität? Das derzeitige Schweigen bei den Behörden und innerhalb der Bank könnte darauf hindeuten.

Die Aufsicht sagt nichts, die UBS sagt - abgesehen vom zwingend bekanntzugebenden Verlust - nichts, die Nationalbank sagt nichts, versucht aber, mit noch mehr Gratis-Liquidität für UBS&Co. die Investoren zu beruhigen. Hinter dem grossen Nichts-Sagen könnten intensive Beratungen über einen bevorstehenden Abgang des UBS-Chefs stehen.

Retter in Not, aber der Falsche für die Zukunft

Das alles ist vorläufig Spekulation. Klar ist, dass Grübel sein Pulver verschossen hat. Er hat die UBS im Frühling 2009 vor einem weiteren Abgleiten bewahrt, hat mit einem scharfen Sparkurs das Steuer herumgerissen und die Bank auf ein einigermassen tragfähiges Fundament gestellt.

Was Grübel verpasst hat ist, der UBS eine tragfähige Strategie für die Zukunft zu verpassen. Die Grossbank bleibt den Stürmen der Märkten ausgeliefert, weil sie wie unter den früheren Chefs stark aufs volatile Investmentbanking gesetzt hat, statt wie vor 20 Jahren eine stink langweilige Bank zu sein. Diese würde brav ein bisschen Gewinne einfahren, was zwar niemanden aus den Schuhen reisst, aber auch niemandem schlaflose Nächte bereitet.

Nun hat der Mohr also seine Schuldigkeit getan, und der Mohr kann somit gehen. Geht Grübel? Es wäre der konsequente Schritt, der zu ihm und seinem Naturell passen würde. Und es wäre das richtige Signal für einen echten Neuanfang bei der UBS.

Bei Klick auf die Grafik erhalten Sie den interaktiven UBS-Kurs und können sich den Verlauf in verschiedenen Zeitabschnitten anzeigen lassen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bürger am 15.09.2011 17:59 Report Diesen Beitrag melden

    Back to Basic

    Ja, was will man da noch mehr sagen? Die neuen Saubermänner sind die alten Gewissenlosen. Jeder will hoch hinaus und fällt tief vor allem im Finanzwesen. Wann wird der Hals endlich mal voll sein?

  • Pius Frick am 15.09.2011 18:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder bei der UBS

    Sie geben auch jedes halbe Jahr ein paar tausend geheime kundendaten raus. Wer will so einer bank noch vertrauen. Alle ziehen ihr geld ab. Die ubs wird es bald nicht mehr geben wenn sie so weiter macht.

  • Christoph Geiser am 15.09.2011 22:37 Report Diesen Beitrag melden

    Zu früh für einen Rücktritt

    Für das Gehalt das er bezieht, kann man zwar einiges verlangen, aber für Wunder ist Jesus zuständig. Zwei Jahre sind nicht gerade viel in einem derart komplexen Betrieb wie der UBS. Der 2 Mrd. Fall ist zwar happig, aber er geschah in London, es war eine "Einzeltätersache", der Verlust lässt sich so nicht der Konzernspitze anlasten. Grübel wurde engagiert um den Laden auf Vordermann zu bringen, das tut er ja auch, aber eben, wenn die Informnationen von unten nicht nach oben fliessen, kann er auch nichts dagegen unternehmen. Und unten wird es einige geben, die den Deckel auf etwas halten.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Oesi Gruebi am 20.09.2011 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    Wahn der Topverdiener

    Es gibt leider immer noch Top Manager, die meinen Millionen an Boni zu kassieren, weil es Sie gute Manager sind und nicht weil sie was leisten. Ein Grund fuer solche exzessive Salaere sollte sein, dass Sie eben aussermenschliches Leisten gemaess ihren aussermenschlich hohen Salaere. Da gehoert auch dazu, dass man Risk und Kontrollsysteme implementiert, wie wirksam sind. Das Oesi nicht einsieht, dass er Schuld ist nur ein Zeichen, dass er die Bodenhaftung verloren hat.

  • Hansi am 16.09.2011 10:54 Report Diesen Beitrag melden

    Zumachen

    Ach die blöde Bank soll mal ihr Türen schliessen.

  • P. Jutzeler am 16.09.2011 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    Lug & Betrug

    'Es handle sich «um einen sehr professionell gemanagten Betrugsfall», erklärte Villiger..': Die seit langem ehrlichste Definition des Bankgeschäftes. Von einem der's wissen mus...

  • Andreas Azzarito am 16.09.2011 09:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fall UBS

    Bin der Meinung Herr Gruebel sollte schnellstens verschwinden. Dieser Mann schadet der UBS Bank so wie der Wirtschaft.

  • Kleiner Bankarbeiter am 16.09.2011 09:23 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Welt ohne Investmentbanking....

    Warum Investmentbanking? ... die Banken, deren Aktionäre/Pensionskassen, wir Steuerzahler haben damit die letzten 15 Jahre per Saldo viele Milliarden verloren! Auf der anderen Seite bezahlten sich in derselben Zeit ein paar tausend Investmentbanker und Topkader der Banken Milliarden an Boni aus ... für welche Leistung an den Kunden? Mehr Volatilität, mehr System Risiken, mehr Bank Zusammenbrüche, mehr Unsicherheit, ... darum: die Welt wäre wohl eine bessere ...OHNE (die finanztechnischen Massenvernichtungswaffen des) Investmentbanking!