Energieversorgung

24. November 2010 20:36; Akt: 24.11.2010 20:36 Print

VW baut Mini-Kraftwerke

von Claus-Peter Tiemann, AP - Der Autobauer VW steigt ins Energiegeschäft ein und hat die Produktion von Mini-Kraftwerken aufgenommen. 100 000 solche Anlagen sollen die Kapazität von zwei Atomkraftwerken erreichen.

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Im VW-Werk Wolfsburg ist die Produktion von Mini-Kraftwerken angelaufen. (Bild: Keystone)

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Der Autobauer Volkswagen hat nach einer Verzögerung von mehreren Monaten die Serienproduktion von Blockheizkraftwerken aufgenommen. Die Mini-Kraftwerke laufen im Motorenwerk Salzgitter vom Band und werden vom Hamburger Energieversorger Lichtblick vermarkt, wie beide Unternehmen am Mittwoch mitteilten. Die Zusammenarbeit war bereits 2009 beschlossen worden, doch erst jetzt kommen die ersten Geräte zu den Kunden.

Die Blockheizkraftwerke bauen auf normalen Zwei-Liter-Motoren von Volkswagen auf. Sie liefern gleichzeitig Strom und Wärme und werden mit Gas betrieben. Sie sollen in grosse Wohnhäuser, Schulen oder Kitas eingebaut werden und dort die herkömmliche Heizung ersetzen. Die «Zuhause-Kraftwerke» sollen nicht nur lokal Gebäude mit Wärme versorgen, sondern von Lichtblick über Computer zu einem modernen Grosskraftwerk vernetzt werden.

Kapazität von zwei Atomkraftwerken

Viele kleine Einheiten bildeten eine grosse, leistungsfähige Gemeinschaft, sagte der Lichtblick-Vorstandsvorsitzende Christian Friege bei der Vorstellung des Projekts. Lichtblick wolle 100 000 dieser Kraftwerke zu Deutschlands grösstem virtuellen Gaskraftwerk vernetzen. Mit einer Leistung von 2000 Megawatt würde so ein dezentrales Gaskraftwerk den Angaben zufolge die Kapazität von zwei Atomkraftwerken erreichen.

Neben Hamburg hat Lichtblick den Vertrieb bereits in Berlin, Bremen, Essen, Leipzig, Stuttgart sowie in der Region Braunschweig, Wolfsburg und Salzgitter aufgenommen. Voraussetzung für eines der Mini-Kraftwerke ist laut Anbieter ein Wärmebedarf von mindestens 40 000 Kilowattstunden. Damit kommen die Anlagen für sehr grosse Einfamilienhäuser, Zwei- und Mehrfamilienhäuser, kleine Gewerbebetriebe sowie öffentliche und soziale Einrichtungen wie Schulen oder Kirchen infrage.

Bis zu 40 Prozent weniger Energieverbrauch

Die Anlage bleibt im Eigentum von Lichtblick, der Energieversorger mietet den Heizungsraum des Kunden, der einen Bauzuschuss ab 5000 Euro zahlt. Lichtblick kümmert sich um Aufstellung, Wartung, Gasversorgung. Der Kunde muss nur die Wärme bezahlen. Laut Lichtblick sinkt der Energieverbrauch gegenüber der herkömmlichen Wärme- und Stromproduktion um bis zu 40 Prozent.

Für VW ist das Projekt auch interessant: Es sichert Beschäftigung in Deutschland und macht den Konzern unabhängiger von der Autokonjunktur. VW baut auch schon Boots- und Industriemotoren jenseits des Autos. Vor allem der Betriebsrat dringt auf solche Projekte, um die Komponentenproduktion in Deutschland zu stützen. Der Konzern schafft nun eine hochrangige Position direkt unterhalb des Vorstands, um autonahe Geschäftsfelder auszubauen, wie das «Handelsblatt» (Mittwochausgabe) unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtete. Lichtblick-Chef Friege sagte der Zeitung, es lägen schon 30 000 Kundenanfragen für die Blockheizkraftwerke vor.