Teure Pleite

08. Dezember 2010 06:57; Akt: 08.12.2010 18:23 Print

UBS soll im Fall Madoff weitere Millionen zahlen

Der Insolvenzverwalter des madoffschen Schneeballsystems fordert wegen 26 weiterer Verfehlungen der UBS 555 Millionen Dollar. Zuvor hatte er bereits 2 Milliarden in Rechnung gestellt.

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Bernard Madoff gesteht seinen Söhnen, die in der gleichen Firma arbeiten, den Betrug. Den Schaden beziffert der 70-Jährige mit rund 50 Mrd. Dollar. Übrig seien 200 bis 300 Mio. Dollar, die er an Mitarbeiter, Verwandte und Freunde verteilen will. Seine Söhne verständigen die Behörden. Noch in der Nacht nehmen Beamte Madoff in seinem New Yorker Appartement fest. Der Ex-Broker kommt unter anderem gegen eine 10-Millionen-Dollar-Kaution auf freien Fuss. Fahnder finden rund 100 bereits unterzeichnete Schecks über mehr als 173 Mio. Dollar. Erste Opfer werden bekannt: In Europa zählen dazu die spanische Banco Santander, die österreichische Bank Medici, die Genfer UBP und die britische HSBC. Unter den Kunden sind zudem viele Prominente wie Starregisseur Steven Spielberg. Stiftungen und Hilfsorganisationen verlieren Millionen. Die US-Börsenaufsicht SEC räumt schwere Versäumnisse ein. Mehreren einschlägigen Hinweisen zu dem Betrug sei über Jahre hinweg nicht ausreichend nachgegangen worden. Auch nach einer richterlichen Überprüfung muss Madoff nicht in Untersuchungshaft. Er steht nun aber in seiner Nobel-Wohnung unter Hausarrest mit einer elektronischen Fussfessel zur Überwachung. Der 65 Jahre alte französische Finanzmanager Thierry Magon de La Villehuchet nimmt sich nach einem Milliardenverlust durch Madoff in seinem New Yorker Büro das Leben. Die US-Behörden decken immer mehr ähnlich gestrickte Betrugsfälle auf - wenn auch in deutlich kleinerem Ausmass. Der Staatsanwalt beschuldigt Madoff der Verletzung von Kautionsauflagen. Er habe Juwelen, Luxusuhren etc. im Wert von über einer Million Dollar Freunden zu Weihnachten verschickt. Der Tipp an die Ermittler kam erneut von den Söhnen. Madoff muss trotz der Verstösse nicht in U-Haft, entscheidet ein Richter. Die US-Öffentlichkeit ist empört. Die Frist zur Anklage durch die Staatsanwaltschaft wird erneut verschoben. Zugleich wird bekannt, dass Madoffs Frau Ruth 15,5 Mio. Dollar kurz vor Auffliegen des Betrugs von einer mit Madoff verbundenen Firma abgezogen hat, davon allein 10 Mio. Dollar nur einen Tag vor seiner Festnahme. Die Staatsanwaltschaft legt die Anklage vor. Für die elf Punkte drohen insgesamt bis zu 150 Jahre Haft. Madoffs Anwalt sagt, sein Mandant werde sich schuldig bekennen. Zu Beginn des Gerichtsprozesses bekennt sich der Milliardenbetrüger in allen elf Anklagepunkten schuldig. Der Finanzschwindler Madoff wird wegen milliardenschwerer Betrügereien zur Höchststrafe von 150 Jahren Haft verurteilt. Nach dem Urteil applaudieren die Opfer im New Yorker Gerichtssaal. Die US-Behörden haben das Luxus-Penthouse der Madoffs beschlagnahmt. Ehefrau Ruth musste die sieben Millionen Dollar teure Wohnung in Manhattan räumen und ihr persönliches Eigentum zurücklassen. Ein vom Gericht beauftragter Treuhänder hat ab August 2009 die Aufgabe,... ... Madoffs Besitz zu veräussern. Die Sachen stehen im Strandhaus der Madoffs. Das Haus steht... ... am Strand von Montauk, NY. Mehr Fotos davon gibts

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Der Madoff-Insolvenzverwalter Irving Picard doppelt nach: Kurz vor Ablauf einer Verjährungsfrist erhöht er die Forderung gegenüber der UBS um eine weitere halbe Milliarde Dollar. Insgesamt verlangt er von der Grossbank nun 2,5 Mrd. Dollar.

