Ölpest

15. Dezember 2010 21:22; Akt: 15.12.2010 22:09 Print

US-Regierung verklagt BP

Die US-Regierung verlangt vom Ölmulti BP Schadenersatz für die Ölpest im Golf von Mexiko. Auch Transocean soll nicht ungeschoren davon kommen.

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John Wright, Chef von Boots und Coots, der Firma, die die Entlastungsbohrung am Ort des Untergangs der «»Deepwater Horizon durchführt (Juni 2010). Behandlung einer Meeresschildkröte, die durch Kontakt mit Ölrückständen krank wurde. Audubon Nature Institute in New Orleans, 17. August 2010. Dieser Vogel kämpft im Golf von Mexiko gegen den Tod. Es ist ein Kampf, den er nicht gewinnen kann. Das Öl aus dem defekten BP-Bohrloch begräbt die Vögel buchstäblich bei lebendigem Leibe. Dieser Pelikan wird nie mehr fliegen. So sehr er sich auch bemüht, sein Tod ist nur noch eine Frage von Stunden. Die täglich 1,9 bis 3,8 Millionen Liter Öl, die aus der defekten Quelle ins Meer gelangen, haben deutliche Spuren in der Tierwelt hinterlassen. Bis Anfang Juli sollen seit dem Untergang der Bohrinsel «Deepwater Horizon» am 20. April insgesamt schon 80 Millionen bis 174 Millionen Liter Öl ausgelaufen sein. Lange Zeit war das Ausmass der Katastrophe unterschätzt worden, weil der Ölkonzern BP eine viel geringere Menge angegeben hatte. Die Tiere im Golf von Mexiko zahlen den Preis für die Informationspolitik des Erdölmultis. Die US-Umweltbehörde NOAA teilte am 29. Mai mit, dass inzwischen für etwa ein Viertel des Golfs von Mexiko ein Fischereiverbot besteht. Die Behörde gab die Fläche mit 60'683 Quadratmeilen an, was in etwa 157'000 Quadratkilometern entspricht und damit einer Fläche, die fast viermal so gross ist wie die Schweiz. Für die Fischerei in den drei Bundesstaaten Louisiana, Mississippi und Alabama war vier Tage zuvor der Notstand ausgerufen worden. Die US-Naturschutzbehörde «Fish and Wildlife Service» teilte mit, seit Beginn der Ölkatastrophe am 20. April 2010 ... ... seien mehr als 300 Seevögel, ... fast 200 Meeresschildkröten und 19 Delfine ... ... tot an die Küste gespült worden. Braunpelikane und zahlreiche andere Vögel nisten in den bereits ökologisch fragilen Küstengebieten von Louisiana. Retter bemühen sich verzweifelt darum, ölverschmierte Vögel einzufangen und zu reinigen. Doch für die meisten kommt jede Hilfe zu spät. BP setzt weiterhin eine umstrittene Chemikalie ein, die das Öl unter Wasser binden soll. Die US-Umweltbehörde hatte gefordert, das Mittel Corexit 9500 durch etwas anderes zu ersetzen - der Stoff sei zu giftig, die Folgen für die Umwelt seien nicht abschätzbar. BP bleibt dennoch vorerst bei der Chemiekeule. «Wir sterben einen langsamen Tod, jedes Mal, wenn das Öl sich einen Teil des Marschlandes nimmt, dann ist ein Teil Louisianas für immer verloren», klagen die Fischer. Auch der Tourismus leidet bereits unter der Ölpest.

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Das US-Justizministerium hat im Zusammenhang mit der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko am Mittwoch Klage gegen den Ölkonzern BP und acht weitere Unternehmen eingereicht. Zu den betroffenen Firmen zählt auch das in der Schweiz domizilierte Unternehmen Transocean.

Transocean war Eignerin der explodierten Plattform «Deepwater Horizon». Die Firmen hätten Umweltgesetze gebrochen und seien damit für die grösste Ölpest in der Geschichte der USA verantwortlich zu machen, sagte US-Justizminister Eric Holder am Mittwoch.

In dem Verfahren solle das Bundesgericht in New Orleans die zivilrechtliche Verantwortung der beklagten Konzerne für das Umweltdisaster feststellen. Der Schadenersatz solle für den Einsatz der Behörden, für wirtschaftliche Folgeschäden und für Umweltschäden gezahlt werden, sagte Holder.

Die Höhe der Forderung wurde nicht beziffert. Sie könnte aber bis zu 21 Milliarden Dollar betragen. In der Klageschrift macht die US-Regierung geltend, dass BP und die anderen Unternehmen das Bohrloch vor der Explosion der Förderplattform nicht hinreichend gesichert hätten.

Untersuchungen im Gange

Zudem sei Bohrloch nicht in erforderlichem Masse überwacht worden. Die von den Betreiberfirmen eingesetzten Geräte und Materialien seien nicht optimal gewesen. Der Ausrüster Halliburton, der an dem Bohrloch mitgearbeitet hatte, wurde in der Klage nicht genannt.

Es könnten aber noch weitere Firmen verklagt werden, hiess es, sagte Holder. Die Untersuchungen liefen weiter, auch über mögliche strafrechtliche Vergehen. Nach der Explosion am 20. April waren gut fünf Millionen Barrel Öl in den Golf von Mexiko geflossen.

Langes Verfahren erwartet

Nach Angaben von Justizminister Holder soll die Schadenersatzklage sicherstellen, dass «die US-Steuerzahler nicht gezwungen sind, die Kosten für die Wiederherstellung der Golfregion zu tragen». Er liess durchblicken, dass er mit einem langen Verfahren rechnet.

Bis zu 48 000 Menschen, 6800 Schiffe und 125 Flugzeuge waren an den Arbeiten beteiligt, die schliesslich am 19. September zum späten Erfolg führten und die Ölquelle MC252 zum Versiegen brachten. Allein BP hatte in sechs Monaten nach der Ölkatastrophe 40 Milliarden Dollar als Ölpestkosten abschreiben müssen.

(sda)