Neuer Tiefpunkt

03. Oktober 2011 23:32; Akt: 03.10.2011 23:33 Print

UBS verliert 3,5 Milliarden an Markenwert

Der Milliardenverlust des Londoner Händlers Kweku Adoboli hat auch dem Image der UBS geschadet. Die Schweizer Grossbank verlor seit Anfang 2011 3,5 Milliarden Franken an «Brand Value».

storybild

Der Markenwert der Schweizer Grossbank leidet. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Londoner Investmentbanker Kweku Adoboli hat der UBS einen Handelsverlust von 2 Milliarden Franken beschert. Noch grösser ist der Verlust an Markenwert, welche die UBS seit Anfang Jahr zu beklagen hat. Laut der neusten Analyse der Londoner Markenspezialisten von Brand Finance hat der Wert der Marke UBS in den ersten neun Monaten dieses Jahres um 39 Prozent auf 5,425 Milliarden Franken abgenommen. Damit erreicht der UBS «Brand Value» einen Tiefpunkt.

Der Betrugsfall in London sei nur das letzte Kapitel in einer Reihe von Problemen und Krisen, erklärt Brand-Finance-CEO David Haigh. Der Markenwert der UBS hat zwischen Januar und Ende September um 3,5 Milliarden Franken abgenommen. Nik Stucky von der Markenberatungsfirma Interbrand hält diese Zahl trotz des Zocker-Skandals für übertrieben: «Setzt man die 3,5 Milliarden ins Verhältnis zum Börsenwert von aktuell rund 43 Milliarden Franken wird deutlich, dass eine derartige Wertkorrektur zu hoch gegriffen ist.»

Ende 2010 - nachdem die UBS seit drei Jahren endlich wieder einen Jahresgewinn geschrieben und den Abfluss von Kundengeldern in den Griff bekommen hatte – bezifferte Brand Finance den Markenwert der UBS noch auf 9,915 Milliarden Dollar. Dies entspricht rund der doppelten Höhe das aktuellen «Brand Value».

Subprime-Krise, Staatsrettung, Steuerstreit

Der Niedergang der Marke UBS läuteten die massiven Verluste im amerikanischen Hypothekengeschäft ab dem Jahr 2007 sowie die Rettung der Grossbank durch den Schweizer Staat im Herbst 2008 ein. Ende 2008 belief sich der Markenwert laut Brand Finance aber immer noch auf 7,568 Milliarden US-Dollar. Zum Imageschaden durch die Staatshilfe gesellten sich im Jahr 2009 die Probleme mit den US-Steuerbehörden, welche in der Auslieferung von hunderten von Kundendaten in die Vereinigten Staaten endeten.

Die Negativschlagzeilen um die UBS rissen aber auch 2011 nicht ab. Im vergangenen Juni liess der damalige UBS-CEO Oswald Grübel sein 15-Milliarden Gewinnziel fürs Jahr 2014 fallen und kommunizierte ein massives Sparprogramm mit Jobbabbau im grossen Stil. Vor diesem Hintergrund sei der Betrugsfall von Kweku Adoboli zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt aufgeflogen, sagt Markenspezialist David Haigh.

Nestlé stärkste Schweizer Marke

Im aktuellsten Ranking der Markenwerte von Brand Finance (Ende September) hat Nestlé die Nase vor. Den Markenwert des Nahrungsmittelmulti aus Vevey beziffern die Experten auf 15,6 Milliarden Franken. Der Wert des Unternehmens hat sich seit Anfang Jahr aber um 1 Prozent verringert.

Als zweites Schweizer Unternehmen folgt auf die Credit Suisse mit einem Markenwert von aktuell 11,338 Milliarden Franken. Dies entspricht einer Wertminderung von 800 Millionen oder 7 Prozent Franken und dürfte vor allem auf Steuerstreitigkeiten mit den US-Behörden zurückzuführen sein. Aber nicht nur die Schweizer Banken mussten Federn lassen. Wegen des schwierigen Umfeldes büssten die Finanzinstitute weltweit an Markenwert ein, so auch die britische HSBC oder die Bank of America. Letztere büsste sogar 5 Milliarden Dollar ein.

(sas)