Bank überrascht

09. Februar 2010 06:17; Akt: 09.02.2010 17:58 Print

UBS mit Milliardengewinn und Riesenverlust

Die UBS wittert Morgenluft: Die Grossbank schreibt im vierten Quartal 2009 mit 1,205 Milliarden Franken Gewinn erstmals seit fünf Quartalen wieder schwarze Zahlen. Im Gesamtjahr steht aber immer noch ein Verlust von 2,736 Milliarden Franken, der dritte Jahresverlust in Folge. Ein altes Problem bleibt allerdings. Die UBS-Aktie ist gefallen; 13.81 Franken kostet sie noch.

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Erstmals seit fünf Quartalen meldet die UBS B”rsenkurs wieder schwarze Zahlen: Dank verminderter Risiken und tieferen Kosten weist die grösste Schweizer Bank im Schlussquartal 2009 einen Gewinn von 1,205 Mrd. Franken aus. Alle Bereiche, auch die Investmentbank, haben zum positiven Ergebnis beigetragen.

Im Gesamtjahr 2009 steht immer noch ein enormer Verlust von 2,74 Mrd. Franken: Gemessen am Mammut-Minus von 21,29 Mrd. Fr. im Vorjahr wiederspiegelt das Konzernresultat aber die Bemühungen, im Zuge des Neuaufbaus der Bank die Zahlen wieder ins Lot zu bringen.

Nicht oder noch nicht gegriffen haben die diversen Massnahmen gegen den Neugeldabfluss. Das Vertrauen der Kunden in die Zürcher Grossbank ist immer noch ein ernsthaftes Problem: Auf das ganze Jahr gesehen wurden Vermögen in Höhe von 147,3 Mrd. Fr. abgezogen, davon allein 56,2 Mrd. Fr. im vierten Quartal, wie die UBS am Dienstag bekannt gab.

Insgesamt verwaltete die UBS Ende 2009 Vermögen in der Höhe von 2,23 Billionen Franken. Im Jahresvergleich entspricht dies einem Plus von 3 Prozent, im Vergleich zum Vorquartal ist es allerdings ein Minus von 1 Prozent.

Belastung durch Schuldtitel

Der operative Vorsteuergewinn fürs 2009 beträgt 1,4 Mrd. Franken. Die grösste Belastung mit 2 Mrd. Fr. auf dem Ergebnis seien Verluste auf eigenen Schuldtiteln wegen der wieder gestiegenen Kreditwürdigkeit, gab die UBS weiter bekannt. Negativ schlugen unter anderem der Verkauf der brasilianischen Bank Pactual und Restrukturierungskosten zu Buche.

Im Investmentbanking, das in den letzten Jahren hauptsächlich für die tiefroten Zahlen der UBS verantwortlich war, wurde mit einem Quartalsgewinn von 297 Mio. Fr. erstmals seit langem wieder ein positives Ergebnis erzielt. Übers ganze Jahr hinweg gesehen betrug der Verlust der Division aber 6,1 Mrd. Franken.

Als Ergebnisstütze erwiesen sich weiterhin das Vermögensverwaltungsgeschäft für reiche Kunden und das Schweizer Geschäft, die 2009 insgesamt 3,9 Mrd. Franken zum UBS-Ergebnis beitrugen.

Das Vermögensverwaltungsgeschäft in Nord- und Südamerika wies unter dem Strich nach Verlusten im ersten Halbjahr einen kleinen Jahresgewinn von 32 Mio. Franken aus. Die Vermögensverwaltung für institutionelle Kunden (Asset Management) schliesslich kam 2009 auf einen Vorsteuergewinn von 438 Mio. Franken.

Mit dem Konzernresultat übertrifft die Bank, die seit knapp einem Jahr von Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger und Konzernchef Oswald Grübel geführt wird, die Vorhersagen der Analystengemeinde: Von der der Finanznachrichtenagentur AWP befragte Experten hatten einen Verlust von 2,9 bis 3,9 Mrd. Fr. vorausgesagt.

16 Prozent weniger Personal

Den fürs vergangene Jahr angekündigte Stellenabbau hat die UBS umgesetzt: Gemäss Communiqué vom Dienstag sank der Personalbestand im Laufe des Jahres um 16 Prozent und betrug Ende Jahr noch rund 65'000 Mitarbeiter.

Die Personalreduktion war Teil eines Kostensenkungs- und Effizienzprogrammes, durch welches sich die Fixkosten der Grossbank auf 20,2 Mrd. Fr. jährlich reduziert haben. Zielvorgabe waren Einsparungen auf das Niveau von 20 Mrd. Franken hinunter.

UBS-Aktie nach Jahreszahlen im Minus

Die Börse nahm die Zahlen ungnädig auf. Der UBS-Aktienkurs sackte schon im frühen Geschäft um gut 4,5 Prozent ab. Kurz vor Börsenschluss stand er sogar volle sechs Prozent tiefer als am Vorabend. Die UBS-Aktie schloss mit 13,40 Franken um 5,4 Prozent im Minus.

Die Analysten beurteilen die Ergebnisse für 2009 und das vierte Quartal 2009 uneinheitlich. Schwer auf dem Magen scheint den Investoren der Geldabfluss von gesamthaft 147,3 Mrd. Fr. zu liegen. Unter anderem wegen der italienischen Steueramnestie ist der Abschluss zwischen Oktober und Dezember mit 56,2 Mrd. Fr. im Vergleich zu den Vorquartalen wieder angeschwollen.

Der Gewinn von 1,205 Mrd. Fr. im vierten Quartal erhellt die Gemüter, auch ist der Jahresverlust von 2,74 Mrd. Fr. geringer ausgefallen als erwartet. Einige Experten merkten aber deutlich an, dass der Erfolg im Schlussquartal unter anderem auf Sonderfaktoren wie eine über Erwartung hohe Steuergutschrift zurückgehe.

Zufrieden sind die Experten mit der Kernkaptialquote von 15,4 Prozent (0,4 Prozentpunkte mehr als Ende September), die im Branchenvergleich als gut gilt.

(sda)