Basel III

13. September 2010 08:32; Akt: 13.09.2010 09:52 Print

UBS und CS bleiben gefährlich

von Lukas Hässig - Die Regulatoren fordern mehr Eigenkapital, verzichten aber auf eine scharfe Verschuldungsgrenze. Für die Banken ändert sich wenig: Sie dürfen gross bleiben.

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Der Bankensektor ist wegen UBS und CS ein besonderes Klumpenrisiko für das Land. Lesebeispiel: Die addierte Grösse sämtlicher Geldhäuser macht fast das Achtfache der jährlichen Schweizer Wirtschaftsleistung (BIP) aus.

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Nationalbank-Präsident Philipp Hildebrand zeigte sich gestern Abend zufrieden, nachdem die weltweiten Regulatoren das sogenannte Regelwerk «Basel III» abgesegnet hatten. «Das macht das globale Finanzsystem widerstandsfähiger gegen zukünftige Schocks», meinte Hildebrand. Finanzmarktaufsichts-Vize Daniel Zuberbühler sekundierte: «Dieses Paket ist ein entscheidender Schritt im Reformprozess.»

Grob gesagt dreimal mehr Eigenkapital müssen die Banken in Zukunft halten, und dieses muss hauptsächlich aus Aktienkapital und gesparten Gewinnen bestehen. Kapital aus komplexen Finanzvehikeln, die heute noch angerechnet werden, müssen mit echtem Kapital ersetzt werden.

CS muss «weiches» durch «hartes» Kapital ersetzen

Das stellt die Credit Suisse vor Herausforderungen. Sie muss einen zweistelligen Milliardenbetrag mit hartem Eigenkapital ersetzen. Doch dafür hat sie Zeit bis 2018. Die UBS sitzt auf weniger zweitklassigem Material und zählt schon jetzt zu den nach «Basel III» gut finanzierten Instituten.

Ende gut, alles gut für die Schweizer Grossbanken? Keineswegs. Denn die Basel-Regulatoren tragen allein die risikogewichtete Brille. Jedes Geschäft, das die Banken eingehen, wird auf seine Gefahren hin untersucht. Je nachdem, ob eine hohe oder eine tiefe Ausfallwahrscheinlichkeit besteht, müssen die Banken mehr oder weniger Eigenkapital für den Deal bereitstellen.

Wenn die grosse Krise von 2007 bis 2009 aber etwas gezeigt hat, dann dies: Modellrechnungen sind nur so gut wie das statistische Material, das ihnen zugrunde liegt. Zur Berechnung neuartiger Schocks sind sie ungeeignet. Als die amerikanische Subprime-Häuser-Blase platzte und niemand mehr Wertpapiere mit Subprime-Inhalt wollte, versagten alle schönen Banken-Modelle.

Deshalb drängen scharfe Regulatoren wie SNB-Hildebrand auf eine absolute Risiko-Begrenzung. Sie nehmen dazu die gesamte Bilanzsumme, ohne diese auf unterschiedliche Gefahren abzuklopfen, und fordern eine bestimmte Prozentzahl davon als Eigenkapital. Mit solcher Leverage ratio können sich Banken nur bis zu einer bestimmten Höhe mit Fremdkapital verschulden.

Nur eine harte Verschuldungsobergrenze kann Banken von Gigantismus abbringen

Allein mit einer harten Leverage ratio könnten Banken dazu gezwungen werden, sich zu beschränken und kleiner zu werden. Und nur das hilft im Endeffekt, das Problem des «Too big to fail» zu lösen. Es sollte niemals mehr vorkommen, dass der Staat in die Bresche springen muss, um zu grosse oder zu vernetzte Banken vor dem Untergang zu retten.

Das Too-big-to-fail-Problem stellt sich in der Schweiz ganz ausgeprägt, wie die Grafik oben zeigt. Hinter Island liegen die Schweizer Banken in Europa bezüglich absoluter Grösse auf dem zweiten Platz. Die addierte Grösse sämtlicher Geldhäuser macht fast das Achtfache der jährlichen Schweizer Wirtschaftsleistung (BIP) aus. In Deutschland, Luxemburg und Schweden ist es nur rund das Dreifache, und selbst in Holland, das als kleine Nation ebenfalls über grosse Banken verfügt, liegt diese Kennziffer mit dem Sechsfachen deutlich tiefer.

Den Schweizer Behörden ist das Problem längst bewusst. Entsprechend gaben sie nach dem Basler Durchbruch keine Entwarnung. «Während das Reformpaket weit reicht, ist es kein adäquater Schritt gegen das Too-big-to-fail-Problem», sagte Nationalbank-Hildebrand gestern. Von der schweizerischen Expertenkommission, die bis Ende Monat eine Lösung dafür präsentieren muss, forderte Finma-Zuberbühler einen dezidierten Schutz vor der Gefahr zu grosser Grossbanken.

