Böses Erwachen

01. März 2011 16:54; Akt: 12.05.2011 17:47 Print

USA «vergassen» Milliarden China-Schulden

Kein Land besitzt mehr US-Papiere als China, das war bereits bekannt. Doch nun stellt sich heraus, dass die USA bei China deutlich stärker in der Kreide steht als angenommen.

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Die USA müssen sich mit neuen Realitäten in Bezug auf ihre Staatsschulden abfinden. Insgesamt hält China gut ein Drittel mehr US-Staatsanleihen als noch vor wenigen Wochen veranschlagt, wie das US-Finanzministerium am Dienstag mitteilte. Grund ist, dass China Staatsanleihen in grossem Volumen auch ausserhalb der USA am Markt kauft. Damit sind die beiden wirtschaftlichen Supermächte enger miteinander verbunden als bisher angenommen.

Die USA sind auf das China-Geld angewiesen, um ihr ausuferndes Staatsdefizit zu finanzieren. China wiederum muss Dollar-Papiere in grossem Volumen kaufen, um den Wechselkurs seiner Landeswährung Yuan niedrig zu halten.

Korrektur um 270 Milliarden Dollar

Mit 1,16 Billionen Dollar hielt im Dezember kein Land mehr US-Papiere als China. Das US-Finanzministerium korrigierte seine Zahlen, um auch die im Ausland erworbenen Staatsanleihen richtig zuzuordnen.

Vor allem in Grossbritannien ging China auf Einkaufstour: Entsprechend wurde der Wert der US-Papiere in britischem Besitz um 269,2 Milliarden Euro nach unten berichtigt, die Anleihen werden nun China zugeordnet.

Streit um Wechselkurs

Die Volksrepublik verfügt mit ihren Beständen an US- Staatspapieren über ein Druckmittel, die Regierung in Washington zu einer vorsichtigen Haushaltspolitik zu bewegen. Chinas Aussenministerium betonte, das Land halte an der Strategie fest, die Währungsreserven stärker zu streuen. Eine Stellungnahme zu den jüngsten Daten lehnte das Ministerium jedoch ab.

China kontrolliert den Kurs seiner Landeswährung Yuan und erlaubt nur eine zögerliche Aufwertung. Das bedeutet, dass die Regierung in Peking US-Wertpapiere kaufen muss, um so den Wert der eigenen Währung zu drücken. Seit Juni 2010 hat der Yuan lediglich 3,8 Prozent an Wert gewonnen, vor allem US-Politiker gehen aber davon aus, dass der Yuan immer noch deutlich unterbewertet ist.

Über 10 Billionen Dollar Schulden

Sie werfen der Regierung in Peking vor, so den chinesischen Exporteuren ungerechtfertigte Vorteile am Weltmarkt zu verschaffen. Allerdings steigen die Konsumentenpreise in China derzeit wegen der teureren Ölpreise spürbar. Es wird daher mit einer stärkeren Aufwertung des Yuan gerechnet, um diese importierte Inflation zu bekämpfen.

Insgesamt standen die USA im Ausland per 30. Juni 2010 mit 10,7 Billionen Dollar in der Kreide, gut 11 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Zu dem Zeitpunkt befand sich die Schuldenkrise in Europa auf einem Höhepunkt, und viele Investoren flüchteten sich in die als sicher wahrgenommenen US-Staatsanleihen.

(sda)