Strafzölle gegen Importe

18. Mai 2012 12:24; Akt: 18.05.2012 13:49 Print

USA lancieren den Solar-Krieg gegen China

Die billigen chinesischen Solarimporte erregen in den USA schon lange die Gemüter. Nun hat das US-Handelsministerium gehandelt.

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Chinesische Produkte werden auf dem US-Markt deutlich günstiger angeboten. (Bild: Keystone)

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Im Kampf gegen billige Solarimporte aus China haben Hersteller aus den USA einen Etappensieg errungen. Das US-Handelsministerium belegte chinesische Solarimporte wegen Preisdumpings mit hohen Strafzöllen.

Das US-Handelsministerium setzte den Abgabensatz für Einfuhren der Spitzenexporteure Chinas, Suntech Power Holdings und Trina Solar, bei rund 31 Prozent fest. Dem Vernehmen nach kommen Unternehmen, die mit dem Ministerium kooperierten, noch mit vergleichsweise niedrigen Zöllen davon; für andere gleicht ein Zoll von 250 Prozent einem Einfuhrverbot.

Chinesische Unternehmen böten wegen staatlicher Subventionen ihre Produkte unter den Herstellungskosten an, hiess es zur Begründung. Die Zölle gelten ab sofort und für Solarzellen, die vor bis zu drei Monaten hergestellt wurden.

China: Unfairer Schritt

Das chinesische Handelsministerium verurteilte den Schritt als unfair. Die USA provozierten Spannungen im Bereich der Ökostromerzeugung und lieferten ein negatives Beispiel für Protektionismus. Die chinesischen Solaranbieter haben einen Weltmarktanteil von über 60 Prozent.

Auch der Vertriebschef des grössten chinesischen Solarunternehmens Suntech kritisierte die Entscheidung. Sie spiegle nicht die Realität des hohen Wettbewerbs in der Industrie wider, sagte Andrew Beebe. Er kündigte an, eng mit dem US-Handelsministerium zusammenarbeiten zu wollen, um der Behörde zu beweisen, dass die Zölle nicht gerechtfertigt seien.

Der deutsche Solarworld-Konzern, der die Klage zusammen mit einigen US-Unternehmen in den Vereinigten Staaten ins Rollen gebracht hatte, begrüsste das Ergebnis. Solarworld betreibt eine grosse Produktion in Hillsboro im US-Bundesstaat Oregon. Das Urteil aus den USA sei ein «Signal an Europa, wo vergleichbare Massnahmen greifen müssen», sagte Unternehmenschef Frank Asbeck.

Harter Preiskampf

Der weltweit tobende Preiskampf in der Branche sorgt für rote Zahlen und Pleiten. In den USA mussten Evergreen und Solyndra Insolvenz anmelden; in Deutschland Solon, Solar Millennium und zuletzt auch Solarhybrid und Q-Cells.

Auch die Schweizer Solarindustrie steht derzeit im Gegenwind: Der Produktionsanlagen-Hersteller Meyer Burger verzeichnete letztes Jahr 35,8 Prozent weniger Reingewinn als noch 2010. Die Thuner Firma kündigte deshalb im März an, rund 450 Stellen zu streichen.

Anlässlich der Bekanntgabe des Jahresergebnisses im März prognostizierte Meyer-Burger-Chef Peter Pauli für 2012 einen Umsatzrückgang. Zudem erwartete er, dass die Überkapazitäten in der Solarindustrie die Marge drastisch drücken würden.

Der Kabelhersteller Huber Suhner musste 2011 im Hauptmarkt Industrie, in dem das Geschäft mit der Solarindustrie sowie die Produkte für die Raumfahrt oder den Apparatebau zusammengefasst sind, einen Umsatzrückgang von 6 Prozent hinnehmen. Der Konzern führte dies nebst dem starken Franken auf den markanten Preiszerfall im Solarmarkt zurück.

