Betteln für Afghanistan

18. Dezember 2009 16:21; Akt: 18.12.2009 16:28 Print

USA wollen Kriegsanleihen ausgeben

Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg zieht die USA in Betracht «War Bonds» – Kriegsanleihen – auszugeben. Damit soll das Volk den ausufernden Afghanistan-Einsatz finanzieren.

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Mit einem staatlichen Schuldenberg von rund 12 000 Milliarden Dollar sucht der amerikanische Staat alternative Geldquellen, um den teuren Einsatz in Afghanistan zu Finanzieren. Alleine die von Präsidenten Barack Obama angekündigte Truppenaufstockung um 30 000 Soldaten kostet mindestens zusätzliche 30 Milliarden Dollar. Die demokratische Regierung will dafür einen «Finanzierungstrick» anwenden: Die patriotischen Bürgen sollen den Konflikt am Hindukusch finanzieren. Am Mittwoch stellte der Abgeordnete Kendrick Meek einen Gesetzentwurf vor, welcher das Finanzministerium ermächtigen soll «War Bonds» zu emittieren. «Kriegsanleihen ermöglichen es uns, Geld von uns selbst zu leihen statt von anderen Ländern», erklärt Meek. US-Bürger sollten diese Anleihen erwerben und so ihre Unterstützung für die Truppen demonstrieren, «selbst wenn sie mit dem Einsatz nicht einverstanden sind», gab Meek gemäss «standard.at» zu Protokoll.

Bis anhin zahlten die Chinesen die US-Krieg

Bis jetzt wurden die Einsätze im Irak und in Afghanistan mit Krediten finanziert, welche von ausländischen Gläubigern – allen voran China – gewährt wurden. Mit dem neuen Gesetzentwurf soll erreicht werden, dass nicht noch weitere ausländische Gläubiger angezapft werden müssen. Diese sind auch immer weniger bereit, Staatsanleihen der überschuldeten Supermacht zu kaufen. Ob der Entwurf im Kongress jedoch die erforderliche Mehrheit erhält, ist noch nicht absehbar.

Kriegsanleihen sind Wertpapiere, die der Finanzierung von Kriegen dienen. Verkauft werden die Papiere an die Bevölkerung. Der Käufer erhält einen Zins auf das Kapital, welches er dem Staat geliehen hat. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Gläubiger ihren Einsatz nicht zurück bekamen, wenn der Kreditnehmer den Krieg verlor. Aber nicht nur bei Niederlagen musste abgeschrieben werden: Kriegsanleihen von Frankreich, Russland und England aus dem ersten Weltkrieg sind bis heute ausstehend.

Lange Tradition

Bereits im 19. Jahrhundert wurden während des Amerikanischen Bürgerkriegs «War Bonds» an die Bevölkerung verkauft. Damals stellten beide Seiten, die Union und die Konföderierten, Anleihen aus, um ihre Armeen zu finanzieren. Auch während des Ersten und des Zweiten Weltkrieges verkaufte die US-Regierung Kriegsanleihen. Auch Österreich-Ungarn, Kanada, Deutschland und Russland finanzierten ihre Kriege mit Anleihen. Diese wurde immer sehr aggressiv beworben. Meist zierten patriotische Parolen die Plakate der Werbekampagnen. Die Angst der Bevölkerung vor dem Feind wurde für Werbung genutzt. So zeigt ein US-Plakat aus dem Zweiten Weltkrieg spielende Kinder im Schatten eines riesigen Hakenkreuzes mit dem Text darunter: «Don’t let that shadow touch them». (Lasst diesen Schatten unsere Kinder nicht berühren). Zudem gab es für die Schuldner auch patriotische «Geschenkli». Österreichische Schuldner erhielten Fingerringe mit dem Aufdruck «Pro Patria» in der Schweiz wurden Sondermünzen geprägt.

Kriegsanleihen in der Schweiz

Obwohl unser Land schon lange von keinem Krieg mehr heimgesucht wurde, gab es auch im letzten Jahrhundert Schweizer Kriegsanleihen, hierzulande Wehranleihen genannt. Angesichts der Kriegsgefahr billigte das Parlament im Juni 1936 eine Wehranleihe über 235 Millionen Franken für ein ausserordentliches Rüstungsprogramm. Der Zins lag mit drei Prozent etwas unter dem der damaligen Staatsanleihen. Erwerber genossen jedoch finanzielle Vorteile wie Verrechnungssteuerbefreiung. Die Kreditaufnahme stiess auf ein grosses Echeo, insgesamt nahm der Bund sogar 335 Millionen Franken auf. Die Investition in diese Wertpapiere stellte sich im Nachhinein als lukrativ heraus und war so gesehen nicht nur etwas für Patrioten.

(zac/scc)