Plattform-Ökonomie

03. Dezember 2019 08:41; Akt: 03.12.2019 14:43 Print

Uber soll Fahrern eine halbe Milliarde schulden

von S. Spaeth - Das Geschäftsmodell von Uber steht in der Kritik. Die Gewerkschaft Unia moniert, Uber soll seinen Schweizer Fahrern jährlich bis zu 99 Millionen Franken vorenthalten haben.

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Dieser Streit tobt in Städten weltweit: Sind Uber-Fahrer Selbstständigerwerbende oder Angestellte? Uber argumentiert, man vermittle lediglich Fahrten. Die Schweizer Gewerkschaft Unia hat nun ausgerechnet, was Uber seinen Schweizer Fahrern schulden würde. Es seien jährlich zwischen 63 und 99 Millionen Franken, heisst es bei der Unia. Im Bild: Unia-Präsidentin Vania Alleva. Die Gewerkschaft argumentiert, Uber umgehe Schweizer Gesetze. Zudem würde auch die öffentliche Hand viel Geld verlieren. Laut Schätzungen der Unia entgehen den verschiedenen Schweizer Sozialversicherungen nach Schätzungen jährlich rund 20 Millionen Franken an Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträgen. In einer Stellungnahme schreibt die Firma Uber: «Wir sind überzeugt, dass ohne Arbeitsverpflichtung auch kein Arbeitsverhältnis bestehen kann.» Uber schreibt, man verstehe, dass die Frage der sozialen Absicherung der Fahrer auch für die Schweiz von grosser Bedeutung sei. «Dabei sind wir der Ansicht, dass Flexibilität und sozialer Schutz sich nicht ausschliessen.» Uber macht die Entschädigung ihrer Chauffeure transparent: Durchschnittlicher Verdienst eines Fahrer mit der App sei 26.81 Franken pro Stunde. Dieser Betrag ist nach Abzug der Servicegebühr von Uber. Von den knapp 27 Franken hat der Fahrer aber die Kosten für sein Fahrzeug zu bezahlen. In die Offensive gegangen ist bereits der Kanton Genf. Er hat im November entschieden, dass Uber ein Arbeitgeber ist und seine Fahrer regulär anzustellen habe. Im Bild: Proteste gegen Uber aus dem Jahr 2017. Uber wehrt sich aber beim Verwaltungsgericht gegen das Tätigkeitsverbot, weshalb der Dienst in Genf weiterhin aktiv ist. Uber gibt es in der Schweiz seit 2012. Seit 2019 ist Uber an der New Yorker Börse.

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Sind Uber-Fahrer Selbstständigerwerbende oder Angestellte? Das ist die zentrale Frage in einem Streit zwischen der Firma aus Kalifornien, Gewerkschaften und Behörden in aller Welt. Uber argumentiert, man vermittle lediglich Fahrten. Die Kritiker hingegen sagen, die Fahrer seien Scheinselbstständige, weshalb Uber die Fahrer anzustellen und Sozialleistungen zu bezahlen habe.

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Die Gewerkschaft Unia hat nun ausgerechnet, was Uber seinen Schweizer Fahrern schuldet. Es seien jährlich zwischen 63 und 99 Millionen Franken, wie der Unia-Transportverantwortliche Roman Künzler anhand einer konkreten Schätzung an einer Medienkonferenz darlegt. Seit Uber 2013 in der Schweiz gestartet ist, beträgt die Summe laut Unia bis zu einer halben Milliarde Franken.

Uber: «Es besteht kein Arbeitsverhältnis»

Laut der Gewerkschaft würde zudem auch die öffentliche Hand Geld verlieren. Den Schweizer Sozialversicherungen entgehen gemäss Unia-Angaben jährlich rund 20 Millionen Franken an Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträgen. Für die sechs Jahre, die Uber in der Schweiz aktiv ist, summiert sich dieser Betrag laut Gewerkschaft auf über 100 Millionen Franken.

Uber verteidigt sich gegen den Vorwurf der Scheinselbstständigkeit und teilt mit, man habe lediglich Partnerverträge mit den Personen, welche die Plattform nutzen und Fahrten anbieten wollen. In einer Stellungnahme schreibt die Firma: «Wir sind überzeugt, dass ohne Arbeitsverpflichtung auch kein Arbeitsverhältnis bestehen kann.»

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«Bereits seit Jahren sind Fahrer in der Schweiz selbstständig. Den Fahrern, die die Uber-App verwenden, steht es vollkommen frei, wann und wie sie diese nutzen möchten», erklärt eine Sprecherin. Diese Flexibilität und Freiheit sei es, was die Fahrer am meisten schätzen. «Wir werden uns dafür einsetzen, dies zu bewahren und gleichzeitig den Schutz der Selbstständigen in der Schweiz zu verbessern», so die Sprecherin weiter.

Schlechtere Versicherungsdeckung und Lohndruck

Laut Professor Kurt Pärli von der Universität Basel müssten Plattform-Beschäftigte in der Regel als Angestellte gelten. Er hat diese Frage im Rahmen seiner Studie «Arbeits- und sozialversicherungsrechtliche Fragen der Sharing Economy» geklärt. Gemäss Pärli macht es für die Fahrer einen grossen Unterschied, ob sie als Selbstständige oder Angestellte arbeiten: Die Versicherungsabdeckung für Angestellte sei deutlich umfassender. Zudem führt die Ausbreitung von Plattform-Beschäftigungsverhältnissen laut der Studie auch zu Lohndruck.

