Werbe-Offensive

17. Januar 2018 13:17; Akt: 17.01.2018 13:19 Print

UPC nutzt Pannen-Serie bei Swisscom für sich aus

von Dominic Benz - Der Kabelnetzbetreiber UPC will von den Störungen bei der Konkurrentin profitieren. Das finden nicht alle lustig.

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Die UPC macht auf Twitter, Facebook und Linkedin Werbung für Telefonie-Angebote für Unternehmen. Die Werbeoffensive kommt just in dem Moment, als Konkurrentin Swisscom etliche Pannen mit Geschäftsanschlüssen hatte. Die Karte mit den Swisscom-Störungen, wie sie das Portal Allestörungen.ch am Montagnachmittag gezeigt hat. Die Swisscom kriegt die Störung bei den Anschlüssen von Geschäftskunden offenbar nicht in den Griff. Am vergangenen Montagvormittag traten schon wieder Störungen für Swisscom-Business-Kunden auf. Bereits in der Vorwoche hatten KMU-Kunden drei Tage in Folge mit Problemen gekämpft. Es handle sich um einen Fehler in der Software, teilte der Konzern letzte Woche gegenüber 20 Minuten mit. Man arbeite unter Hochdruck an der Behebung der Störung. Viele Kunden beklagen sich. Auch in Internet-Foren machen sie ihrem Ärger Luft: «Unglaublich, das Problem ist immer noch nicht gelöst. Ich sehne mich nach den Telefonen mit Wählscheiben zurück», schreibt etwa ein User. Vor allem belasten die Telefon-Unterbrüche das Alltagsgeschäft der Unternehmen. «Langsam geht es in das Geld, dritter Tag in Folge eingeschränkter Verkaufsdienst», beklagt sich Schorsch de Schott auf Allestörungen.ch. Die Swisscom entschuldigt sich bei ihren Kunden und gibt einen Tipp: «Von der Störung betroffene Kunden können ihre Anrufe aufs Handy umleiten.» Gleichzeitig schränkt der Konzern aber ein: Dies funktioniere in einigen Fällen, aber leider nicht immer. Swisscom-Mitarbeiter bemühen sich seit Tagen um die Behebung des Problems.

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UPC ist auf Kundenfang: «Sind Sie auf der Suche nach einer zukunftssicheren und verlässlichen Telefonie-Lösung für Ihr Unternehmen?» Mit dieser Frage bewirbt der Kabelnetzanbieter derzeit seine Telefonie-Angebote für Firmen auf Social Media – und macht sich damit zwischen den Zeilen über die Konkurrentin Swisscom lustig.

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Der Zeitpunkt dieser Werbeoffensive ist kein Zufall. Sie kommt just in dem Moment, als bei der Swisscom der Wurm drin ist: Am Dienstag konnten Tausende Geschäftskunden des Telecomkonzerns nicht telefonieren. Schon eine Woche zuvor hatte es Pannen an drei Tagen in Folge gegeben.

«Wir nutzen die Gelegenheit»

Aus diesem Malheur will UPC jetzt Profit schlagen: «Wir nutzen die Gelegenheit, um nach den mehrtägigen Ausfälle bei Swisscom gezielt für unsere Geschäftsanschlüsse zu werben», teilt Sprecher Bernard Strapp auf Anfrage mit. UPC erhalte wegen der Störungen bei der Swisscom viele Anfragen zu Telefonie-Angeboten für Unternehmen.

Für die Offensive entschied sich UPC für Social Media. «Um kurzfristig und gezielt auf unsere Telefonie-Lösungen für Unternehmen aufmerksam zu machen, eignen sich unsere digitalen Kommunikationskanäle wie Twitter, Facebook und Linkedin», sagt Strapp. Ziel sei es, vorwiegend Nichtkunden auf die Angebote von UPC aufmerksam zu machen.

Keine Schadenfreude

Mit der Werbung will das Unternehmen aber nicht über die Konkurrentin spotten. «Mit Schadenfreude hat das aber nichts zu tun, sondern mit Wettbewerb», betont Strapp. Die Swisscom will sich dazu nicht äussern. Man kommentiere die Werbung von Mitbewerbern grundsätzlich nicht, sagt der Konzern zu 20 Minuten.

Auf Twitter sehen einige Nutzer in der Werbeoffensive durchaus einen Seitenhieb gegen die Swisscom. «Wenn dies kein Opportunismus ist», schreibt Yannick Weber. Und Userin Jenni Thier findet: «Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.»


Fredy Kuenzler kritisiert hingegen in seinem Tweet das Vorgehen der UPC. «Finde das sehr uncool. Die Swisscom-Network-Engineers arbeiten Tag und Nacht und haben einen Megastress», schreibt er.


Für Schmunzeln sorgt auch der Umstand, dass UPC für das eigene Mobilfunkangebot voraussichtlich Anfang 2019 ins Netz der Swisscom wechselt. Bis dahin telefonieren und surfen die Mobile-Kunden der UPC weiter über die Antennen von Salt. «Lustig. UPC will von verärgerten Swisscom-Kunden profitieren und dafür ihre Mobile-Kunden über das Swisscom-Netz telefonieren lassen», schreibt Martin Schweikert auf Twitter.




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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Davide am 17.01.2018 13:25 Report Diesen Beitrag melden

    An UPC

    UPC sollte besser die eigene Probleme und Störungen lösen bevor die so Werben... Ich würde vorher mein Telefon in den Eimer werfen als bei UPC ein Vertag abschließen

    einklappen einklappen
  • Nj am 17.01.2018 13:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Haha

    Bravo UPC - übrigens, euer Internet funktioniert seit heute nacht nicht mehr, go Swisscom!!!

    einklappen einklappen
  • Reto Scherrer am 17.01.2018 13:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die richtige rufe ....

    Ein wechsel zu UPC VoIP und es ist jeden Mobat 1x Swisscom. UPC hat es noch weniger im Griff.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Swisscomfan am 21.01.2018 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    Loser UPC

    Ausgerechnet eine Bude, die demnächst wegen Erfolgslosigkeit schliessen muss!

  • Stefanbasel am 19.01.2018 08:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freier Markt

    Das ist der freie Markt. Swisscom würde es auch so machen wenn bei der Konkurrenz solche gravierenden Pannen auftreten.

  • Ernamaria Primus am 18.01.2018 16:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vergleich Swisscom/UPC

    Nie wieder UPC. Seit 5 Jahren mein Guthaben nicht ausbezahlt, auf der anderen Seite bei technischen Problemen kulant

  • Asterix am 18.01.2018 13:03 Report Diesen Beitrag melden

    Unseriöses Vorgehen

    Für mich ein absolutes No Go. UPC? Jetzt erst recht nicht. Ich brauche Vertragspartner mit Anstand.

  • P. Kari am 18.01.2018 12:10 Report Diesen Beitrag melden

    recht haben die

    Bedauern mit der Swisscom? Diese hochnäsigen Herrschaften haben kein Mitleid verdient. Die lassen doch ihre Kunden tagelang hängen und nicht die Mitbewerber. Wenn diese aus der Unfähigkeit von Swisscom profitieren ist dies deren gutes Recht.