Kontogebühren

23. März 2011 10:42; Akt: 23.03.2011 14:31 Print

UBS vergrault ausländische Kleinkunden

von Sandro Spaeth - Satte 360 Franken Kontogebühren pro Jahr zahlen ab April UBS-Kleinkunden, die im Ausland wohnen. Begründung für die Kostenexplosion: erheblicher Mehraufwand.

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Ausländische Kleinkunden sind ein wenig lukratives Geschäft. Die UBS erhöht deswegen die Kontogebühren. (Bild: Keystone)

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UBS B”rsenkurs-Kunde P.L* fühlt sich verschaukelt. Die UBS teilt ihm in einem Brief mit, dass Kunden mit Domizil ausserhalb der Schweiz ab dem 1. April jeden Monat mit 30 Franken zusätzlich belastet werden. Kunden mit weniger als 10 000 Franken Guthaben bezahlten bisher monatlich 7 Franken.

Die Gebührenexplosion ist für P.L. massiv. Aufgrund seines Vermögens bei der UBS von über 10 000 Franken bezahlte er bisher keinen Franken für die Kontoführung. Neu wird ihm die Bank aber 360 Franken jährlich belasten. «Hier wird systematisch gegen Kleinkunden im Ausland vorgegangen», wettert P.L. gegenüber 20 Minuten Online. Er habe das Gefühl, dass er als Kleinkunde den Steuerstreit mit Deutschland ausbaden müsse.

«Erheblicher Mehraufwand»

Die UBS bestätigt den Gebührensprung. «Die Betreuung von im Ausland wohnhaften Kunden ist aufgrund des sich laufend verändernden regulatorischen Umfeldes komplexer geworden. Dies verursacht bei grenzüberschreitenden Kundenbeziehungen einen erheblichen Mehraufwand», erklärt UBS-Sprecher Andreas Kern. Wie viele Konti von der stark gestiegenen Taxe betroffen sind, wollte die UBS nicht bekannt geben.

Nicht von der Gebühr betroffen sind im Ausland wohnhafte Personen mit einem Vermögen bei der UBS von mehr als 50 000 Franken. Bei Kunden mit grösserem Vermögen würde der gestiegenen Aufwand durch die Nutzung anderer Produkte abgedeckt, erklärt UBS-Sprecher Kern. Vom Gebührenaufschlag befreit sind zudem Grenzgänger, sofern auf ihrem Konto monatlich 500 Franken eingehen. Bei P.L. ist dies nicht der Fall. Er ist ein ehemaliger Grenzgänger, arbeitet heute aber wieder in Deutschland.

Kosten dem Verursacher belasten

Die Kontoführung für Kleinkunden wie P.L. ist für die UBS kein gutes Geschäft. Erst wenn die UBS grössere Vermögen verwaltet und die Kunden weitere Dienstleistungen nachfragen, ist ein Kunde lukrativ. Darum vermutet L.P.:«Die wollen mich loswerden, weil mein Kontostand zu tief ist.»

Nils Hafner, Professor für Finanzdienstleistungen an der Hochschule Luzern, findet die Gebührenerhöhung gerechtfertigt. «Wenn die Kosten einiger bestimmter Kundenbeziehungen steigen, sollte man diese Kosten auch dort anrechnen, wo sie entstehen.» Ob der Aufwand tatsächlich 30 Franken pro Monat und Kunde ausmache, könne nur die Bank selbst beantworten.

Laut Hafner stellt sich für Grenzgänger und ausländische Kleinkunden die Frage, ob diese nicht bei anderen spezialisierten Instituten besser aufgehoben wären. Meiden sollten ausländische Kleinkunden beispielsweise die Credit Suisse B”rsenkurs. Sie hatte bereits im vergangenen Sommer die Kontoführungsgebühren für Grenzgänger von jährlich rund 70 auf 480 Franken erhöht. Ausgenommen von der Zusatzgebühr der CS B”rsenkurs sind Vermögen von einer Million Franken.

Auch ZKB erhöht Gebühr

Massiv teurer wird die Bankbeziehung für im Ausland wohnhafte Kunden auch bei der Zürcher Kantonalbank ZKB. Sie führt per 1. April die «Basisgebühr International» ein, die pro Quartal 60 Franken ausmacht. Das macht jährlich 240 Franken. Die Begründung der ZKB kommt einem bekannt vor: Neue Bestimmungen und internationale Abkommen verursachten einen beträchtlichen Mehraufwand, heisst es auch bei der ZKB. Bisher zahlten im Ausland wohnhafte ZKB-Kunden lediglich 6 Franken pro Jahr. Die neue Basisgebühr entfällt ab einem Vermögen von 100 000 Franken.

Bemerkenswert ist: Nicht alle Banken geben den angeblich dermassen gestiegenen Aufwand weiter. So unterscheidet die Basler Kantonalbank (BKB) laut ihrem Sprecher Mats Bachmann nicht zwischen Wohnsitz im Ausland oder Inland. «Grundsätzlich ist die Kontoführung gratis», so Bachmann Die Gebühr von 5 Franken pro Monat werde nur erhoben, wenn beispielsweise kein Mindestsaldo von 1000 Franken vorhanden sei.

