Unlautere Geschäfte

02. September 2011 08:53; Akt: 02.09.2011 11:06 Print

USA zerren Grossbanken vor Gericht

Nach der UBS geraten auch andere Banken ins Visier der US-Regierung. Sie will ein Dutzend Grossbanken auf Schadenersatz in Milliardenhöhe verklagen. Es geht um unlautere Immobilien-Deals.

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Auch die Deutsche Bank soll von den USA verklagt werden (Bild: Keystone/AP/Michael Probst)

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Es sind prominente Namen, die von der «New York Times» genannt werden: Unter anderen stehen die Bank of America, JPMorgan Chase und Goldman Sachs sowie die Deutsche Bank im Fokus der US-Regierung. Laut der Zeitung kommen auf die betroffenen Grossbanken Schadenersatzforderungen von 20 Milliarden Dollar zu.

Die US-Aufsichtsbehörde Federal Housing Agency (FHFA), der die staatlichen Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac unterstehen, wirft den Instituten dem Bericht zufolge vor, bei dem Verkauf von Hypotheken-Papieren auf dem Hoch des Immobilienbooms in den USA falsche Angaben über die Kreditwürdigkeit der Schuldner gemacht zu haben. Damit hatten die Banken sozusagen das Risiko der Papiere heruntergespielt - unter Mithilfe der Rating-Agenturen, welche die Anlagen mit zu guten Noten ausgestattet hatten.

Subprime-Krise brachte Banken ins Trudeln

Investmentbanken hatten die Hypothekarkredite als komplexe Wertpapiere gebündelt in alle Welt verkauft. Als im Frühjahr 2007 die Immobilienblase platzte, wurden diese sogenannten Subprime-Papiere – also Papiere von minderer Qualität – für Finanzinstitute in aller Welt zum Problem.

Hunderttausende amerikanische Schuldner hatten trotz schwachem Einkommen und fast ohne Sicherheiten Baukredite erhalten. Auf solchen Subprime-Krediten basierende Wertpapapiere waren lange Zeit sehr beliebt, weil sie hohe Zinsen versprachen. Als die Blase allerdings platzte, kamen viele Finanzinstitute ins Trudeln.

Fannie & Freddie verloren 30 Milliarden

Fannie Mae und Freddie Mac hatten zum Teil aufgrund dieser Geschäfte mehr als 30 Milliarden Dollar verloren, die dann vom amerikanischen Steuerzahler getragen werden mussten. Dem Bericht zufolge sollen die Klagen in den nächsten Tagen vor Bundesgerichten eingereicht werden.

Im Juli hatte die FHFA bereits die Grossbank UBS auf 4,5 Milliarden Dollar Schadenersatz verklagt. Der Vorwurf: Die Schweizer Grossbank soll den staatlichen US-Immobilienfinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac minderwertige Hypotheken-Papiere angedreht haben.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • marc sutter am 02.09.2011 10:03 Report Diesen Beitrag melden

    fragwürdig

    mich nähme es wunder, ob die usa auch gegen eigene banken so vorgehen...

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  • Ernst Walter am 02.09.2011 09:37 Report Diesen Beitrag melden

    Schuld sind immer die Andern

    Der Amerikanische Staat hat die beiden Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac seinerzeit mit dem expliziten Auftrag gegründet, all denen Hypotheken zu gewähren, die von keiner Bank als kreditwürdig eingestuft werden, u.a. Langzeitarbeitslosen, Sozialhilfeempfängern etc. Der Kreditausfall bei der Mehrzahl dieser Kunden war vorherzusehen. Statt die Schuld beim eigenen, verheerenden Konstrukt zu suchen, sollen jetzt weltweit jene zur Kasse gebeten werden, die die beiden "Staatsbanken" refinanziert haben, auf Grund von verbrieften Sicherheiten, die stets mit AAA geratet waren.

  • S. D. am 02.09.2011 11:45 Report Diesen Beitrag melden

    Es reicht

    Es wird wirklich endlich Zeit, dass sivh die europäischen Banken zusammenschliessen und den Amis die Stirn bieten, ist ja nur noch äwrgerlich, wie hier versucht, die Kassen zu füllen, während den eigenen Banken Milliarden hinterhergeworfen werden. Protektionismus und Imperialismus pur!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Markus am 02.09.2011 22:53 Report Diesen Beitrag melden

    Und nach den Banken, wen anklagen?

    Da muss die USA sich selbst an der Nase nehmen und sich selbst mal fragen. Die Amerikaner habe diese Produkte geschaffen aus ihren eigenen Immobilien und verhalten.... In einem Geschäft gibt es Gewinner und Verlierer aber die Amis wollen nur gewinnen egal was, wie oder wer... Ich würde sagen alle ausländischen Bank machen dort zu, dann können sie ja schauen was sie mit den zusätzlichen Arbeitlosen machen wollen...

  • Martin am 02.09.2011 15:46 Report Diesen Beitrag melden

    Man sollte es neutral betrachten.

    Dass die amerikanischen Steuerbehörden die härtesten der Welt sind ist nicht erst seit der Finanzkrise bekannt. Jede einzelne Bank, die sich des Steuervergehens in den USA schuldig gemacht hat, hat dies wissentlich getan und auf "Nichterwischen" beim Zocken gesetzt. Es darf sich jetzt keiner wundern, dass es den Banken Stück für Stück zurecht an den Kragen geht. Bei Geld fängt Freundschaft an...interessant zu werden.

  • Jürgen Würgen am 02.09.2011 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn das Geld fehlt..

    Wenn das Geld im eigenen Land fehlt, holt man es sich halt woanders wieder rein. Ich würde als Bank keine Ami Kunden mehr aufnehmen bzw. das US Geschäft ganz aufgeben und mich auf Asien konzentrieren.

  • Rolf am 02.09.2011 15:25 Report Diesen Beitrag melden

    Finger weg von den USA

    einmal mehr nicht erstaunlich, dass die USA ihre eigenen Versäumnisse auf dem Buckel Dritter abwältzen wollen. Wenn in den USA schon alles so gut kontrolliert wird, wieso wurden denn nicht von Anfang an diese Geschäfte kontrolliert und bestraft? Ach ja logisch, damals ging es den USA noch gut und wahrscheinlich hat die USA selber gut daran verdient. Die meisten Kommentare haben es auf den Punkt gebracht: die amerikanische Rechtssprechung nur noch belächeln und den Staat abstürzen lassen. Wenn dann die Kreditartenblase zusammenbricht, wird wohl auch die ganze Welt diese Zeche bezahlen müssen...

  • Patriotin am 02.09.2011 15:02 Report Diesen Beitrag melden

    Selber schuld?

    Milliarden in unnötigen, stümperhaft geführten Kriegen verlocht und jetzt die (schweizer) Banken zur Kasse bitten! Eigentlich sind wir ja selber Schuld, wenn wir uns weiterhin von denen auf der Nase rumtanzen lassen... Irgendwie traurig und beschämend!