Anfang März hatte zudem der Technologiekonzern Oerlikon angekündigt, seine einstigen Hoffnungssparte Solar an die japanische Tokyo Electron zu verkaufen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fachmann am 18.05.2012 21:00 Report Diesen Beitrag melden

    Solar-Ausstieg

    Da ist ja ein AKW noch gesünder als die ganze Umweltverschmutzung in China wegen dem Silicium-Abbau. Und übrigens: Ein Solarpanel muss in unseren Breitengraden einige Jahre bis die Herstellungsenergie erreicht ist...

  • Peter, Bern am 18.05.2012 15:00 Report Diesen Beitrag melden

    Verlogene Cleantech

    Hier zeigt sich doch exemplarisch ein Dilemma und die Verlogenheit der "Cleantech"-Lobby. In China wird zu ausbeuterischen Bedingungen mit stark umweltbelastenden Abbau- und Arbeitsprozessen unsere sogenannt saubere Energiezukunft mit Solartechnologie gebaut. Was Wunder, wenn die Preise konkurrenzlos tief liegen.

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  • Mike S. am 18.05.2012 22:49 Report Diesen Beitrag melden

    SolarMax gibts auch noch in Biel

    Es geht hier um subventionierte Produkte und nicht um günstige Produktionsstandorte. 20min: in der Schweiz gibt es noch SolarMax (dot com) ist weltweit unter den 10 grössten Wechselrichterherstellern und Swissmade. Produktion in Biel. Wieso greift ihr da auf Huber und Suhner zurück aber erwähnt SolarMax nicht? Also liebe Schweizer, fragt nach Schweizer Produkten, fragt nach SolarMax. Gruss Mike S.

Die neusten Leser-Kommentare

  • am 19.05.2012 07:40 Report Diesen Beitrag melden

    Politik gefragt

    Amerika macht es vor. Da China jedoch sich wg. den maroden Staatsfinanzen als Gläubiger-Staat Nr. 1 sich nun langsam in die HighTech Firmen einkauft, wird es früher oder später sich auch dort die Vormachtstellung sichern. Eine Lösung könnte sein - so hat es Lee Iacocca damals mit Chrysler und mit der Carter-Regierung gemacht, dass Solar-Fördermittel (bei Chrysler waren es Staatsdarlehen) nur für heimische Produkte gab. Darüber hinaus sollte sich die Politik überlegen, statt aufwendige und umweltschädliche Wasserkraftwerke zu bauen, die Plafonierung bei der Solarförderung aufzuheben

  • Gringo am 19.05.2012 03:52 Report Diesen Beitrag melden

    USA und Krieg ....

    nichts Neues im Westen!

  • Marco S am 19.05.2012 00:49 Report Diesen Beitrag melden

    Etappensieg?! Eher Totalversagen

    Schämt euch Medien! Eine solche grossartige Erfindung mit hohen Zöllen zu belegen und damit ihren Wirtschaftswachstum zu bremsen ist eine Schande. Eine Schande für das Wohl der Menschheit.

  • Fabri am 18.05.2012 22:53 Report Diesen Beitrag melden

    Go China!

    Eine glatte Frechheit von den Amis. Selber allen armen und Schwellenländern aufzwingen ihre Märkte zu öffnen, Subventionen zu streichen und Zölle abzuschaffen und dann dies. Einfach immer nur den eigenen Nutzen im Sinn haben kann auf Dauer nicht gut gehen. Ich finds allmählich amüsant Amerika's Zerfall zuzuschauen, als nächstes hoffe ich dass sie Universal Health Care als unconstitutional bezeichnen :p Armes Amerika, sehts endlich ein dass der gute Herr Reagan eure glorreiche Vergangenheit zunichte gemacht hat!

  • Mike S. am 18.05.2012 22:49 Report Diesen Beitrag melden

    SolarMax gibts auch noch in Biel

    Es geht hier um subventionierte Produkte und nicht um günstige Produktionsstandorte. 20min: in der Schweiz gibt es noch SolarMax (dot com) ist weltweit unter den 10 grössten Wechselrichterherstellern und Swissmade. Produktion in Biel. Wieso greift ihr da auf Huber und Suhner zurück aber erwähnt SolarMax nicht? Also liebe Schweizer, fragt nach Schweizer Produkten, fragt nach SolarMax. Gruss Mike S.