Keinen Unterschied zwischen Kunden mit Domizil im Inland oder Ausland macht auch Postfinance. Die Kontoführungsgebühr beträgt 3 Franken pro Monat. Noch kundenfreundlicher sind die Raiffeisenbanken, die bei Privatkonti grundsätzlich keine Kontoführungsgebühr kennen. Einzige Bedingung: Der Kunde ist Genossenschaftsmitglied.

Für den verärgerten Kleinkunden P.L. ist klar, dass er sich bald von der UBS abwendet und das Konto auflöst. «Sonst ist in ein paar Jahren nichts mehr vom Geld übrig.»

* Name der Redaktion bekannt

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Frank am 21.09.2011 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    AKB auch teurer

    Ich bin Kunde bei der AKB. Diese verlangt 15 SFr prom Monat. Ist für mich selbsverständlich das ich wechsle. Sie verdienen mit mir doch schliesslich genug mit dem Geld das ich auf meinen Konto habe. Da brauche ich nicht auch noch Gebühren zahlen.

  • OPDDD am 23.03.2011 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    UBS/ZKB

    Vergleicht mal die Gebühren mit einer ZKB oder mit einer Migrosbank! Ich glaube, dass Auslandskunden bei der UBS sehr gut und mit viel Aufwand betreut werden. Ich denke Auslandskunden, die in der CH ein Konto haben, wollen eine gute Beratung geniessen. Diese Beratung haben die Kunden bei einer PostFinance nicht. In diesem Fall sind die Gebühren berechtigt!

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  • Nina Unteregg am 23.03.2011 11:38 Report Diesen Beitrag melden

    UBS schaut nicht in die Zukunft

    Die UBS vergisst vorallem, dass sie viele Kunden hat, die nur vorübergehend im Ausland leben und damit nur vorübergehend nicht viel Aktivität auf dem Konto stattfindet. Wie zB. mein Mann und ich. Wir werden in ca. 1 Jahr nach insgesamt 5 Jahren wieder in die Schweiz zurückkehren. Unser Konto bei der UBS werden wir jetzt natürlich auflösen. Und bei der Rückkehr ein neues eröffnen - bei einer anderen Bank, selbstverständlich.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • bernd hebel am 17.09.2012 09:57 Report Diesen Beitrag melden

    Postfinance: Willkommen im Klub

    Von der Postfinance erhielt ich (Grenzgänger, wohnhaft in Österreich) auch ein ähnliches Schreiben mit der Ankündigung einer Zusatzgebühr von SFr. 5.- pro Monat und Konto. Ich habe insgesamt drei Konsten, macht satte SFr. 180.- pro Jahr. Natürlich werde ich künden, ich habe inzwischen eine kleine Bank gefunden, die ohne Zusatzgebühren bei Grenzgängern auskommt...

  • Frank am 21.09.2011 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    AKB auch teurer

    Ich bin Kunde bei der AKB. Diese verlangt 15 SFr prom Monat. Ist für mich selbsverständlich das ich wechsle. Sie verdienen mit mir doch schliesslich genug mit dem Geld das ich auf meinen Konto habe. Da brauche ich nicht auch noch Gebühren zahlen.

  • Andreas am 29.04.2011 20:20 Report Diesen Beitrag melden

    natürlich gekündigt

    Nachdem das Geschäftsmodell "weltweiter Service für Steuerhinterzieher" nach und nach weniger tragfähig wird, wäre es für die UBS wohl angebracht, sich dem globalen Wettbewerb mit exzellentem Service, dienstleistungsorientierter Haltung und konkurrenzfähigen Preisen zu stellen und damit Kundengelder auch im Ausland zu behalten und neue anzuziehen. Statt dessen setzen die Entscheidungsträger Ihre Überheblichkeit fort. Das dürfte nachhaltig den Unternehmenserfolg behindern. Ich habe nicht nur Konto und Depot aufgelöst, sondern auch meine Aktien der UBS verkauft. Wollen Sie es mir gleichtun?

  • Dirk am 10.04.2011 12:49 Report Diesen Beitrag melden

    @ all -- Sonderkündigung in der Schweiz?

    @ all, die sich mit dem Schweizer-Recht auskennen In Deutschland ist es so, dass es ein Sonderkündigungsrecht gibt, wenn der Vertrag geändert wird. Es gibt auch die Möglichkeit, den Vertragspartner "zu bitten", den Vertrag nach den abgeschlossenen Konditionen weiter zu führen. Gibt es das auch in der Schweiz?

  • Heinrich Gretler am 25.03.2011 19:58 Report Diesen Beitrag melden

    UBS Gebühren nichts neues, nur höher.

    Das ist eigentlich nichts Neues bei der UBS. Schon vor Jahren musste für eine Hypothek-Zinszahlung ein Konto bei der UBS eingerichtet werden. Auch wenn man den Zins jeweils erst bei Fälligkeit einzahlte. In der Zwischenzeit ruhte das Konto, aber es wurde ein Gebühr dafür erhoben. So kam ich weg von der UBS und bleibe weg von dieser Bank.