530 Erkrankungen

24. September 2019 03:41; Akt: 24.09.2019 07:33 Print

US-Justiz ermittelt gegen Juul

Laut einem Medienbericht laufen gegen den E-Zigaretten-Hersteller Juul Labs strafrechtliche Untersuchungen.

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Bei der Zahl der Lungenerkrankungen handelt es sich laut der Gesundheitsbehörde vielleicht nur um «die Spitze des Eisbergs»: E-Zigarette. (Archivbild) Das Verbot in Massachusetts verbietet alle E-Zigaretten, nicht nur die aromatisierten. (Archivbild) Der E-Zigaretten-Hersteller steht schon länger in der Kritik: Eine Frau raucht eine Juul. (Archivbild) Adam Hergenreders Mutter ist sich sicher: Juul ist dafür verantwortlich, dass ihr Sohn mit Sauerstoffschlauch und an ein EKG angeschlossen im Spital liegt und eventuell sogar eine neue Lunge braucht. Während der anderthalb Jahre, in denen Adam pro Tag einen Juul-Pod leer vapte und THC-haltige Lösungen mit der E-Zigi verdampfte, verschlechterte sich sein Zustand. Bei seiner Einlieferung ins Spital attestierten die Ärzte, dass seine Lunge der eines etwa 70 Jahre alten Mannes entspreche. Adams Schicksal ist kein Einzelfall. Im Sommer 2019 kamen erstmals Meldungen auf, wonach mehrere Menschen in den USA mit unerklärten Atemwegserkrankungen ins Spital eingeliefert wurden. Zurzeit sind in den USA rund 450 Fälle dokumentiert, in denen Menschen im Zusammenhang mit dem Konsum von E-Zigaretten lungenkrank geworden sind. Sie alle hatten zuvor E-Zigaretten konsumiert. Viele der Betroffenen hatten Liquids mit dem psychoaktiven Cannabis-Wirkstoff THC konsumiert. Sechs Menschen verstarben in der Folge sogar. Trotzdem ist bislang unklar, was genau die Gesundheitsprobleme auslöst. Doch nun scheint es eine erste heisse Spur zu geben. Laut der «Washington Post» haben Untersuchungen der gerauchten Liquids einen Stoff in den Fokus gerückt ... (Im Bild: einige der untersuchten Liquids) ... der die Atemwegserkrankungen auslösen könnte: Vitamin-E-Öl. Die Ermittler hätten den Stoff in Proben von Cannabisprodukten gefunden, die die Erkrankten zuvor geraucht hatten. In einigen US-Bundesstaaten ist der Verkauf von entsprechenden THC-Produkten erlaubt. Vitamin E kommt natürlicherweise in verschiedenen Nahrungsmitteln wie Ölen oder Nüssen vor. Doch der Stoff kann wegen seiner molekularen Struktur beim Einatmen gefährlich werden. Es ist nicht das erste Mal, dass über die Gefährlichkeit des E-Zigi-Konsums diskutiert wird. Studien zeigten, dass beim Verdampfen unter anderem freie Radikale und potenziell schädliche Chemikalien entstehen, die Entzündungen der Schleimhäute fördern und die DNA-Reparatur in den Zellen hemmen können. Derart erhöht sich auch das Krebsrisiko. Eine Arbeit von Stanford-Forschern zeigte ausserdem, dass auch die Auswahl des Aromas einen Einfluss auf die Gesundheit hat. Konkret wird die Ausschüttung von Entzündungsmarkern in den Zellen erhöht und das Zellwachstum beeinträchtigt, was zum Zelltod führen kann. Wie schwerwiegend die Folgen waren, hing stark vom Aroma ab. Als besonders schädlich entpuppten sich die Liquids mit Menthol- und Zimtaroma. Sie reduzierten die Überlebensrate der Zellen am deutlichsten, formulieren die Forscher. Laut den Wissenschaftlern zeigt die im «Journal of the American College of Cardiology» erschienene Studie deutlich, dass E-Zigis keine sichere Alternative zum Tabakrauchen darstellen. Konkret habe sich gezeigt, dass die Liquids Veränderungen bewirken ... ... die stark an jene erinnern, die während der Entwicklung von Gefässkrankheiten auftreten. Das ist angesichts der steigenden Nutzerzahlen – vor allem bei jungen Personen – beunruhigend. Sucht Schweiz hat für die im März 2019 vorgestellten Zahlen über 11'000 Schüler im ganzen Land befragt. Dabei zeigte sich, dass Dampfen bei den 15-Jährigen weit verbreitet ist. Eine weitere aktuelle Studie aus den USA zeigt zudem: 32 Prozent der College-Studenten besitzen eine E-Zigarette, und 50 Prozent haben schon beobachtet, wie andere in der Vorlesung oder in der Bibliothek gedampft haben.

