Boni für Mitarbeiter

07. März 2011 14:36; Akt: 07.03.2011 15:53 Print

Unerwarteter Geldsegen für Angestellte

Wegen der guten Konjunkturlage verteilten zahlreiche deutsche Grossunternehmen freiwillig Milliardensummen an ihre Mitarbeiter.

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Der unverhofft starke Wirtschaftsaufschwung hat vielen Arbeitnehmern zusätzlichen Geldsegen beschert. Zahlreiche Grossunternehmen haben ihren Mitarbeitern Sonderzahlungen in Aussicht gestellt, auch wenn dies nicht in Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen ausgehandelt wurde. Eine Zusammenstellung der dapd Nachrichtenagentur vom Montag ergab, dass dabei bundesweit Milliardensummen zusammenkommen.

Für den Einzelnen bedeutet das oft eine, wenn auch nur einmalige, vierstellige Gehaltserhöhung. Auch dem Fiskus steht damit eine deutliche Steigerung des Lohnsteueraufkommens ins Haus.

Sehr hoch sind die Erfolgsprämien bei exportorientierten Unternehmen des produzierenden Gewerbes. Bei Dienstleistungsunternehmen fällt der warme Regen dagegen spärlicher aus. Nicht immer sind es einmalige Prämien; oft wird auch eine bereits vereinbarte Tariferhöhung um einige Monate vorgezogen.

Über 6000 Euro bei Audi

Eine Rangfolge aufzustellen, ist nicht möglich, unter anderem wegen unterschiedlicher Voraussetzungen für die Berechnung bei den Unternehmen. Bayer mit 500 Millionen Euro weltweit und durchschnittlich einem zusätzlichen Monatsgehalt für alle Beschäftigten in Deutschland dürfte aber mit Siemens in der Spitzengruppe liegen.

Der Münchener Technologiekonzern überwies eigenen Angaben zufolge seinen mehr als 400 000 Mitarbeitern weltweit für das Geschäftsjahr 2010 erstmalig in der Unternehmensgeschichte eine einmalige Sonderzahlung. Das macht insgesamt 310 Millionen Euro aus. In Deutschland betrug die einmalige Bruttozahlung im Januar bis zu 1000 Euro. Für alle Tarifmitarbeiter in Deutschland zog das Unternehmen zudem die laut Tarifvertrag vorgesehene Erhöhung der Entgelte um 2,7 Prozent um zwei Monate auf den 1. Februar vor. Alle Mitarbeiter haben darüber hinaus die Möglichkeit, vergünstigt Unternehmensaktien zu kaufen.

Die höchste durchschnittliche Zuwendung, die öffentlich genannt wurde, kam von Audi mit 6513 Euro. Davon sollen dem Autobauer zufolge 42 500 Mitarbeiter in Deutschland profitieren, wonach sich die Gesamtsumme auf 276 Millionen Euro belaufen würde. Nach Unternehmensangaben entspricht die Sonderzahlung etwa eineinhalb Monatslöhnen. Auch die Mitarbeiter in Ungarn und Belgien erhalten vergleichbare Erfolgsprämien.

Audi-Mutter Volkswagen gönnt den Mitarbeitern eine Einmalzahlung von einem Prozent des Jahresgrundgehalts, mindestens jedoch 500 Euro. Zusätzlich wird aber die vereinbarte Entgelterhöhung um acht Monate vorgezogen. Daimler begründet eine Sonderzahlung von 125 Millionen Euro für die weltweit Beschäftigten nicht mit der Erholung der Wirtschaft, sondern mit der 125-jährigen Jubiläum des Autos. Daraus erhält jeder Mitarbeiter maximal 1000 Euro, wie das Unternehmen mitteilte. Darüber hinaus gibt es aber noch eine Erfolgsbeteiligung von 3.150 Euro an alle anspruchsberechtigten Mitarbeiter in Deutschland.

Auch die Mitarbeiter des Pharmakonzerns Merck können sich auf Sonderzahlungen freuen. Für 2010 bekommen Tarifmitarbeiter einen Bonus von 100 Prozent eines Monatsgehalts. Bei aussertariflich Bezahlten einschliesslich der leitenden Angestellten kann es einem Unternehmenssprecher zufolge auch das Mehrfache eines Monatsgehalts sein. 2009 lag der Bonus im Tarifbereich bei 40 Prozent.

Bei der BASF in Ludwigshafen ist die Erfolgsbeteiligung in einer Betriebsvereinbarung geregelt. Je nach Entgeltgruppe erhalten die Mitarbeiter zwischen 3800 und 6700 Euro. Das ist wegen der Abhängigkeit von der jährlichen Gesamtkapitalrendite, die 2010 bei 14,7 Prozent lag, jeweils fast das Doppelte der Zahlung im Vorjahr. Dazu gibt es eine «Sonderzahlung Krisenbewältigung», die zwischen 100 Euro für Auszubildende und 650 Euro liegt, je nach Entgeltgruppe.

Dienstleister eher zurückhaltend

Entsprechend der weltweiten Konjunkturentwicklung geben sich die Dienstleistungsunternehmen eher zurückhaltend. Die Lufthansa zahlte zusätzlich zu den tariflich vereinbarten Ergebnisbeteiligungen 700 Euro an die tariflich und aussertariflich Beschäftigten.

Bei Europas grösster Versicherung Allianz gibt es im Rahmen der «Mai-Gratifikation» eine Erfolgsbeteiligung, die vom Erreichen der Unternehmensziele abhängt. Die Spanne beträgt einer Sprecherin zufolge zwischen 0,5 und 0,96 Bruttomonatsgehältern. 2008 lag sie bei 0,84 Bruttomonatsgehältern, 2009 bei 0,7 und 2010 bei 0,74. Als Anhaltspunkt für das Durchschnittsgehalt nannte sie 2.851 Euro brutto.

Die bereits gezahlten und noch zu zahlenden Erfolgsprämien bringen auch dem Fiskus einen erheblichen Geldsegen. Für Einmalzahlungen, die an das wirtschaftliche Ergebnis eines Unternehmens geknüpft sind, gibt es keine Lohnsteuer-Freibeträge, sie fallen also voll unter die Progression, im Gegensatz etwa zu Zuwendungen für lange Betriebszugehörigkeit. Ob das Geld, hätte es das Unternehmen anderweitig eingesetzt, Steuern generiert hätte, hängt vom Einsatzzweck ab.


(ap)