Expertenkommission verzichtet auf hartes Grössenmass

Allerdings ist aus der Expertenkommission zu vernehmen, dass eine scharfe Leverage ratio vom Tisch sei. Man würde sich wie die Basel-Regulatoren allein auf die risikogewichtete Betrachtung konzentrieren, alles andere sei realitätsfern. Ein Franken Risiko sei eben nicht gleich ein Franken Risiko, lautet die Begründung. Ob eine Bank ihr Geld in «sichere» Schweizer Hypotheken investiere oder international ungesicherte Kredit vergäbe, seien zwei paar Schuhe.

Dass die Finanzwelt über Nacht eine andere sein kann, wie dies die Subprime-Krise gezeigt hat, scheint bereits Schnee von gestern.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thomas am 13.09.2010 11:13 Report Diesen Beitrag melden

    Basel III ist eine Farce !!!

    Lächerliche Eigenkapitalanforderungen - sie spielen und spielen immer weiter - die Regierungen sowie die Finanzwelt ist der grösste Kindergarten der Welt und nützt das Volk aus durch Warmluftrederei !!! Das Ende der Finanzmärkte ist in Sichtweite ...

  • Seppli am 14.09.2010 12:07 Report Diesen Beitrag melden

    Nur eine Lösung !!!

    Rasche Zinswende !!! Den Fünfer und das Weggli haben zu wollen, ist eine Illusion - Bonds müssen durch eine Anhebung der Zinsen fallen inkl. Aktienmärkte und Rohstoffmärkte; damit das Fundament geschaffen wird. Tiefe Zinsen verbergen enorme Risiken - was bringt's, wenn die Rohstoffpreise explodieren und die Währungen kollabieren ? Nichts genau - die Waage ist stabil !!!

  • Mia am 14.09.2010 08:48 Report Diesen Beitrag melden

    Bringt nichts

    Solange die usa weiter fleissig Geld druckt und die Hyperinflation nicht mehr weit ist, bringt auch das nix mehr! Ich denke da müssen wir jetzt einfach durch und desto länger das durch Hilfspakete weltweit verzögert wird, desto schlimmer wird die Krise denn wahrscheinlich auch sein.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Meier am 28.11.2010 22:00 Report Diesen Beitrag melden

    to big to fail

    Bei der UBS ist es nebst "to big to fail" auch "to big to manage". Hr.Grübel soll die Zahl von 15 Mia. vergessen ! Lieber nur 5 bis 10 Mia. dafür weniger schlaflose Nächte. Es hat schon einmal "UBS-Bosse" gegeben, welche meinten sie müssten die Grössten sein.

  • Henry am 14.09.2010 17:06 Report Diesen Beitrag melden

    USA auf Kosten von Europa

    Das nennt man Aufschwung !!! Kostenreduzierung über den schwachen Dollar und die Europäer schauen zu ;-D

  • klaus am 14.09.2010 13:57 Report Diesen Beitrag melden

    bringt nichts

    Ist ja klar dass diese Regelung überhaupt nichts bringt. Die einzige Lösung ist auf Holding wechseln, somit kann wenn eine Sparte Probleme hat diese ohne weitere aufgelöst werden.

  • Fridolin am 14.09.2010 13:43 Report Diesen Beitrag melden

    "Gefährlich" ist nur ein Vorwort ...

    Wenn man die verborgenen Schuldlasten richtig verbuchen würde, dann müsste man die Werte der Banken um über die Hälfe abschreiben. UBS = IRRS CS = US-GAAP Darum die Unterschiede !!!!

    • George am 14.09.2010 17:58 Report Diesen Beitrag melden

      IFRS oder GAAP

      Diese 2 Buchhaltungsmethoden haben wesentlich Unterschiede, denn GAAP ist bei Abschreibungen sehr tolerant und IFRS eben nicht. Darum wird sich die CS (falls es so ist!) gewaltig die finger verbrennen wie schon die UBS; aber diese hat ja zum Glück die IFRS-Methode schon angewendet. Bilanzwillkür der Banken müsste untersagt werden !!!

    einklappen einklappen
  • Seppli am 14.09.2010 12:07 Report Diesen Beitrag melden

    Nur eine Lösung !!!

    Rasche Zinswende !!! Den Fünfer und das Weggli haben zu wollen, ist eine Illusion - Bonds müssen durch eine Anhebung der Zinsen fallen inkl. Aktienmärkte und Rohstoffmärkte; damit das Fundament geschaffen wird. Tiefe Zinsen verbergen enorme Risiken - was bringt's, wenn die Rohstoffpreise explodieren und die Währungen kollabieren ? Nichts genau - die Waage ist stabil !!!