Uber schreibt, man verstehe, dass die Frage der sozialen Absicherung der Fahrer auch für die Schweiz von grosser Bedeutung sei. «Dabei sind wir der Ansicht, dass Flexibilität und sozialer Schutz sich nicht ausschliessen.» Zudem macht Uber die Entschädigung ihrer Chauffeure transparent: Durchschnittlicher Verdienst eines Fahrers mit der App sei 26.81 Franken pro Stunde. Dieser Betrag ist ohne Trinkgeld, aber nach Abzug der Servicegebühr von Uber. Zudem hat der Fahrer von den knapp 27 Franken die Kosten für sein Fahrzeug zu bezahlen.

Genf geht gegen Uber vor

Angesichts der «Dimensionen der Folgen» von Uber in der Schweiz dürften die Behörden laut Unia nicht länger zusehen und darauf warten, dass Fahrer ihre Rechte gerichtlich einklagen. Die Unia fordert, dass die Behörden die Gesetze durchsetzen.

In die Offensive gegangen ist bereits der Kanton Genf. Er hat im November entschieden, dass Uber ein Arbeitgeber ist und seine Fahrer regulär anzustellen hat. Uber müsse zudem die kantonalen Taxi-Gesetze einhalten, weshalb Genf Uber verboten hat, die Aktivitäten unter den aktuellen Bedingungen fortzusetzen. Uber wehrt sich aber beim Verwaltungsgericht gegen das Tätigkeitsverbot, weshalb der Dienst in Genf weiterhin aktiv ist.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Vorrechner am 03.12.2019 10:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rechnen lernen

    27 Franken minus Fahrzeug und Benzin!! Wie saubloed muss man sein um fuer diese Abzocker zu fahren?

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  • PJ am 03.12.2019 10:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Asozial

    Und genau deswegen unterstütze ich solche Firmenkonstrukte nicht; auch wenn es billiger ist!

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  • Anton Müller am 03.12.2019 10:51 Report Diesen Beitrag melden

    wie immer

    Doppel Standard, Taxis vs uber, gleiche Dienstleistung aber komplett unterschiedliche regulierung

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Technik und Politik am 05.12.2019 05:10 Report Diesen Beitrag melden

    Wir Profitieren alle davon

    Es liegt in unserem Interesse, Technik und neue Lösungen nicht zu bekämpfen oder zu stark zu bevormunden, denn es profitieren alle davon, wenn man richtig damit umgeht. Besserer Service für alle. einfacher Zugang zu Neben/hauptjobs. Mehr Zugang zu Privatsphäre und Auswahl. Günstigere Preise für Alle. Effizientere Leistung.

  • Technik und Politik am 05.12.2019 05:04 Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Uber ist lediglich ein App, das Sharing-Economy vermittelt. Ich bin einverstanden, das Uber in einem Arbeitsverhältnis mit den Fahrern Steht, jedoch, gleicht dieses Arbeitsverhältnis keinem Normalem Arbeitsverhältnis und sollte dementsprechend auch anderst behandelt werden, ohne Zulagen jedoch Ferien etc. sollte, schon inbegriffen sein. Fazit: Es braucht ein neues Arbeitgeber-Verhältnis-Modell für shared Economy. Eine Art. Arbeitgeber-Lite version.

  • struppilu am 04.12.2019 19:30 Report Diesen Beitrag melden

    Sorry aber...

    Ich glaub der UNIA kein Wort.

    • Maurizio am 04.12.2019 22:15 Report Diesen Beitrag melden

      Wieviele Taxifahrer bei UNIA organisiert

      Da stimme ich Dir zu struppilu, die UNIA will nur provozieren und wieviele Taxifahrer vertritt die UNIA überhaupt?

    • struppilu am 04.12.2019 22:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Maurizio

      Ich denke mal es werden nicht allzuviele sein. Die UNIA macht meist mehr kaputt als das was sie gut macht.

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  • Toni Maccaroni am 04.12.2019 18:10 Report Diesen Beitrag melden

    Und die verdrängten Berufsfahrer..?

    Nicht nur den Fahrern schulden sie Geld. Auch den Taxudrivers denen sie Kunden abgeworben haben. Ökonomisch gesehen ist Uber schlicht einen Sauerei..

  • Tatsache am 04.12.2019 15:52 Report Diesen Beitrag melden

    Schamlose Abzocke

    Ist einfach unverständlich, dass nichts gegen diese Machenschaften von Uber unternommen werden kann ! In Frankreich geht es doch auch ? Solche Abzockerfirmen müssen vom Markt eliminiert werden.

    • struppilu am 04.12.2019 19:33 Report Diesen Beitrag melden

      @ Tatsache

      Da müsste man zwei Drittel aller Firmen in der Schweiz zumachen, denn ich wette mit Ihnen das es soviel Firmen gibt, die jeden abzocken.@

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