Abgasskandal

05. Januar 2016 16:07; Akt: 05.01.2016 16:17 Print

USA verklagen Volkswagen auf bis zu 90 Milliarden

Dem deutschen Autobauer droht eine Rekordstrafe. Die Klage richtet sich neben VW auch an die Konzerntöchter Audi und Porsche.

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Strafen reichen teils bis zu 40'0000 Dollar pro Fahrzeug: Hauptstandort von Volkswagen in Wolfsburg. (Archiv) (Bild: Keystone/Julian Stratenschulte)

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Das US-Justizministerium verklagte den deutschen Autobauer wegen Verstössen gegen das US-Luftreinhaltegesetz auf bis zu 90 Milliarden Dollar. Unter anderem werfen die USA VW Täuschung bei der Aufarbeitung der Affäre vor.

«Die Bemühungen der Vereinigten Staaten, die Wahrheit über die Emissionsüberschreitungen und andere Ungereimtheiten zu erfahren (...), wurden behindert und gehemmt durch das Vorenthalten von Material und irreführende Informationen, die VW zur Verfügung gestellt hat», heisst es in der Klageschrift der US-Regierung, die das Justizministerium am Montagabend in Washington vorgelegt hatte.

So führt die Klage auf, dass VW schon seit Mai 2014 mit der US-Umweltschutzbehörde EPA über die verdächtigen Abgaswerte bei Zwei-Liter-Motoren diskutierte, die Manipulation aber erst im September 2015 zugab. Auch das anfängliche Leugnen geschönter Emissionen bei Drei-Liter-Motoren noch im November prangert die Justiz an.

Vier Verstösse

Insgesamt wirft die US-Regierung VW damit nicht nur einen, sondern vier Verstösse gegen das US-Luftreinhaltegesetz, den Clean-Air-Act vor: Entwicklung und Einbau der Manipulationsvorrichtung, die Manipulation an sich, Import und Verkauf der Autos sowie Versäumnisse beim Offenlegen.

Die in Detroit im US-Bundesstaat Michigan eingereichte Klage richtet sich neben VW auch gegen die ebenfalls vom Skandal betroffenen Konzerntöchter Audi und Porsche. Die drohenden milliardenschweren Strafen staffeln sich nach verschiedenen Paragrafen, Modelljahren und Motorgrössen. Sie reichen teils bis zu knapp 40'000 Dollar pro Fahrzeug und Verstoss.

Der Autobauer hatte im vergangenen Jahr eingeräumt, bei fast 600'000 Dieselfahrzeugen in den USA den Grenzwert für den Stickoxid-Ausstoss nur im Prüfstand über eine illegale Software einzuhalten, im normalen Betrieb aber weit darüber zu liegen. Weltweit wurden rund elf Millionen Fahrzeuge manipuliert.

Anleger reagierten schockiert auf die mögliche Milliardenstrafe in den USA. An der Börse brachen die Volkswagen-Aktie am Dienstag zeitweise um sieben Prozent ein auf Kurse um 118 Euro.

Geringerer Vergleich wahrscheinlich

Nach Einschätzung von Analysten wird die von der US-Umweltschutzbehörde EPA verlangte Strafe am Ende wahrscheinlich aber deutlich niedriger ausfallen, wie ähnliche Fälle in der Vergangenheit gezeigt haben. «Es ist nicht unüblich für die EPA, eine sehr hohe Summe zu fordern und diese dann runter zu verhandeln», sagte Kirk Junker, Professor für US-Umweltrecht an der Universität Köln.

So wurde Toyota wegen Verstössen gegen die Luftreinhaltung mit 2,2 Millionen Fahrzeugen zu 34 Millionen Dollar verdonnert - gedroht hatten zunächst 58 Milliarden Dollar. «Bei solchen Strafen werden immer astronomische Zahlen genannt, aber am Ende wird es einen Vergleich geben, der weitaus geringer ausfällt», erklärte Arndt Ellinghorst vom Analysehaus Evercore ISI. «Eine Grössenordnung von 90 Milliarden Dollar würde VW in den finanziellen Ruin stürzen», ergänzte er.

Ein VW-Konzernsprecher sagte am Dienstag, das Unternehmen sei in ständigem Austausch mit den Behörden. VW prüfe die Klage im Detail.

(nab/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Damra am 05.01.2016 16:20 Report Diesen Beitrag melden

    US = Evil Empire !!!

