Verkauf

27. August 2010 10:08; Akt: 27.08.2010 12:53 Print

Unia bläst zum Angriff auf 24-Stunden-Arbeitszeit

Die Gewerkschaft Unia startet eine Kampagne für den Schutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Detailhandel.

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Die Gewerkschaft UNIA wehrt sich gegen einen «24-Stunden-Arbeitszwang im Verkauf». (Bild: Keystone)

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Die Gewerkschaft Unia meldet Widerstand an gegen die ihrer Ansicht nach immer heftiger werdenden Angriffe auf den Arbeitnehmerschutz im Detailhandel. Wie sie am Freitag vor den Medien darlegte, ist sie vor allem gegen einen «24-Stunden- Arbeitszwang im Verkauf».

Die Wirtschaftskommission des Nationalrats müsse sich am Montag mit einer besonders radikalen Vorlage befassen: Eine Parlamentarische Initiative des Genfer FDP-Nationalrats Christian Lüscher fordere nichts weniger als die Abschaffung jeglicher Beschränkung der Arbeitszeit in Tankstellenshops, sagten Unia- Vertreter in Bern.

Dabei habe das Bundesgericht erst vor einem Monat einen klaren Entscheid zur Beschränkung der Nachtarbeit in Tankstellenshops gefällt. Es habe den Schutz von Gesundheit und Sozialleben der Arbeitnehmenden höher gewichtet als die Profitinteressen der Shopbetreiber.

Vorstoss als Türöffner

Der Vorstoss Lüscher sei ein Türöffner, um die Ladenöffnungszeiten generell auszudehnen, erklärte Unia- Geschäftsleitungsmitglied Vania Alleva an der Medienkonferenz. So fordere die IG Detailhandel, der Zusammenschluss der grossen Detailhandelsketten, Öffnungszeiten bis 20 Uhr von Montag bis Samstag in der ganzen Schweiz.

Zudem verlange die IG Detailhandel Abend- und Sonntagsverkäufe sowie längere Öffnungszeiten vor Feiertagen - und dazu noch Ausnahmeregelungen an Bahnhöfen und Tankstellenshops. Dies sei «ein inakzeptabler Angriff auf eine wichtige Freiheit - die Freiheit, nicht rund um die Uhr verfügbar sein zu müssen», sagte Alleva.

Drohung mit Referendum

Der Berner SP-Nationalrat André Daguet geisselte die Salami-Taktik der Arbeitgeber: «Immer neue Ausnahmen - ein Sonntag oder ein Abendverkauf hier, ein Bahnhof, eine Tankstelle, eine Tourismuszone dort - machen aus der Ausnahme Schritt für Schritt eine allgemeine Regelung.»

Bei der Diskussion um die Tankstellenshops gehe es um viel mehr als um nächtliche Fertigpizzas: Die schrittweise Durchlöcherung des Verbots von Nachtarbeit und Sonntagsarbeit sei ein Angriff auf die soziale Regulierung der Arbeitszeit und auf das Arbeitsrecht, sagte Daguet.

Sollte die rechte Parlamentsmehrheit den Arbeitnehmerschutz bei Tankstellenshops tatsächlich abschaffen, werde man ein Referendum ernsthaft prüfen, fügte der SP-Politiker an.

Schlaf und Verdauung gestört

Gewerkschaftsbund-Sekretär Jean-Christophe Schwab sagte, Nacht- und Sonntagsarbeit hätten gravierende Folgen für die Gesundheit und das Sozialleben der Beschäftigten. Gemäss medizinischen Studien führe Nachtarbeit zu Störungen von Schlaf, Herzrhythmus und Verdauung sowie zu Stress und erhöhten Krebsrisiken.

Die Mehrheit der Ladenbesitzer und der Bevölkerung sei gegen ein «Non-Stop-Shopping», stellt die Unia fest. Tatsächlich habe die Stimmbevölkerung bei 22 von 32 (69%) kantonalen und kommunalen Volksabstimmungen seit 1996 eine Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten abgelehnt.

Dabei nehme die Skepsis in jüngster Zeit noch zu: In den letzten fünf Jahren habe es bei 88 Prozent solcher Abstimmungen ein Nein gegeben.

(sda)