Ölpest im Golf von Mexiko

08. November 2010 17:34; Akt: 08.11.2010 21:31 Print

US-Bericht entlastet BP

Wer ist Schuld an der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko? Jetzt erhält der Ölkonzern BP unerwartet Rückendeckung.

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Ölkatastrophe im Golf von Mexiko: Elf Menschen starben, tausende von Vögeln und Fischen sind verendet, über 700 Millionen Liter Öl sind ins Meer geflossen. 20. April 2010: Die Ölplattform Deepwater im Golf von Mexiko explodiert. Elf von 126 Arbeitern sterben, die andern werden evakuiert, drei von ihnen schwer verletzt. 21. April 2010: Die Bohrinsel steht in Flammen. Löschversuche verlaufen erfolglos. 22. April 2010: Deepwater sinkt. Die Ölplattform gehört der Schweizer Transocean mit Sitz im schweizerischen Zug, der britische Konzern BP hat sie von Transocean geleast. 28. April 2010: Ölarbeiter versuchen, eine Sperre um das auslaufende Öl zu errichten. Erfolglos. 30. April 2010: Das Öl erreicht die Küste. Die Pelikane «verölen». 3. Mai 2010: US-Präsident Barack Obama erklärt die Katastrophe zum Ereignis von nationaler Bedeutung. 3. Mai 2010: BP kündigt an, alle Kosten der Katastrophe zu übernehmen. 7. Mai 2010: Eine Stahlbetonglocke wird über das Leck gestülpt. Ohne Erfolg. Mai 2010: Das Sterben geht weiter. Mai 2010: Ölschwaden auf dem Wasser. Mai 2010: Die US-Navy versucht, das Öl kontrolliert abzubrennen. Erfolglos. Mai 2010: Pelikan im mexikanischen Golf. 11. Mai 2010: Protest im US-Senat während eines BP-Hearings. 12. Mai 2010: BP versucht, eine kleinere Glocke über das Loch zu stülpen. Ohne Erfolg. 15. Mai 2010: Protest am Firmensitz der Plattformbesitzerin Transocean in Zug. 26. Mai 2010: Die Aktion «Top Kill» soll das Leck mit Schlamm versiegeln. Erfolglos. 2. Juni 2010: Die US-Behörden leiten strafrechtliche Schritte gegen BP ein. 3. Juni 2010: Das Öl erreicht die Traumstrände Floridas. 17. Juni 2010: BP-Chef Tony Hayward redet von einer «beispiellosen Serie von Fehlern». 29. Juni 2010: BP gibt zu, dass die Schäden eventuell unbezahlbar sind. 2. Juli 2010: Serie von Fehlern geht weiter: Augenzeugen berichten, BP schütte an gewissen Stränden einfach Sand über das Öl. 3. Juli 2010: Der Supertanker «A Whale» wird als Öl-Sauger eingesetzt. Erfolglos. 10. Juli 2010: Ein am 4. Juni installierter Trichter wird entfernt. Das Öl fliesst wieder völlig ungehindert ins Meer. 12. Juli 2010: Eine neue Glocke wird über das Leck gestülpt. 18. Juli 2010: Serie von Fehlern geht weiter: BP veröffentlicht auf ihrer Website ein manipuliertes Foto, das Geschäftigkeit im BP-Katastrophenzentrum vortäuscht. Im Original war der Bildschirm im unteren Bild weiss. Ab 15. Juli 2010: Die neu installierte Absaugglocke schliesst das Leck. Erstmals seit Beginn der Katastrophe fliesst kein Öl mehr ins Meer. Die Verseuchung ist aber nach wie vor omnipräsent. 19.9.2010: Die defekte Ölquelle im Golf von Mexiko ist endgültig versiegelt. Fünf Monate nach Beginn der Ölpest gelang es BP-Experten, die Quelle mehrere Tausend Meter unter dem Meeresboden mit Zement zu verschliessen.

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Im Streit um die Schuld an der Ölpest im Golf von Mexiko haben erste Befunde der von US-Präsident Barack Obama eingesetzten Untersuchungskommission die Ergebnisse einer internen Studie des Ölkonzerns in vielen Punkten bestätigt. Wie Kommissionsleiter Fred Bartlit am Montag mitteilte, decken sich die Erkenntnisse zu etwa 90 Prozent.

Zu keinem Zeitpunkt habe eine Entscheidung bewusst die Sicherheit aufs Spiel gesetzt, um Kosten zu sparen, sagte Bartlit. Die Kommission stellt sich damit gegen die Befunde eines Untersuchungsausschusses des US-Kongresses, der schwere Vorwürfe gegen BP erhoben hatte. BP selbst hatte dagegen einen Teil der Verantwortung für die Umweltkatastrophe anderen Unternehmen zugesprochen: dem Ölplattform-Besitzer Transocean und dem Lieferanten des für die Stabilisierung des Bohrlochs verwendeten Zements - die Firma Halliburton.

Edward J. Markey, Kongressabgeordneter und Mitglied des Energieausschusses hält trotz des nun vorgestellten Berichts an den Vorwürfen gegenüber BP fest. «Wenn es zur Firmenkultur gehört Risiken einzugehen und Abkürzungen zu nehmen, dann kommen dabei systemische Fehler heraus, die zu Katastrophen wie der Ölpest führen, ohne, dass es eine einzelne kompromittierende Entscheidung gab», sagte er. Pipeline-Lecks in Alaska, eine Raffineriekatastrophe in Texas und die Deep-Water-Horizon-Katastrophe hätten bewiesen, dass BP mit dem Ziel der Profitmaximierung seit langem an die Grenzen gehe.

Aspekte ausgelassen

Der Bericht der Kommission berücksichtigte allerdings nicht alle Aspekte, die zur Katastrophe führten. So wurde nicht untersucht, warum der «Blowout Preventer» - das Not-Absperrventil am Meeresboden - versagte. Er wolle vor dem abschliessenden Bericht über die Untersuchung des Geräts keine Schlüsse ziehen, sagte Bartlit.

Die Ölplattform «Deepwater Horizon» war am 20. April im Golf von Mexiko explodiert. Elf Arbeiter kamen dabei ums Leben. Aus dem Bohrloch flossen anschliessend über Wochen mehr als 780 Millionen Liter Öl ins Meer. Erst Mitte Juli konnte die Quelle provisorisch verschlossen werden. Bis zur endgültigen Versiegelung vergingen nochmals mehrere Wochen.

(ap)