Tourismusgebiete

10. Februar 2020 11:51; Akt: 10.02.2020 13:16 Print

Coronavirus sorgt für Flaute in Uhrenläden

von F. Pöschl - Schweizer Uhrenhändler verzeichnen massive Einbussen im Geschäft mit chinesischen Touristen. Es droht Kurzarbeit.

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Schweizer Uhrenhändler verzeichnen massive Einbussen im Geschäft mit chinesischen Touristen. Die chinesische Regierung verbietet derzeit Gruppenreisen im In- und Ausland. Zudem strichen Fluggesellschaften wie die Swiss ihre Verbindungen von und nach China. Mit über 1,3 Millionen Logiernächten waren Chinesen 2019 die viertwichtigsten ausländischen Touristen. Die Schweizer Tourismusbranche sei besorgt, sagt Markus Berger, Sprecher von Schweiz Tourismus: «Man kann die genauen Auswirkungen nicht abschätzen und weiss nicht, wie lange die Beschränkung andauern wird.» Mehr als die Hälfte der Gäste aus Festlandchina komme mit Gruppenreisen, so Berger. Zudem sitze ihr Portemonnaie locker: «Sie geben nach Reisenden aus den Golfstaaten am zweitmeisten Geld in der Schweiz aus, nämlich im Schnitt 380 Franken pro Person und Tag.» Vor allem in der Vierwaldstättersee-Region sind Reisende aus China wichtig: In der Stadt Luzern etwa machten sie 2019 rund zehn Prozent der Logiernächte aus, wie der Luzerner Tourismusdirektor Marcel Perren sagt. «Wir gehen davon aus, dass in den nächsten Wochen oder Monaten weniger chinesische Gäste in die Schweiz reisen», so Perren weiter. Die Situation sei aber sehr schwer einzuschätzen. Auch Conrad Meier, Präsident der Zentralschweizer Hoteliers, ist auf Touristen aus China angewiesen: «Sie bilden einen grossen Teil des Wintergeschäftes.» Keine allzu grossen Sorgen macht sich dagegen Urs Keller, CEO der Jungfraubahnen: «Wir sind positiv eingestellt. 40 Prozent unserer Kunden aus China reisen als Individualtouristen und fast jeder will aufs Jungfraujoch.» (Symbolbild)

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Schweizer Uhrenläden in Touristen-Hotspots spüren die Auswirkungen des Coronavirus. «Seit Februar sind die Umsätze mit Festlandchinesen, die mit Gruppen reisen, auf fast null zurückgegangen», sagt Robert Casagrande, Mitinhaber des gleichnamigen Luzerner Souvenir- und Uhrengeschäfts, zu 20 Minuten. Ein Interlakner Uhrenhändler, der anonym bleiben möchte, sagt auf Anfrage: «Der Gruppentourismus ist tot.» Die Interlakner Uhrenhändlerin Cynthia Sing schätzt, dass es in Interlaken noch etwa die Hälfte der üblichen Anzahl chinesischer Touristen hat.

Die chinesische Regierung verbietet derzeit Gruppenreisen im In- und Ausland. Laut Schweiz Tourismus kommt über die Hälfte der Gäste aus Festlandchina in Gruppen. Zudem strichen Fluggesellschaften wie die Swiss ihre Verbindungen von und nach China. Dadurch hat es in Luzern deutlich weniger chinesische und asiatische Gruppen, sagt Jürg Stettler, Leiter des Instituts für Tourismuswirtschaft an der Hochschule Luzern, zu 20 Minuten. Er vermutet, dass auch die Zahl der Individualreisenden zurückgegangen ist.

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Kein Ersatz für chinesische Kundschaft

Schweiz Tourismus rechnet laut Sprecher André Aschwanden in den nächsten Wochen mit bis zu 50 Prozent weniger Gästen aus China. Aus anderen asiatischen Ländern sei kein so starker Rückgang zu erwarten. Doch chinesische Touristen sind laut Robert Casagrande die wichtigsten Uhrenkäufer. «Es gibt keinen Ersatz für die kaufkräftige chinesische Kundschaft», sagt er.

