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03. Mai 2015 10:07; Akt: 04.05.2015 14:39 Print

UBS schränkt Home-Office für Mitarbeiter ein

Weil in einer Abteilung viele Mitarbeiter besonders freitags angaben, von zu Hause aus zu arbeiten, führt ein UBS Manager strengere Regeln für Home-Office ein.

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Home-Office ist bei den Mitarbeitern der UBS beliebt. Ab sofort müssen sie sich aber an strenge Regeln halten. (Bild: Keystone/Alessandro Della Bella)

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Ein UBS-Manager verschärft für seine rund 50 Angestellten am Standort Europaallee in Zürich die Regeln für die Arbeit von zu Hause aus. Das geht aus einem internen E-Mail hervor, das
Johan Jervøe, Group Chief Marketing Officer bei der UBS verfasst hat. Demnach soll das Home-Office die Ausnahme bleiben, schreibt die «Schweiz am Sonntag». Es sei ein Privileg und dürfe nicht missbraucht werden.

Mitarbeiter müssten sich das Einverständnis des Chefs holen, bevor sie sich nach Hause begeben und das Team informieren. Sie müssten dort genauso gut erreichbar sein, wie im Geschäft und die dafür bereitstehende IT-Infrastruktur nutzen. Wer «out of office» sei, müsse einen Ferientag beziehen. Es liege in der Verantwortung des Mitarbeiters, dass niemand darunter leiden müsse, wenn man von zu Hause aus arbeitet.

Eine UBS-Sprecherin bestätigt die Existenz des internen E-Mails, hält aber fest: «Es geht der UBS keineswegs darum, die Möglichkeiten zum Home-Office grundsätzlich einzuschränken. Flexible Arbeitszeitmodelle – und dazu gehört auch das Home-Office – werden von der Bank unterstützt.»

Das E-Mail habe sich an eine Abteilung mit rund 50 Mitarbeitern gewandt, sagt die Sprecherin weiter. Wie das Arbeiten im Home-Office gestaltet werde und wie oft die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten, gewährt werde, hänge von der individuellen Vereinbarung zwischen Vorgesetztem und Mitarbeiter ab. «Diese Leitplanken müssen aber immer wieder neu definiert werden», so die Sprecherin.

Klare Zielvereinbarungen und regelmässige Feedbacks

Hintergrund des Schreibens ist, dass viele Mitarbeiter gerade am Freitag einen Home-Office-Tag eingelegt hätten. Sie unterliessen es, sich ordentlich abzumelden und waren schlecht erreichbar. Als sie schliesslich kontaktiert werden konnten, hatten sie behauptet, die ganze Zeit zu Hause gearbeitet zu haben.

Der Arbeitspsychologe Hartmut Schulze überrascht die Reaktion des Unternehmens nicht. «Wenn der Vorgesetzte den Wechsel vom normalen Präsenzmodell zur mobil-flexiblen Arbeit nicht gut vorbereitet, kann es passieren, dass der Zusammenhalt im Team schwindet und das Engagement sinkt», sagt er zur Zeitung. Wichtig sei, klare Zielvereinbarungen mit den Mitarbeitern auszuhandeln und regelmässig Feedbacks zu geben. Trotzdem ist er überzeugt: «Flexible Arbeitsmodelle haben bei richtiger Anwendung einen positiven Effekt auf die psychische Gesundheit der Mitarbeiter.»

(vro/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Besser Weisser am 03.05.2015 10:17 Report Diesen Beitrag melden

    Der Mensch ist Mensch

    Immer wieder werden Menschen Privilegien, Freie Dienstleistungen, Soziale Hilfe, etc. ausnutzen. Aber leiden werden die, die ehrlich sind.

  • Arbeitgeber am 03.05.2015 10:18 Report Diesen Beitrag melden

    Freitag ausschliessen

    Für mich als Arbeitgeber klarer Fall: flexible Arbeitszeiten ja, aber Freitag ist grundsätzlich ausgeschlossen. Dieser Tag wird sonst nur als Weekend misbraucht. Und zwar auf Kosten der anständigen Arbeitnehmer, was sehr unfair ist und gar nicht geht.

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  • Chef am 03.05.2015 10:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nur noch Bosse.....