    Das hat nichts mehr mit Rationalität zu tun - es geht nur noch darum, "Wirtschaftsperlen" in Europa zu zerstören ! Da müssen wir widerstehen und den Spiess umdrehen und US-Amerikanische Konzerne für all ihre Abscheulichkeiten rechtlich belangen.

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  • René am 05.01.2016 16:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Typisch

    Na das nenn ich mal ein Schnäppchen... Sollte es dazu kommen dann hoffe i doch das endlich mal in Europa ein Staatsanwalt Klage gegen USA und ihre Firmen startet. Angefangen bei Monsanto bis hin zu GM.

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  • Ardi am 05.01.2016 16:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was mann alles macht um Geld zu kassieren

    Die USA tut und kann schon alles machen um ans Geld zu kommen. VW ist bestimmt nicht das einzige an diesem Skandal betroffen, 100% gibt es auch andere Autohersteller die das machen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ronny am 06.01.2016 18:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spiesse umdrehen und zurückschlagen.

    Ein renomiertes deutsches Automagazin hat unlängst eigene, mit realistischen Zyklen erfolgten Tests mit allen möglichen Fahrzeugen durchgeführt und Erstaunliches festgestellt. Fiat übertrifft ihre Schadstoffangaben um das Zehnfache, BMW, VOLVO und Mercedes um das Fünfeinhalbfache. Dasjenige Fahrzeug, das am weitaus besten abschnitt (Faktor 1.9), ist gerade eben der am Pranger stehende Golfmotor von VW. Amerkanische Monstertrucks, mit denen die Nannys die Kinder zur Schule fahren, waren leider keine im Test.

    • Claude am 06.01.2016 20:23 Report Diesen Beitrag melden

      Magazine

      es lohnt sich sicher, auch ein renomiertes französisches Automagazin durchzulesen. Wahrscheinlich haben dort die franz. Autos die besten aller Werte.

    • Klaus am 06.01.2016 20:34 Report Diesen Beitrag melden

      @Ronny

      Solche Tests sind ja, insofern nicht gekauft, eine gute Sache. Haben aber keinen Einfluss auf den Fall hier. Denn es geht nicht um die aktuellen Werte der Motoren, sondern um die Cheat-Software. Wenn es Seitens der Mitbewerber eine Sammelklage gibt, kann VW zusammenpacken. Als Mitbewerber würden sie sich auch verschaukelt vorkommen...

    • Werner am 06.01.2016 21:36 Report Diesen Beitrag melden

      @Ronny

      da haben Sie Recht, aus Sicht Mitbewerber muss die Strafe natürlich schon so hoch sein, dass es VW richtig weh tut. Alles andere waere sonst ja ein Witz.

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  • Ich am 06.01.2016 17:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlechter Witz!

    Hauptsache, die USA verklagt VW. Selber produzieren und fahren sie ja so unglaublich umweltfreundliche Autos. Ach diese Ironie!

  • Rejaeg am 06.01.2016 17:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So kann mann eigene Marken stärken

    Na toll, VW ruinieren damit die eigenen Marken besser verkauft werden... GM-Opel... Und andere... VW gehört bestraft, ganz klar, aber darf nicht ruiniert werden!

    • Albi am 06.01.2016 21:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Betrieb ruinieren.

      Genau so ist es, da hast Du völlig recht. Man will VW ruinieren damit GM bessere Verkaufszahlen vorweisen kann. Strafe ist Ok, aber nicht einen Europäischen Betrieb kaputt machen, damit trifft es sehr viele Mitarbeiter, es trifft die Falschen. Dies ist auch eine Sauerei.

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  • David am 06.01.2016 17:04 Report Diesen Beitrag melden

    Unlauterer Wettbewerb

    Die grosse Sauerei an der Sache ist nicht nur die Luftverpestung (Stickoxide sind GIFT), sondern auch, dass sich VW dadurch einen illegalen Vorteil gegen die Mitbewerber verschafft hat (weil sie die Autos billiger bauen konnten, als sie hätten dürfen). Für ZWEITERES werden sie richtig bluten - und das völlig zu Recht! 90 Milliarden werden es niemals (da wird immer zu Beginn eine Zahl vom Kläger ausfantasiert), aber es wird sicher wehtun.

  • Bruno Bärtschi am 06.01.2016 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    Geld oder Strafe?

    Für den Bschiss mit der Software muss VW gerade stehen und bestraft werden. Aber eine Strafe soll dem Vergehen angemessen sein. Wer diese Grenzen nicht einhält, macht sich des Rechtsmissbrauchs schuldig und ist zumindest moralisch strafbar.