Seilschaften

01. Dezember 2011 17:14; Akt: 01.12.2011 17:14 Print

UBS-Risikochefs als geheimes Machtzentrum

von Lukas Hässig - Sesselrücken in der Grossbank: Das Comeback eines alten Risiko-Spezi wirft ein Licht auf einen machtvollen Zirkel im Innersten des Finanzinstituts.

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Der wieder eingesetzte Phil Lofts (links) und Walter Stürzinger, Riskchef 2001 bis 2007. (Bild: Keystone)

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UBS-Risikochefin Maureen Miskovic blieb nur 11 Monate. Am Donnerstag musste sie Phil Lofts Platz machen. Lofts war Vorgänger von Miskovic. Nun ist er auch ihr Nachfolger. Die «Revolving doors» an der Spitze der UBS haben System. Wie durch Drehtüren kommen und gehen wichtige Chefs, einige verschwinden ganz, andere tauchen immer wieder auf.

Das ist bemerkenswert vor dem Hintergrund der vielen Crashes der UBS. Diese ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Grossbank. Seit 1997 passierten regelmässig grössere und kleinere Unfälle, die die Bank viel Reputation und Geld kosten. So zuletzt der 2-Milliarden-Derivateverlust von London im September.

Kleine Seilschaft hat viel zu sagen

Umso erstaunlicher ist, dass eine kleine Seilschaft von Risiko-Kontrolleuren im Innersten der Bank immer noch viel zu sagen haben. Neben dem neuen Risikochef Phil Lofts gehört vor allem Walter Stürzinger dazu.

Stürzinger war von 2001 bis 2007 oberster Risikochef der Bank, hatte also Lofts Position inne. Nach dem Platzen der Subprime-Blase wurde er ins zweite Glied verschoben, konnte sich aber als einziger der bekannten Subprime-Verantwortlichen ganz oben in der UBS halten.

Grosse Verschwiegenheit

Die Truppe um Lofts und Stürzinger zeichnet sich durch grosse Verschwiegenheit aus. Weder der Engländer noch der Schweizer und ein paar weitere wichtige Risiko-Kontrolleure stehen im Rampenlicht. Dabei sind sie es, welche die Bank im Alltag weitgehend steuern und kontrollieren.

Die Karrieren von Stürzinger und Lofts und auch Andrew Wright, heute Finanzchef der UBS-Investmentbank, stehen für eine UBS, in der sich bestimmte Topleute halten können, obwohl sie bei Grossunfällen eine zentrale Rollen spielten, während andere geopfert werden.

Mitten im Subprime-Fall

Es begann 1997, als die UBS-Vorgängerin SBG mit Aktien-Derivaten aus London heraus rund eine Milliarde Verluste erlitt. Der damalige Verantwortliche an der Front und weitere Spitzenmanager mussten den Hut nehmen, nicht aber Risikokontrolleure, darunter der erwähnte Andrew Wright.

1998 folgte das Hedgefund-Debakel LTCM, das die UBS erneut rund 1 Milliarde kostete und sogar den Präsidenten den Job kostete. Auch UBS-Risikochef Felix Fischer landete auf der Strasse. Weiter Karriere machen konnte hingegen Walter Stürzinger, damals Leiter des internen Inspektorats.

Ab 2001, als die Bank begann, ihren Subprime-Berg aufzutürmen, sassen Stürzinger und Lofts an entscheidenden Schalthebeln. Stürzinger war Risikochef Gesamtbank geworden, Lofts Kreditrisikochef anfänglich der Investmentbank und später des Konzerns.

Als die UBS im Herbst 2007 ungebremst in den Subprime-Eisberg krachte, standen Stürzinger und Lofts auf der Kommandobrücke, zuständig für die Überwachung solcher Grossrisiken.

Beförderung statt Rausschmiss

Statt die beiden so wie damals Felix Fischer im LTCM-Fall zur Verantwortung zu ziehen, erhielt Stürzinger neue Aufgaben im riesigen Stabsbereich der Bank, während Lofts sogar weiter aufstieg. Ende 2008 machte ihn die Bank zum obersten Risikochef.

Bald darauf kehrte auch Andrew Wright zur UBS zurück. Er war inzwischen hoher Finanzmanager bei der untergegangenen Wallstreet-Ikone Lehman Brothers geworden und brauchte einen neuen Job. Bei den Schweizern wurde Wright neuer Finanzchef der Investmentbank.

