Digitaler Berater

04. Juli 2018 22:46; Akt: 04.07.2018 22:46 Print

UBS lässt Avatare auf vermögende Kunden los

von Dominic Benz - Die Grossbank testet digitale Kundenberater – und setzt dabei Know-how aus den «Herr der Ringe»-Filmen ein.

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Die Digitalisierung macht auch bei der Beratung von Bankkunden nicht halt. Die UBS testet derzeit in der Vermögensverwaltung zwei digitale Assistenten, die beim Kundengespräch den Berater aus Fleisch und Blut unterstützen.

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Was halten sie von den Avataren bei der UBS?

Die sogenannten Avatare funktionieren ähnlich wie die Sprachassistenten Siri von Apple oder Alexa von Amazon. Bei der UBS heisst der Assistent Fin. Er erscheint auf einem Bildschirm als sprechender Smiley. Ihn können die Berater in Kundengesprächen etwa nach Börsenkursen oder Kreditkarten-Angeboten abfragen. Fin gibt die Antworten und präsentiert entsprechende Grafiken oder bestellt die richtige Kreditkarte.

Know-how aus «Herr der Ringe»

Ein zweiter Avatar ist das virtuelle Ebenbild des UBS-Chefökonomen Daniel Kalt. Es beantwortet mit fast echt wirkenden Gesichtszügen Fragen etwa zur Entwicklung der Weltwirtschaft. Sein Gesicht hat die australische Firma Faceme mit Technologien aus der Game- und Filmindustrie aufwändig digitalisiert. Einige Faceme-Mitarbeiter waren bereits für die Effekte bei den «Herr der Ringe»-Filmen mitverantwortlich. Mitentwickelt hat die Avatare auch IBM. Wie viel Geld das Projekt kostet, sagt die UBS nicht.

Mit den digitalen Assistenten will die UBS kundenrelevante Informationen bündeln. Das Verteilen von Broschüren oder das Ausfüllen von Formularen soll nicht mehr nötig sein. Der Sprachassistent könnte auch Laptops in den Beratungszimmern ersetzen. «Die Gespräche werden so effizienter», sagt Anton Simonet, Chef der UBS-Vermögensverwaltung in der Schweiz. Die realistische Darstellung des Beraters soll zudem dazu beitragen, dass die Kunden solche Avatare besser akzeptieren.

Viele Fragen bei Persönlichkeitsrechten offen

Auch die Berater müssen sich an die Avatare gewöhnen. «Es ist seltsam, sein digitales Ich zu sehen und zu hören», sagt Kalt. Er hat keine Angst davor, dass sein Gesicht plötzlich für Aussagen verwendet wird, hinter denen er nicht stehen kann. Zwar seien viele Fragen bei den Persönlichkeitsrechten offen, so Kalt, doch letztlich werden die Avatare per Cloud nur mit Informationen und Analysen der UBS gefüttert.

Doch machen die Avatare nicht Kalts Job überflüssig? «Ich sehe den digitalen Assistenten als Entlastung», sagt der Chefökonom. In Gesprächen könne er sich nun aufs Wesentliche konzentrieren. «Standardisierte Informationen wie Marktdaten kann man den Maschinen überlassen.»

Hundert Teilnehmer

Beim Test der UBS sollen rund hundert vermögende Schweizer Kunden teilnehmen. Wann und ob der digitale Berater grossflächig im Alltagsgeschäft zum Einsatz kommt, steht noch offen.

Für Alexander Denzler, Experte für künstliche Intelligenz an der Hochschule Luzern, könnte der Einsatz von Avataren gerade für Bankkunden schwierig sein. «Für viele Leute sind Sprachassistenten – ob mit oder ohne Avatar – noch sehr gewöhnungsbedürftig, zumal sie auch technisch oft noch nicht ausgereift sind», sagt er auf Anfrage. Die Frage sei, inwiefern die Kunden bereit seien, mit Avataren über Portfolio und Geldanlagen zu sprechen. «Wenn sich das Vertrauen in solche Systeme aber durchsetzt und sie technisch versiert genug sind, um solche Beratungen durchzuführen, könnten Avatare eines Tages vollständig menschliche Berater ersetzen», so Denzler.


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Ausgewählte Leser-Kommentare

Weiss doch der "Finazwissende" nicht! – Guschtaff

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rentner am 04.07.2018 22:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wow

    Die Verblödung durch Verdigitalisierung der Gesellschaft macht Fortschritte.

    einklappen einklappen
  • Amina123 am 04.07.2018 23:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wo führt das hin?

    ein weiterer schritt richtung asozialismus.... wenn das so weitergeht,hat bald niemand mehr eine arbeit,was dann? alle büetzer können nicht an roboterherstellung oder digitalstimmen arbeiten/entwickeln helfen....

  • G.A. am 04.07.2018 23:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aber es bringt der UBS Geld

    Der wirklich gebildete Reiche, unterhält sich nicht mit einem Avatare.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Buddy am 05.07.2018 19:19 Report Diesen Beitrag melden

    klare Sprache

    Super, somit wird dokumentiert, wann man als Kunde bei der UBS einfach nur noch lästig ist. Wer es dann immer noch nicht begreift, soll weiterhin Geld hinbringen.

  • Werni am 05.07.2018 19:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig

    Wenn eine Bank keine Kundenberater mehr leisten kann, dann ist es nicht mehr meine Bank.

  • Menschen wieder gefragt am 05.07.2018 17:55 Report Diesen Beitrag melden

    Stromunterbruch oder Virus

    Für alle Konzerne die immer mehr auf digitale Berater etc. setzen, hoffe ich das mal ein so richtig langer Stromunterbruch kommt, oder noch besser ein Virus gemacht wird, der nur solche Angreift. Da sind Menschen wieder gefragt. Ja ich bin mir bewusst das es mich auch Privat trifft. Habe genug Kerzen zuhause und essen kann ich auch kalt.

  • Fritz am 05.07.2018 15:58 Report Diesen Beitrag melden

    Unpersönlich

    Bei der UBS nimmt man sich nicht mal mehr Zeit für ein persönliches Gespräch. Da wird man vor einen dummen Computer gesetzt.

  • Adrian am 05.07.2018 15:10 Report Diesen Beitrag melden

    Armut, Obdachlosigkeit... unsere Zukunft

    BGE wurde vor nicht allzu langer Zeit sehr wuchtig Bachab geschickt! Nun dürft ihr euch freuen, dass demnächst auch eure Arbeiten von Robotern, Avataren und Co. übernommen werden. Dann könnt ihr euch auf der Strasse oder unter Brücken Gedanken darüber machen, ob das BGE doch nicht das richtige gewesen wäre....