Starkes Wachstum

21. Dezember 2010 08:19; Akt: 21.12.2010 12:21 Print

Uhrenexporte vergolden Aussenhandel

von Balz Bruppacher - Trotz teurem Franken sind die Schweizer Exporte im November weiter gewachsen. Die Uhrenindustrie boomte geradezu. Sie konnte knapp 30 Prozent mehr absetzen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Schweizer Uhrenindustrie präsentiert sich aufs Weihnachtsgeschäft in Höchstform. Die Exporte nahmen im November gegenüber dem Vorjahresmonat um 29,7 Prozent auf 1,8 Milliarden Franken zu. Damit schnitt die Uhrenindustrie unter allen Exportbranchen deutlich am besten ab, wie der Statistik der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) zu entnehmen ist. Im Vergleich der ersten elf Monate erhöhten sich die Uhrenausfuhren um 21,8 Prozent auf 14,6 Milliarden Franken.

Am stärksten gefragt waren im November die Luxusuhren. Der Absatz der Zeitmesser in der Preisklasse über 3000 Franken schnellte um über 40 Prozent in die Höhe, wie der Branchendachverband FH mitteilte. Um mehr als 30 Prozent stiegen auch die Uhrenexporte in der Preisklasse 200 bis 500 Franken. Bei den billigeren Uhren waren die Zuwachsraten bescheidener.

Mit Abstand wichtigster Absatzmarkt für Schweizer Uhren ist Hongkong. Dorthin gingen im November ein Fünftel aller Ausfuhren. Mit 71 Prozent erzielte Hongkong auch die höchste Zuwachsrate. Ähnlich stark boomten die Ausfuhren nach Singapur mit einer Zunahme von 68 Prozent, das damit an vierter Stelle aller Exportländer lag. Das Plus auf dem zweitwichtigsten Absatzmarkt, den USA, fiel mit 18 Prozent unterdruchschnittlich aus.

Uhrenbranche sucht 700 Leute

Der Exportboom wirkt sich auch positiv auf die Beschäftigung in der Uhrenindustrie aus. Laut einem Bericht der Westschweizer Zeitung„«Le Temps» von heute sind zurzeit im Jurabogen mindestens 700 Stellen in der Branche offen. Allein die Swatch Group suche über 300 Personen. Positiv reagierte auch die Börse: Die Aktien von Richemont und Swatch Group konnten im Eröffnungshandel rund ein Prozent zulegen.

Insgesamt abgebremstes Wachstum

Der gesamte Aussenhandel entwickelte sich im November zwar auf deutlich tieferem Niveau als in der Uhrenindustrie. Trotz der Frankenhausse nahmen die Exporte aber weiter zu. Auf vergleichbarer Basis machte das Plus gegenüber dem Vorjahresmonat 4,2 Prozent aus. Die Ausfuhren erreichten ein Volumen von 17,5 Milliarden Franken. Unter Ausklammerung der Teuerung betrug die Zunahme noch 3,5 Prozent.

Der längerfristige Vergleich zeigt, dass sich das Wachstum im November weiter verlangsamt hat. Ökonomen erwarten, dass der inzwischen nochmals gestiegene Frankenkurs die Exportwirtschaft in den kommenden Monaten stärker bremsen wird.

Zudem kämpfen die Unternehmen mit schwindenden Gewinnmargen, weil der Exporterfolg teilweise mit Preisnachlässen erreicht wurde. Dies gilt zum Beispiel für die MEM-Branche, die im November nochmals Spitzenresultate erreichte. Die Ausfuhren der Metallindustrie lagen um 22,2 Prozent über dem Vorjahreswert, in der Maschinen- und Elektroindustrie resultierte ein Plus von 17,2 Prozent. Klar im Krebsgang blieb hingegen die Bekleidungsindustrie mit einem Rückgang um 17,1 Prozent.

Asien und Lateinamerika kaufen

Die geografische Verteilung der Exporte zeigt, dass das Geschäft mit lateinamerikanischen und asiatischen Ländern am besten lief. Steigerungsraten von 50 Prozent und mehr wiesen China, Hongkong und Singapur auf. Die Exporte nach Mexiko nahmen um 39 Prozent zu. Aber auch in Europa resultierte trotz dem starken Franken gegenüber dem Euro ein Wachstum von 4,5 Prozent. Im Falle von Deutschland, dem klar wichtigsten Absatzmarkt für die Schweiz, machte das Plus noch 3,5 Prozent aus. Die Ausfuhren in die USA nahmen hingegen trotz Dollarbaisse um überdurchschnittliche 16 Prozent zu. Eiszeit herrscht weiter im Aussenhandel mit Libyen. Aus- und Einfuhren gingen noch einmal um mehr als die Hälfte zurück.

Auf eine nach wie vor gute Konjunkturlage deuten auch die Importzahlen hin. Die gesamten Einfuhren erhöhten sich im November auf vergleichbarer Basis um 6,0 Prozent. Wegen sinkender Preise machte die Zunahme real sogar 7,1 Prozent aus. Bei Einfuhren im Wert von 15,6 Mrd. Fr. blieb ein Handelsbilanzüberschuss von 1,9 Mrd. Franken. Das sind 5 Prozent weniger als im Vorjahresmonat.

Vontobel-Analyst René Weber zur Entwicklung der Uhrenexporten.(Video: Keystone)