Umstrittenes Gesetz

08. Juni 2011 16:15; Akt: 08.06.2011 16:28 Print

US-Bauern bangen um ihre Arbeitskräfte

Amerikanische Farmer könnten schon bald verpflichtet werden, keine illegalen Feldarbeiter mehr zu beschäftigen. Sollte es so weit kommen, wird ihre Ernte auf den Feldern verrotten.

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Ein mexikanischer Landarbeiter in Kalifornien erntet Sellerie im Herbst 2005. Insgesamt arbeiten eine Million Saisonniers auf amerikanischen Feldern. (Bild: Keystone/AP/Ric Francis)

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Demokraten und Republikaner in den USA streiten sich über alles mögliche, darunter Krankenversicherung, Sparpläne und Libyen-Einsatz. Bei einem Thema sind sie sich offenbar einig: Ein neues Gesetz soll alle amerikanischen Unternehmen verpflichten, die Arbeitserlaubnis ihrer Angestellten zu überprüfen. Die heimische Landwirtschaft gerät bei dieser Vorstellung in Panik. Denn 80 Prozent oder 800 000 ihrer Feldarbeiter sind illegale Einwanderer.

Der administrative Aufwand des sogenannten E-Verify-Systems dürfte die meisten Bauern heillos überfordern. Sie sind es gewöhnt, Landarbeiter unkompliziert an Ort und Stelle anzuheuern. Und wenn sie es doch könnten, müssten sie die meisten Bewerber augrund der fehlenden Arbeitserlaubnis ablehnen. «Wenn wir E-Verify jetzt einsetzten, müssten wir den Laden dicht machen – oder ins Gefängnis gehen», sagte Manuel Cunha, der in Kalifornien Zitrusfrüchte anbaut, gegenüber der «Huffington Post». «Wir haben zugegeben, dass viele unserer Arbeiter illegal sind, aber wenn wir alle entlassen müssen, woher bekomme ich dann meine Arbeitskräfte? Nirgends.»

Zu harte Arbeit, zu wenig Lohn

Die Bauern würden noch so gerne amerikanische Arbeiter einstellen, aber das ist praktisch unmöglich. Der vergleichsweise geringe Lohn und die harte Arbeit bieten zu wenig Anreize - trotz einer landesweiten Arbeitslosigkeit von derzeit 9,1 Prozent. Dabei ist die Arbeit auf dem Feld nicht nur anstrengend, sondern auch anspruchsvoll, wie Arturo S. Rodriguez von der Gewerkschaft United Farm Workers gegenüber der «Huffington Post» betonte.

Trotz glühender Hitze, wenig Schatten und seltenen Trinkpausen müssen die Pflücker schnell und exakt arbeiten. «Es ist eine sehr schwierige, harte und gefährliche Arbeit», sagte Rodriguez. Bezahlt wird häufig nicht pro Stunde, sondern nach dem Leistungsprinzip. Ein erfahrener Pilzpflücker etwa kommt auf 35 000 bis 40 000 Dollar pro Jahr. Für einen mexikanischen Saisonnier ist das gutes Geld, für einen Amerikaner nicht.

Um endgültig mit dem zynischen Vorurteil aufzuräumen, illegale mexikanische Einwanderer würden irgendjemandem die Arbeit wegnehmen, startete United Farm Workers im vergangenen Jahr eine Aktion, um den Amerikanern die Feldarbeit schmackhaft zu machen. 86 000 meldeten sich, ganze 11 traten letztlich eine entsprechende Stelle an.

Republikaner sperren sich gegen Einbürgerungen

Ein praktikables Saisonnierstatut könnte kurzfristig Abhilfe schaffen. Kurzaufenthaltsbewilligungen für ausländische Arbeiter sind in den USA mit dem sogenannten H-2A-Visum möglich. Doch das Programm ist derart kompliziert, dass aktuell nur 30 000 Personen daran teilnehmen. Arbeitgeber müssen für den Transport und die Unterbringung der Arbeiter aufkommen und dabei zahlreiche Auflagen beachten. Wer sich dafür entscheidet, riskiert Wettbewerbsnachteile gegenüber seinen Konkurrenten, die weiterhin illegale Arbeiter beschäftigen.

Laut Landwirtschaftsminister Tom Vilsak wäre die einzig realistische Lösung eine umfassende Reform der Einwanderungsgesetze. Doch jegliche Bemühungen, das Problem über die erleichterte Einbürgerung von illegalen Einwanderern zu lösen, werden von der republikanischen Mehrheit im Kongress konsequent blockiert.

Der Film «A Day Without a Mexican» (Ein Tag ohne einen Mexikaner) aus dem Jahr 2004 thematisiert, was in Kalifornien passieren würde, wenn plötzlich alle Mexikaner den Bundesstaat verliessen.

(Video: Youtube)

(kri)