Wann bei Schweizer Uhrenhändlern Normalität einkehrt, ist unklar. «Niemand weiss, wann es eine Entwarnung gibt», sagt ZKB-Analyst Patrik Schwendimann zu 20 Minuten. Immerhin: «Die Hauptreisezeit der Chinesen in der Schweiz ist zum Glück erst von Mai bis Oktober», sagt Schwendimann. Für Casagrande beginne die Saison traditionell Mitte März. Sollten die Touristen dann noch ausbleiben, könne es «happig» werden, sagt Casagrande. Er hofft auf eine möglichst rasche Wiederaufnahme des Flugbetriebs. Dann könne es erfahrungsgemäss bis zu drei Monate dauern bis zur Normalität.

Task-Force und Kurzarbeit

Casagrande wolle seine Mitarbeiter in den nächsten Wochen intensiv schulen. Sollte der Zustand länger andauern, müssten sie Kurzarbeit einführen. Beim schweizweit tätigen Uhren- und Schmuckgeschäft Bucherer verfolgt laut Sprecherin Regina Schilcher eine Task-Force die Situation. Bei weniger Frequenz werde das Unternehmen die Personalpläne leicht anpassen.

ZKB-Analyst Schwendimann empfiehlt betroffenen Händlern, die gewonnene Beratungszeit für die lokale Kundschaft und die Touristen aus anderen Ländern einzusetzen. Tourismus-Experte Stettler rät zur Kundenvielfalt, damit eine zu grosse Abhängigkeit von chinesischen Gruppen vermieden werden könne. Schweiz Tourismus führe das Marketing und die Kommunikation fort, damit chinesische Gäste nach dem Ende der Coronavirus-Einschränkungen immer noch Lust auf Reisen in die Schweiz hätten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Erdnaxela am 10.02.2020 12:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fette Jahre - Magere Jahre...

    Ich hoffe die Uhrenindustrie und die Uhrenläden haben in den fetten Jahren entsprechende Rückstellungen gemacht, um eine solche Krise unbeschadet zu überstehen... oder geht jetzt das grosse Jammern und Betteln beim Staat los...?

    einklappen einklappen
  • Simon Kunz am 10.02.2020 11:58 Report Diesen Beitrag melden

    Wollt ihr nun Touristen oder nicht

    Erst stören sich alle an den vielen Touristen und nun wo diese weg sind ist es auch nicht gut. :)

    einklappen einklappen
  • Heh am 10.02.2020 12:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Egal

    Gesundheit geht vor

Die neusten Leser-Kommentare

  • DerRealist am 12.02.2020 10:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jaja

    Personalpläne leicht anpassen, sprich, Leute rausschmeissen.

  • Daniel am 12.02.2020 00:06 Report Diesen Beitrag melden

    Angebot und Nachfrage

    Wie ist das denn? Ist jetzt der richtige Augenblick, sich eine neue Zwiebel zu kaufen und hart um Rabatte zu feilschen? :D

  • Turmfalke in der Reuss am 11.02.2020 22:16 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn Chinesen kommen ...

    ... verdienen eine Handvoll Luzerner an deren Visite. Die China People kaufen immer den selben Schrott in Luzern. (Den gibts übrigens anderswo eine Portion günstiger ...) Der Rest ist Stress und viele Leute vor Ort.

  • Cpt. Planet am 11.02.2020 21:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr froh darüber

    Ich als Luzerner bin froh,dass die Chinesen weg bleiben. So verschwinden hoffentlich bald darauf die schrecklichen Souvenir Läden.

  • Cpt. Planet am 11.02.2020 21:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr froh darüber

    Ich als Luzerner bin froh das die Chinesen weg bleiben. So verschwinden hoffentlich bald darauf die schrecklichen Souvenir Läden.