    Ja, wenn einige Mitarbeiter jeden Tag ihren Arbeitsplatz suchen müssen und zuerst installieren, macht es auch nicht effizienter. Aber man versucht ja überall zu sparen ausser den Managern, und weil das Vertrauen verlorengeht, da der Mitarbeiter nur auf der Lohnliste vorkommt, werden halt die Arbeitgeber immer mehr hintergangen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tobler M. am 04.05.2015 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    Misstrauen

    Das Misstrauen gegenüber Mitarbeitern wird immer grösser, weil die sogenannten Chefs aus eigener Erfahrung wissen, was abläuft. Und wenn mal ein paar Angestellte einen Tag blau machen, so what. Zählt man eigentlich bei einer UBS auch die vielen Mitarbeiter, die im Office nur rumsitzen und nichts machen? Und je mehr Misstrauen in den Firmen gegenüber den Angestellten herrscht, desto stärker sinkt die Produktivität.

    • Carla Curdin am 04.05.2015 13:52 Report Diesen Beitrag melden

      Homeoffice gegen Langeweile im Büro

      Lieber kann ich zuhause am Home Office Tag noch kurz die Wohnung saugen, anstatt im Büro zu sitzen, nichts zu tun haben und Däumchen drehen bis man nach Hause kann. Man ist nämlich nicht zwingend produktiver im Büro. Weiter wenn man nach Arbeit ruft und es kommt keine, darf ich auch im Homeoffice mal auf die Post gehen, denn in der Zwischenzeit lief sowieso nix.

    • Hansli am 04.05.2015 18:31 Report Diesen Beitrag melden

      Klar doch

      Da die Büroreinigungskolonne nicht auf Arbeitgebers Rechnung bei Dir im HomeOffice vorbeikommt, musst Du halt das HomeOffice selber putzen. Deshalb zählt Staubsaugen, Fensterreinigen etc. zum Unterhalt des HomeOffice-Arbeitsplatzes und somit zur Arbeitszeit. Ausserdem muss Dir der Arbeitgeber auch die Infrastruktur und Lokation finanzieren.

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  • Gustav von Hinten am 04.05.2015 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Bildverzerrung 2.0

    Das Problem ist sicher nicht das klar aufkommende und zukunftsweisende Home Office! Das Problem ist bei den mittleren Kaderleuten und dem HR zu suchen. Kann es sein, dass genau nur "100% pasende Stellen-Profile" Mitarbeiter anziehen, welche angeblich das Home Office Missbrauchen? Hihihi. Noch viel zu lernen in diesem Konzern. Ich als CEO würde mal das Home Office ausbauen, fördern und den HR hinterfragen, bzw. austauschen.

  • kritischer denker am 04.05.2015 11:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld/Arbeitspensum

    Ich will einmal frech behaupten das 80% der Arbeitnehmer nur eine 100% Stelle annehmen weil sie das Geld brauchen. Die Arbeit für die sie Angestellt werden, braucht aber nur ein 50% Pensum. Aber dank unserer schönen Hochpreisburg Schweiz ist dies ja nötig. Und im geheimen hofft jeder noch immer: Irgendwann bin ich Grossverdiener und bin auch ein fauler Chef bei der UBS...

  • Bodo Haudruff am 04.05.2015 11:00 Report Diesen Beitrag melden

    Wörtlich genommen...

    heisst es ja immerhin Frei-Tag :-0

  • C.S. am 04.05.2015 10:47 Report Diesen Beitrag melden

    Unproduktivität und Neid.

    Auch meine Meinung ist, dass es eigentlich egal ist, wann und wie man seinen Job macht, Hauptsache der erwartete Output stimmt. Selber geniesse ich auch gewisse Privilegien bezüglich Präsenzzeit und muss keine Arbeitszeit erfassen. Aber alles was man immer hört "oh er kommt morgens erst um 11". Dass man dafür erst um 20 Uhr (nach 9h) sehr oder oft sogar noch später nach hause geht sieht man ja nicht. Genau so wenig wenn man zusätzlich (ohne Zeitkompensation) am Wochenende geschäftlich unterwegs ist. Liebe Neider - Man kann auch im Büro unproduktiv sein wenn man einfach 8h "Anwesend" ist

    • KennerIn am 04.05.2015 13:37 Report Diesen Beitrag melden

      ein Kenner

      Da hat es jemand erkannt, schön! Mein Chef selbst macht Freitags HomeOffice, praktisch. Ich hingegen nicht. Ich reihe mich wie all die anderen Lemminge auf der Autobahn ein, Tag für Tag. Keine Angst, ob im Zug oder auf der Strasse ist völlig irrelevant. Würden alle Personen, welche könnten, 1x pro Tag - nicht alle am Freitag! - HomeOffice machen, wie schön könnte die Reise von A nach B sein. Naja, ich sitze halt im Büro und arbeite nichts, oder quatsche etwas länger beim Kaffee-Automaten. Wie viele anderen auch. Find ich's gut? Nein, aber ich schaue schon auch, dass ich nicht zu kurz komme.

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