Notkredite

20. März 2020 15:49; Akt: 23.03.2020 08:07 Print

«Firmen kommen innert 30 Minuten zum Geld»

von S. Spaeth - Finanzminister Maurer sorgt dafür, dass Hilfsgelder in der Höhe von bis 500’000 Franken sofort bezahlt werden. Wer Geld braucht, geht zur Bank. Bürgen tut der Bund.

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Laut Bundesrat Ueli Maurer kommen Schweizer Firmen in der Corona-Krise nun schnell an Geld. Das ist auch wichtig. Denn viele Unternehmen sind wegen des Virus in Schieflage geraten. Beim Schaffhauser Maler- und Gipsergeschäft von Daniel Scheffmacher kommen fast keine Aufträge mehr rein. «Ich rechne mit monatelangen negativen Auswirkungen und einem beträchtlichen finanziellen Schaden», sagt Inhaber Daniel Scheffmacher weiter. Hart trifft es Stefanie Schaub, die Inhaberin des Amriswiler Coiffeurgeschäfts Haarscharf: «Für selbstständige Berufstätige ist die Lage verwirrend, weil es noch keine Lösung für uns gibt.» Das Winterthurer Blumengeschäft Müller hat zwar geschlossen. Über den Hauslieferdienst kann das Geschäft aber weiterhin Blumen an die Kunden verschicken. Sollte der Gasthof Eisenbahn in Weinfelden keine Unterstützung vom Bund bekommen, sei er in der Existenz bedroht. Ein entsprechender Antrag sei gestellt. An der Grenze zu Frankreich werden alle scharf kontrolliert, die in die Schweiz einreisen wollen. In Genf schliesst ein Buchhändler sein Geschäft. In der Altstadt in Genf sind die Strassen leergefegt. Gähnende Leere auch am Flughafen Zürich Alles ist zu am Flughafen. Der Bundesrat hat den den nationalen Notstand erklärt. Eine Verkäuferin informiert die Kunden am Montag an der Bahnhofstrasse in Zürich über die Schliessung. Auch die Grenze zwischen Italien und der Schweiz wird dichtgemacht. Per sofort sind öffentliche und private Veranstaltungen verboten. Auch im Niederdorf in Zürich wird es ruhig. Kleiderläden müssen geschlossen bleiben. Ausgehfreudige geniessen den letzten Abend vor der Schliessung der Restaurants durch den Bundesrat wegen des Coronavirus, aufgenommen am Montag, 16. März, in Zürich. Alle Läden, Märkte, Restaurants, Bars sowie Unterhaltungs- und Freizeitbetriebe werden geschlossen. Stühle stehen auf den Tischen anlässlich der Schliessung der Restaurants durch den Bundesrat. Ein geschlossener Grenzübergang zu Weil am Rhein, Deutschland, in Riehen am Montag. Auch im Shoppingcenter Tivoli in Spreitenbach bleiben die Geschäfte zu. Diese Blumen wurden gratis abgegeben, weil sie nicht mehr verkauft werden können.

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Der Bund will der Corona-geplagten Schweizer Wirtschaft mit 42 Milliarden Franken unter die Arme Greifen. Das haben die Bundesräte Guy Parmelin und Ueli Maurer am Freitagnachmittag im Rahmen einer Pressekonferenz erläutert. «Kann der Bund überhaupt so viele Milliarden ausgeben?», stellte Finanzminister Maurer die rhetorische Frage. Seine Antwort: «Ja», die Finanzen des Bundes seien robust und der Finanzplatz stabil.

Zentral sind für Maurer jene 20 Milliarden Franken aus dem Hilfspaket, mit welchen Klein- und mittelgrossen Unternehmen (KMU) sofort Überbrückungskredite gewährt werden. Damit das Geld schnell unter die Leute kommt, setzt Maurer auf die Banken. «Damit haben wir auf einen Schlag 2000 neue Mitarbeiter», so Maurer. Das Regime gilt ab kommendem Donnerstag.

Tausende Gesuche von KMU

Maurer rechnet damit, dass innert Kürze 10’000 Gesuche von KMU eingereicht werden. Das Vorgehen schildert er so: «Wer Geld braucht, geht zu seiner Hausbank. Das Geld bis 500’000 Franken wird sofort ausbezahlt, weil der Staat dafür bürgt.» So sei sichergestellt, dass die Gelder sofort gesprochen werden könnten. «Wir müssen der Wirtschaft nun Liquidität zuführen», so Maurer weiter. Man komme innerhalb einer halben Stunde zum Kredit, unbürokratisch.

