UBS-Bilanz 2010

08. Februar 2011 15:38; Akt: 09.02.2011 09:30 Print

UBS-Exodus - ein Segen für die Schweiz

von Lukas Hässig - UBS-Chef Oswald Grübel spricht von einem möglichen Auszug von Teilen der Grossbank ins Ausland - aus Renditegründen. Genau das könnte für das Land gut sein.

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Grossbanken-Zampano Oswald Grübel bei der Präsentation der UBS-Bilanz 2010 in Zürich. (Bild: Keystone)

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Das Lobbying der Grossbanken erreicht einen neuen Höhepunkt. UBS B”rsenkurs-CEO Oswald Grübel machte am Dienstag bei der Präsentation des 7-Milliarden-Jahresgewinns deutlich, dass seine Bank Investmentbank-Aktivitäten ins Ausland verschieben könnte, und zwar in eigens mit Kapital ausgestattete Ausland-Töchter.

Was ist in Grübel gefahren? Als Grund nennt der Grossbanken-Zampano die mögliche Überregulierung im Inland. Das Investmentbanking, wo die UBS zu den Grössten der Branche aufschliessen will, werde unter Schweizer Vorschriften möglicherweise zum Verlustbusiness.

Der Hintergrund sind Eigenkapital-Vorgaben, die derzeit in der Vernehmlassung sind. Bis Ende 2018 sollen UBS und CS B”rsenkurs laut Expertenmeinung 19 Prozent der Risiko-Aktiven in Form von Aktienkapital, Reserven und Zwangs-Wandelanleihen halten. Das ist rund das Doppelte dessen, was international in Diskussion ist.

«Nicht zweimal so viel»

Er könne durchaus mit höheren Eigenkapitalvorschriften als im Ausland leben, meinte Grübel im Gespräch mit einer kleinen Schar von Journalisten. «Doch zweimal so viel wie unsere Konkurrenz ist vielleicht doch ein wenig übertrieben, wenn alle anderen beim internationalen Minimum bleiben», meinte der UBS-Chef.

Die UBS macht laut Grübel 80 Prozent ihres Geschäfts im Ausland, unterliegt aber zu 100 Prozent Schweizer Kapital-Vorschriften. Mit einem «Regulatory shopping», bei dem die Bank ihre Aktivitäten aufgrund der unterschiedlichen Vorschriften in den jeweiligen Ländern ansiedeln würde, könnte sie ihre wirtschaftliche mit der rechtlichen Realität in Einklang bringen.

Grübels Konzernmodell mit Ausland-Niederlassungen erinnert an Christoph Blochers Holding-Vorschlag für die Grossbanken. Es zwingt die Bank, die Ausland-Filialen mit eigenem Kapital auszustatten. Dieses käme zum Teil von nicht mehr benötigtem Schweizer Eigenkapital.

Gut fürs Land

Was würde ein solcher Schritt für die Schweiz bedeuten? Nichts Schlechtes. Erstens hielte sich der Arbeitsplatz-Abbau in Grenzen. Im Fokus steht das Investmentbanking. Dieses ist traditionell in London und New York gross. Die UBS müsste wohl einige Hundert Arbeitsplätze in ihrem Zentrum in Zürich-Nord abbauen, mehr nicht.

Auch aus steuerlicher Sicht hielte sich der Schaden in Grenzen. Schon heute fällt der Obolus schwergewichtig am Ort des Geschäfts an. Diesbezüglich würden sich die Gewichte im Unterschied zum heutigen Stammhauskonzept mit Zweigstellen kaum stark verschieben. Zudem wird es sowieso einige Zeit dauern, bis die UBS nach ihren Riesenverlusten wieder Steuern abliefert.

Keine Geiselhaft mehr

Der Hauptvorteil aus Schweizer Staatssicht ist jedoch der Abbau von Risiken. Diese schlummern bekanntermassen schwergewichtig im Investmentbanking. Lagert die UBS den Bereich rechtlich aus der Schweiz aus, würde im Fall eines nächsten Kollapses nicht mehr der Schweizer Steuerzahler haften, sondern das Ausland.

Für die Schweizer Politik stellt sich somit eine einfache Frage. Nimmt sie mögliche Steuerausfälle und Jobverluste in Kauf, wenn sie im Gegenzug nie mehr für einen UBS-Kollaps geradestehen muss?