Gemäss einer Mitteilung vom Dienstag (Ortszeit) hat Picard zu den bisherigen 23 Fällen von mutmasslichem Finanzbetrug und Fehlverhalten, die er der UBS zur Last legt, deren 26 neue hinzugefügt.

Picard wirft im Zusammenhang mit der auf ein Schneeballsystem beruhenden Investitionsgesellschaft von Bernard Madoff verschiedenen Banken vor, sie hätten die betrügerische Vorgehensweise des Milliardenbetrügers gekannt oder kennen müssen. Der Treuhänder reichte deshalb etwa auch eine Klage über 9 Mrd. Dollar gegen die britische Grossbank HSBC ein, von JP Morgan Chase fordert er 6,4 Mrd. Dollar.

Die UBS weist die Vorwürfe Picards von sich. Bereits am Montag, als bekannt wurde, dass die Genfer Privatbank Union Bancaire Privée (UBP) eingelenkt hat und dem Madoff-Sachverwalter eine halbe Milliarde Dollar zahlt, hat sie die Behauptungen Picards als falsch und unbegründet bezeichnet.

Was Picard gegen die UBS vorbringe, entbehre jeder Grundlage. Die Grossbank betonte zudem, dass ihre Fonds, die in Madoffs Gesellschaft investiert waren, auf ausdrücklichen Wunsch von Kunden aufgesetzt worden seien und sie daher keine Verantwortung gegenüber den entsprechenden Anlegern trage.

Aura der Legitimation

Picard argumentiert genau umgekehrt wie die UBS: Für ihn hat die Bank mehreren so genannten Feeder-Fonds eine «Aura der Legitimation» verliehen, indem sie etwa als deren Depotbank aufgetreten sei, lautet einer seiner Vorwürfe.

Mit nicht veröffentlichter Haftungsfreistellungsvereinbarungen habe die Bank zudem die rechtliche Verantwortung umgangen und Madoff als Zwischenverwahrer der Feeder-Fonds eingesetzt, obwohl sie vor ihm gewarnt hätte sein müssen. So genannte Feeder-Fonds sind Dachfonds, die ihr Vermögen in Anteile eines einzigen Wertpapierinvestmentfonds anlegen.

Den Druck, den der Madoff-Sachverwalter derzeit aufsetzt, zeigt Wirkung. Nachdem am Montag die UBP in einen Vergleich eingewilligt hatte, wurde am Dienstag bekannt, dass die Familie des Unternehmers Carl Shapiro ebenfalls 625 Mio. Dollar überweist. Damit hat sich die Summe, die Picard im Namen der Betrugsopfer eingesammelt hat, binnen zweier Tage fast verdoppelt und beträgt 2,6 Mrd. Dollar.

Aktienkurs stabil

Kaum Auswirkung hatte die Ausweitung der Klage gegen die UBS jedoch auf den Aktienkurs der Grossbank: In Händlerkreisen hiess es zwar zunächst, die neuen Forderungen könnten zu einem Thema auf dem Aktienmarkt werden. Doch nach Handelsschluss stand die Aktie mit 1,6 Prozent im Plus bei 15.77 Franken. Der Gesamtmarkt SMI schloss mit 0,71 Prozent im Plus.

Analysten sahen die Lage denn auch gelassen: Es sei unwahrscheinlich, dass UBS die volle Summe zahlen werden müsse. Zudem sei nicht einmal klar, ob der Insolvenzverwalter mit seinen Vorstössen gegen die Grossbank Erfolg haben könnte. Möglicherweise laufe das Ganze auf einen aussergerichtlichen Vergleich hinaus.

(sda)