Stürzinger, sein Buddy Phil Lofts und dessen Landsmann Andrew Wright gehören zu einer Truppe von UBS-Topshots, denen trotz wichtigen Rollen in Crashes offenbar nichts passieren kann.

Ermotti-Symbolik statt personeller Neuanfang

So gesehen scheint die heutige Absetzung von Risikochefin Miskovic durch CEO Sergio Ermotti eher ein symbolischer Akt. Ein Kopf musste rollen, da kam jener von Miskovic gerade zupass. Sie trug auf der Risikoseite formell die oberste Verantwortung für den London-Crash.

Die wahren Strippenzieher der Bank kommen hingegen wieder einmal ungeschoren davon. Weil sie so gut und unentbehrlich sind, wie das UBS-Manager in Hintergrundgesprächen betonen? Weil sie Stabilität garantieren, was die weltweiten Regulatoren von der Bank fordern?

Oder weil sie es immer wieder schaffen, den ständig wechselnden obersten Chefs das Gefühl zu vermitteln, dass ohne sie die Bank zusammenbrechen würde?

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • René Stettler am 01.12.2011 18:34 Report Diesen Beitrag melden

    Abwarten ...

    Lieber Herr Hässig Was haben Sie eigentlich immer gegen die UBS. Frust? Weswegen? Lassen Sie den/die "Neuen" doch erst einmal richtig loslegen. Dann sehen wir weiter.

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  • Peter P. Odermatt am 01.12.2011 21:31 Report Diesen Beitrag melden

    UBS im Abwind.

    Wenn die Alten wieder aus der Versenkung kommen, welche dazumal sogar für viele Verluste zuständig waren, dann ist das kein gutes Zeichen für die Zukunft der UBS.

  • Jerem am 01.12.2011 18:06 Report Diesen Beitrag melden

    Fähige Leute an die Spitze

    Darumwird sich in der Bankenbranche nie etwas ändern. Ich verstehe nicht, warum alle zuschauen und keiner sich wehrt. Es ist an der Zeit, dass fähige Leute an die Spitze kommen und nicht diejenigen, die sich nur gut verkaufen können. Das gilt übrigens auch für die Politik...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter P. Odermatt am 01.12.2011 21:31 Report Diesen Beitrag melden

    UBS im Abwind.

    Wenn die Alten wieder aus der Versenkung kommen, welche dazumal sogar für viele Verluste zuständig waren, dann ist das kein gutes Zeichen für die Zukunft der UBS.

  • René Stettler am 01.12.2011 18:34 Report Diesen Beitrag melden

    Abwarten ...

    Lieber Herr Hässig Was haben Sie eigentlich immer gegen die UBS. Frust? Weswegen? Lassen Sie den/die "Neuen" doch erst einmal richtig loslegen. Dann sehen wir weiter.

    • megge am 01.12.2011 21:16 Report Diesen Beitrag melden

      ...dann sehen wir weiter ...

      ... bis zum nächsten Crash?

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  • Hans am 01.12.2011 18:16 Report Diesen Beitrag melden

    He nu so de.

    Nein weil diese zuviel wissen. Wenn diese endlich gefeuert würden könnten sie bei der Konkurenz oder in der Öffentlichkeit ganze Opern singen.

  • Jerem am 01.12.2011 18:06 Report Diesen Beitrag melden

    Fähige Leute an die Spitze

    Darumwird sich in der Bankenbranche nie etwas ändern. Ich verstehe nicht, warum alle zuschauen und keiner sich wehrt. Es ist an der Zeit, dass fähige Leute an die Spitze kommen und nicht diejenigen, die sich nur gut verkaufen können. Das gilt übrigens auch für die Politik...

    • kurt otto am 01.12.2011 18:35 Report Diesen Beitrag melden

      Die UBS hat kein Interesse an Änderungen

      Solange AR & VR in Aktionärasversammlungen entlastet werden wird sich gar nichts ändern - das knn nur duch Druck von Aussen gelingen , Bern will nicht ,also muss das Aktionariat die Dècharge verweigern. Ich werde nie verstehen wie Aktionäre "ja "sagen können zu "null Dividende" - aber Milliarden Boni . Die Aktionäre sind die Geldgeber und haben die Macht. l

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