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Leandro am 09.02.2011 08:38 Report Diesen Beitrag melden

    Ziel erreicht

    Die Genossen der SP und Juso müssten doch jetzt glücklich sein. Mit der 1:12 Initiative werden noch mehr Konzerne und Banken die Firmen in`s Aussland verlagern und abertausende Arbeitsplätze und Steuergelder in der Schweiz vernichten. Somit ist das Ziel der Linken auf bestem weg dass die Abzockerbanken sich aus der Schweiz verabschieden.

    einklappen einklappen
  • Tom Dubach am 08.02.2011 17:41 Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Gut für das Land? Warum? Schon bei der letzten Rettungsaktion kamen die grossen Verluste aus New York. D.h. das Risiko besteht weiterhin, aber die Steuern werden nicht in der Schweiz bezahlt, auch die nicht von den hochbezahlten Investment Banker. Somit ist auch der Einfluss auf die Schweiz nicht gering, da gerade die von Zürich Nord persönlich viel Steuern abliefern.

  • A. Colombo am 10.02.2011 08:11 Report Diesen Beitrag melden

    Fahler Beigeschmack

    Was mich einfach stört ist der Umstand, dass erst der Staat (also wir alle mit unserem Steuergeld) alles retten muss und kaum fliegen sie wieder, kommen sie wieder mit erpresserischen Worten, dass man die Schweiz wegen Überregulierung verlässt. Ich mag diesen Beigeschmack nicht.

Die neusten Leser-Kommentare

  • m.gonseth am 10.02.2011 17:08 Report Diesen Beitrag melden

    Weniger Steuern für die UBS mehr für uns alle

    Lukas Hässig macht seinem Namen wieder einmal alle Ehre. Hauptsache man kann mit nicht fundierten Informationen gegen die Banken wettern. Das die UBS in der Schweiz dann viel weniger Steuern zahlt scheint ihn nicht gross zu beschäftigen. Wer den Steuerausfall dann berappen muss ist wohl klar, wir alle. Also bitte konkrete Tatsachen über unseren "guten" Steuerzahlern !

  • gnoerpf am 10.02.2011 15:39 Report Diesen Beitrag melden

    Zu früh gefreut

    Das wird bezüglich Risiko, Haftung und EK-Anforderungen nichts ändern, solange der Konzernsitz in der Schweiz bleibt. Und daran wird sich wohl so schnell nichts ändern, schliesslich ist "Swissness" nach wie vor ein grosser Teil des Images von CS und UBS.

  • A. Colombo am 10.02.2011 08:11 Report Diesen Beitrag melden

    Fahler Beigeschmack

    Was mich einfach stört ist der Umstand, dass erst der Staat (also wir alle mit unserem Steuergeld) alles retten muss und kaum fliegen sie wieder, kommen sie wieder mit erpresserischen Worten, dass man die Schweiz wegen Überregulierung verlässt. Ich mag diesen Beigeschmack nicht.

  • Beobachter am 10.02.2011 07:20 Report Diesen Beitrag melden

    wo gehts am einfachsten?

    Logisch: Nachdem die UBS-Führung sich offenbar in den USA kriminell verhalten hat, der Staat Schweiz dies materiell noch abdecken musste und die gleichen Leute nach wie vor vom Gesetz her gedeckt unanständig 'Lohn' kassieren - dann geht diese UBS ins Ausland wo noch einfacher agiert werden kann (sonst würden sie nicht gehen). Und uns wird das als Segen verkauft. Zuerst soll die UBS den Staat für die Rettungsdienste bezahlen - und dann gehen.

  • unglaublich am 09.02.2011 18:57 Report Diesen Beitrag melden

    Positive UBS-Bilanz vorweisen

    auf dem Rücken der CH- Steuerzahler, die für ein paar tausend entlassenen Mitarbeiter die aus dem Debakel folgenden Arbeitslosenkosten, Sozialkosten sowie auch entstehende Gesundheitskosten tragen? Bilanzoptimierung und Spielcasino-Kapitalismus auf Kosten der Arbeitssklaven ist kriminell. Dass unsere Politiker (Volksvertreter) solche Geschäftspraktiken ohne Bedingungen für die Verantwortlichen akzeptieren, sowie kriminelles Verhalten mit Staatsverträgen schützen, auf Kosten ihrer Wähler, ist einfach nur pervers. Verantwortung delegiert, neuer Standort an der Sonne gesucht für mehr Profit!