Betroffene Unternehmen sollen Kredite in einer Maximalhöhe von 10 Prozent ihres Umsatzes oder von höchstens 20 Millionen Franken erhalten. «Jeder im Land erhält diesen Monat seinen Lohn», versicherte Maurer.

Ob der Umfang der Kredite reicht, ist laut Maurer nicht sicher. Womöglich müsse man aufstocken. Noch offen ist, zu welcher Höhe die Gelder verzinst werden müssen. Maurer: «Der Zins ist bescheiden.» Er sei sich bewusst, dass gewisse Kredite ausfallen dürften. «Wir wollen aber Vertrauen schaffen und sofort helfen», so Maurer.

Lehrlinge erhalten Geld

Eine weitere wichtige Massnahmen ist die Ausweitung der Kurzarbeitsentschädigung. Neu profitieren auch Personen, welche befristet oder temporär angestellt sind oder in arbeitgeberähnlichen Anstellungen arbeiten. Auch für Lehrlinge gibt es Kurzarbeitsentschädigung. Zudem wird die Karenzfrist aufgehoben und das Verfahren vereinfacht.

Selbstständigerwerbende werden während einer gewissen Zeit ebenfalls entschädigt, falls sie wegen Schulschliessungen Kinder betreuen müssen, bei ärztlich verordneter Quarantäne oder der Schliessung eines selbstständig geführten öffentlich zugänglichen Betriebes. Sie erhalten 80 Prozent des Lohns, höchstens 196 Franken pro Tag.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Claudia am 20.03.2020 16:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weniger Angst

    Jetzt denkt mal wieder etwas positiv! Das ist schnelle, unbürokratische Hilfe für kleine Unternehmen! Ich bin dem Bundesrat dafür dankbar- die Angst vor der Zukunft ist etwas kleiner geworden!

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  • läser am 20.03.2020 16:32 Report Diesen Beitrag melden

    kredite bringen auf lange sicht wenig

    leider decken die kredite den umsatzausfall nicht ab. hier werden viele kleine betriebe auch nach der krise kaum eine chance haben dies wieder zurückzubezahlen. vor allem wenn diese schon jetzt am limit sind.

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  • Der Papst am 20.03.2020 16:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gierig

    Jetzt kommem Die die e kaum geld verdient hatten und das gute ausnützen werden. Aber ich hofe das es nur die bekomme. Die es auch wierklich nötig haben und auch einen schaden erleiden haben das geld bekommen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Alberto am 04.04.2020 09:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Insolvenz!

    Ich frage mich schon wie Firmen wirtschaften wenn sie nach zwei Wochen schon nicht mehr liquide sind. Dann war vorher die Insolvenz schon nicht weit weg. Diese Firmen sollten in die Insolvenz gelassen werden da es früher oder später eh passiert dann wären die faulen Eier mal weg!

  • Antonescu am 01.04.2020 09:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    FakeNews vom Finanzminister?

    Darlehen bis 500000Franken zu Null Prozent Zins! - Gestern wurden wir eines Besseren belehrt - Aua!

  • Frank Keller am 27.03.2020 17:21 Report Diesen Beitrag melden

    Luftblasen

    10% vom Gesamtumsatz? Da bekommt der kleine KMU ausser einem Schlag ins Gesichts nichts. Traurig, davon spricht niemand. Also faktisch keine Hilfe die hilft. Viel Rauch für die Grossen. Bin unendlich enttäuscht.

  • Urs Konk am 27.03.2020 11:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Seit 30 minuten wach

    Gibt es jemand der schon was bekommen hat? Haben sich der Bund und die Banken bezüglich schnell und unbürokratisch doch getäuscht?

    • Xeno72 am 03.04.2020 12:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      hier falsch@Urs Konk

      Wieso fragst Du das hier? Auf dem Müllhaufen hier hat es keine realen Unternehmer.

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  • Kampfer am 27.03.2020 10:49 Report Diesen Beitrag melden

    Wartender

    Also das mit den 30 Minuten war doch ein Witz. In 30 Minuten gibt es nicht mal eine Pizza. Bezweifle ob wir, die klein Unternehmer, überhaupt noch was bekommen werden.