J. P. Morgan

25. September 2016 00:01; Akt: 25.09.2016 17:25 Print

US-Grossbank wirbt in der Schweiz um Schwarzgeld

Die USA bestraften Schweizer Banken in den vergangenen Jahren wegen Beihilfe zur Steuerflucht. Mit ähnlichen Manövern macht nun J. P. Morgan Chase Geschäfte.

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Geniessen eine Rechtslücke: Banker im J.-P.-Morgan-Chase-Hauptgebäude in New York. (Archivbild) (Bild: Keystone)

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Seit diesem Sommer werden hiesige Vermögensverwalter von Vertretern der Grossbank J. P. Morgan Chase per Telefon und Mail hartnäckig bearbeitet: Das grösste amerikanische Finanzinstitut wirbt aggressiv um die Verschiebung von Kundengeldern in die Vereinigten Staaten, wie die «SonntagsZeitung» berichtet.

Das Vorgehen ist äusserst fragwürdig: Die Schweizer sollen als «Advisor» an einem Konstrukt mitverdienen, bei dem der wirtschaftlich Berechtigte des Vermögens verschleiert wird. Das widerspricht klar den Richtlinien der OECD, an welche sich die Schweiz und zahlreiche andere westliche Staaten halten. Die Amerikaner hingegen geniessen eine Rechtslücke, weil Washington den automatischen Informationsaustausch nicht ratifiziert hat.

Schweizer Banken wurden dafür bestraft

Ausserdem entspricht die angebotene Praxis genau jenen Manövern, für die Schweizer Banken in den vergangenen Jahren massiv von den USA bestraft worden sind. Wegen Beihilfe zur Steuerflucht mussten helvetische Geldhäuser Milliarden an Bussen zahlen. Zwar erwähnen die Amerikaner nicht das Wort Schwarzgeld. Ein Schweizer Vermögensverwalter sagt aber: «Wenn ein solches Konstrukt angeboten wird, ist allen Beteiligten klar: Da fliessen auch undeklarierte Gelder ein. Das lässt sich so nicht mehr ausschliessen.»

Der «SonntagsZeitung» liegen Dokumente vor, die das Vorgehen eines J. P. Morgan-Direktors aus der Chicagoer Filiale in allen Details zeigen. Der Banker hat gegenüber einer Zürcher Firma sogar seinen Besuch in der Schweiz angekündigt.

Politik wird aktiv

Die Werbeoffensive steht hier ohnehin auf rechtlich dünnem Eis: Das Anbieten von Finanzdienstleistungen ohne Schweizer Banklizenz auf Schweizer Boden ist verboten.

Der aktuelle Fall ruft die Politik auf den Plan: Der Zürcher SVP-Nationalrat Alfred Heer reicht im Parlament einen Vorstoss ein: Er will vom Bundesrat wissen, ob er bei der OECD interveniert und ob er das Vorgehen der US-Banken rechtlich klärt. Zudem soll die Finma aktiv werden. Nach Informationen der «SonntagsZeitung» ist Finanzminister Ueli Maurer (SVP) bereits über den Fall im Bild.

(NXP)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mark am 25.09.2016 08:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naivität reichlich vorhanden

    Das war doch schon immer klar. Die USA zerstörten den schweizer Finanzplatz damit sie selber Geschäfte machen können. Unsere Regierung ist zu schwach um das zu erkennen. Die Moralkeule der USA gegen sndere Länder gilt nur dem Eigennutz.

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  • Susanne am 25.09.2016 06:31 Report Diesen Beitrag melden

    Spannend

    mal sehen, wie die Amis vor der eigenen Haustüre kehren. Oder könnten jetzt die Schweizer Banken die Amis einklagen?

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  • Obama am 25.09.2016 08:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Typisch

    Jetzt muss halt die Schweiz dieser aus aus der USA stammenden Bank auch eine Busse in Milliardenhöhe auferlegen. Die USA spielt sich doch immer als Weltpolizist auf, dann darf das doch nicht passieren.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Realist am 26.09.2016 02:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keinen Mumm

    Bei der OECD intervenieren, Finma aktiv werden... Was soll das? Die Bank mit Klagen in der Schweiz und USA in den Ruin treiben, das ist die Lösung. - Aber dazu hat der BR keinen Mumm!

  • Rönz am 25.09.2016 16:41 Report Diesen Beitrag melden

    Nach Osten orientieren!

    Europa muss möglichst schnell die USA ein für allemal ins abseits stellen! Wir müssen uns umgehend nach Osten orientieren! Bevor es zu spät ist!

  • rabb am 25.09.2016 16:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wor wissen ja wie die strafen sind

    wir wissen wie hoch die Bezräge sind die man dafür zahlen muss! und jetzt kommt noch hinzu das sie das stark mit vorsatz und ohne banklizenz hier gemacht habe / machen. dann sollten wir sie mal zur kasse bitten!

  • Emanuel am 25.09.2016 15:51 Report Diesen Beitrag melden

    zurück zum Status quo

    Man könnte die Verträge kündigen und das gleiche machen wie die Amis, was die dürfen, dürfen wir auch. Die Irländer machen bei der Aktienbesteuerung auch das gleiche wie die Engländer.

  • W. Tell am 25.09.2016 15:40 Report Diesen Beitrag melden

    Non olet

    Gut so! Nun soll doch der BR die so braven USA zur Kasse bitten (und zwar in Dutzende von Milliarden USDollars). Geschaeft ist einfach Geschaeft. PS: Wo ist die patriotische SVP jetzt? Oder muss sie sich erinnern, dass es BR Blocher war, der zuerst Ja und Amen den USA gegenueber sagte!