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Der E-Zigaretten-Hersteller Juul Labs ist einem Zeitungsbericht zufolge ins Visier der US-Justizbehörden geraten. Gegen das Start-up laufe eine strafrechtliche Untersuchung der US-Staatsanwaltschaft in Kalifornien. Dies schrieb das «Wall Street Journal» am Montag unter Berufung auf eingeweihte Kreise.

Juul liess eine Anfrage zu dem Bericht zunächst unbeantwortet. Ein Justizsprecher sagte dem «Wall Street Journal», er könne eine laufende Ermittlung weder bestätigen noch verneinen.

Umstrittene E-Zigaretten

Die Firma aus San Francisco steht wegen zweifelhafter Methoden bei der Vermarktung ihrer E-Zigaretten an Jugendliche schon länger in der Kritik. Auch andere US-Behörden ermitteln gegen Juul.

E-Zigaretten sind in den USA mittlerweile sehr umstritten. Präsident Donald Trump kündigte bereits «sehr strenge» Vorschriften an und bezeichnete die Nutzung von E-Zigaretten als «grosses Problem».

Laut aktuellen Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC sind in den USA inzwischen 530 Fälle von Lungenverletzungen nach dem Gebrauch von E-Zigaretten erfasst. Juul ist der führende Hersteller in den USA, der Tabakriese Altria (Marlboro) hält einen grossen Anteil.

(chk/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Phil am 24.09.2019 07:44 Report Diesen Beitrag melden

    Selbstzerstörung

    Dieses Theater kann ich bald nicht mehr hören! Rauchen ist und bleibt ungesund, egal ob Zigi oder Dampf. Aber auch Nutella ist ungesund. Alkohol ebenfalls. Schmerzmittel genauso...und bei rot über die Strasse zu gehen ist ebenfalls ungesund. Aus PET Flaschen trinken und Microwellen Food aus erwärmtem Plastik Gefäss ebenfalls...naja...wir werden wohl alle demnächst den Löffel abgeben. Was tun wir dagegen?

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  • Vivi am 24.09.2019 06:44 Report Diesen Beitrag melden

    Soll einer dieses Affen-Theater

    verstehen. Seit Jahren sterben 1000ende an Schmerzmitteln in den USA. Es soll sogar epidemischeZüge angenommen haben. Bei den E-Zigis redet man von 8 Toten und weiss noch nicht einmal, woran sie tatsächlich gestorben sind?

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  • D. Paul am 24.09.2019 07:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alkohol

    Aber der Alkohol, der auch allen Politikern gut schmeckt, ist immer noch problemlos.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Darüber mal berichten am 24.09.2019 17:48 Report Diesen Beitrag melden

    Hetz-Jadg

    Die ganzen Erkrankungen sind wirklich traurig, aber die Hetz-Jagd, welche Medien momentan auf E-Ziggis macht ist nichts anderes als angstmacherei. (Über denn Hintergrund im zusammenhang mit den Tabbakkonzernen kann man nur Spekulieren, aber die plazierung von Iqos (Phillip-Morris) unter denn entsprechenden Artikel lässt mich etwas nachdenken) Mal abgesehen davon, werden ausschliesslich die negativen Seiten aufgezeigt. Über denn entlastenden bericht der zuständigen behörde aus Amerika habe ich noch nirgends gesehen & wv mal weniger schlimm E-Ziggis im vergleich zu herk. Zigis sind auch nicht...

  • manon am 24.09.2019 14:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    diffamierung

    e zigaretten sind der grösste feind der tabakindustrie. das ist der grund für gie ganze diffamierung

  • MasterMind am 24.09.2019 13:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alktote

    Wie ich glaube einmal gelesen zu haben, sterben jedes Jahr, Zehntausende, direkt, oder indirekt durch die heiligste aller Kühe, die Droge Alkohol. Aber das ist ja etwas ganz anderes ;-)

  • Kain am 24.09.2019 13:36 Report Diesen Beitrag melden

    kein THC in Juul Pods!

    "Zitat von Bild 3: THC-haltige Lösungen mit der E-Zigi verdampfte" // Juul bietet keine THC haltigen Liquids in ihren PODS an, das sind nicht zertifizierte Fremdprodukte!

    • manfred am 24.09.2019 14:15 Report Diesen Beitrag melden

      Schwarzmarkt

      Richtig. Und diese "Liquids" wurden auf der Gasse (Schwarmarkt) gekauft. Kein Mensch weiss, was in sie reingepanscht worden ist.

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  • raucher am 24.09.2019 11:58 Report Diesen Beitrag melden

    Generation Snowflake

    Mündige Menschen entscheiden selbst was und wie sie etwas tun,aber es entspricht dem heutigen Zeitgeist,dass immer die anderen Schuld sind.Bin selbst Raucher,aber es käme mir nie in den Sinn, andere für meine Handlungen verantwortlich zu machen,dass ist nur schwach und eines erwachsenen Menschen unwürdig.