Konkurrenz für Bioläden

08. August 2013 21:35; Akt: 09.08.2013 10:49 Print

Vegan-Supermarkt drängt in die Schweiz

von S. Spaeth - Die Veganz-Läden sehen aus wie Reformhäuser – nur dass die Produkte nichts Tierisches enthalten. Nun nimmt die deutsche Supermarktkette für Veganer die Schweiz ins Visier.

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Es ist der Angriff auf die Schweizer Biomärkte: Die deutsche Supermarkt-Kette Veganz expandiert in die Schweiz. «Vegan ist das neue Bio», sagt Geschäftsführer und Gründer Jan Bredack im Gespräch mit 20 Minuten. Er sucht in Zürich nach einem geeigneten Standort. Anders als die meisten Bioläden bietet Veganz mit 6'000 Artikeln ein Vollsortiment, von der Tiefkühlpizza übers Haarshampoo bis zu Käsealternativen und Hundefutter – alles auf pflanzlicher Basis und zu 90 Prozent in Bio-Qualität.

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60 Prozent der Veganz-Kunden sind laut Bredack weder Vegetarier noch Veganer. Man spreche vor allem Leute an, die sich ökologisch nachhaltig und gesund ernähren wollten. «Wir werden den Bio-Läden und den Reformhäusern die Kunden abjagen», sagt Bredack, der seit 2008 vegan lebt. Weil der Betriebswirt die Produkte überall zusammensuchen musste, kam ihm 2009 die Idee des eigenen Supermarkts. Zum Veganz-Konzept gehört zudem ein Bistro oder Restaurant. Die Kunden sollen die Produkte erleben können.

Rasantes Umsatzwachstum

2011 eröffnete Bredack in Berlin die erste Filiale und erreichte im ersten Jahr einen Umsatz von 1,6 Millionen Euro. 2012 waren es mit vier Filialen – unter anderem in Hamburg und Frankfurt a. M. – bereits 6 Millionen. Zurzeit sind vier weitere Standorte im Bau. Veganz hat sich aufgemacht, Europas Metropolen zu erobern. Noch in diesem Jahr eröffnet die Kette Filialen in München, Wien und Prag. Warum kommt der Veganer-Supermarkt jetzt nach Zürich? «In Zürich gibt es mit dem Hiltl das älteste vegetarische Restaurant Europas – die Leute sind für Bio und Fairtrade sehr offen», sagt Bredack.

Dass es Veganz auf die hohe Schweizer Kaufkraft abgesehen hat, bestreitet der 41-Jährige. Die Supermarkt-Kette will in Zürich nur unwesentlich teurer sein als in Deutschland. Man würde nur Logistik-, Lohn- und Lokalkosten auf die Produkte überwälzen. Im Schnitt sei der Warenkorb bei Veganz nicht teurer als beim Biomarkt. Zu Detailhändlern wie Migros und Coop seien es aber rund 20 bis 25 Prozent.

Bis Ende 2015 will Bredack in Europa 21 Standorte betreiben und die Mitarbeiterzahl von derzeit 80 auf 250 erhöhen. Die Expansionsstrategie kostet bis dahin 20 Millionen Euro – die Investoren seien grösstenteils gefunden, betont Bredack. Läuft der Standort in Zürich gut an, will Veganz weitere Schweizer Städte erobern – beispielsweise Basel. Veganz expandiert auch in Österreich: Von Wien aus nimmt man Salzburg und Graz ins Visier.

Bio im Trend

Der deutsche Trendforscher Peter Wippermann glaubt, dass eine vegane Supermarktkette Erfolg haben kann. «Nischenmärkte wie jene für Vegetarier, Veganer oder Allergiker erfahren eine immer breiter werdende Nachfrage», sagte der Experte zur «Handelszeitung». Mit dem Kopf würde man zwar in der virtuellen Welt leben, bei den Emotionen schwelge man aber beim Ursprung, bei der Natur.

Eher skeptisch, was den Erfolg von Veganz in der Schweiz betrifft, ist der Luzerner Detailhandelsexperte Gottard F. Wangler: Die guten Standorte seien in der Schweiz sehr teuer. Zudem habe man mit einer einzigen Filiale wenig Bekanntheit und hohe Logistikkosten.

Wangler glaubt an den Erfolg von Bio, für vegane Lebensmittel sei die Nachfrage zu klein. Zwischen 2007 und 2011 ist der Biomarkt in der Schweiz um 4,2 Prozent auf über 1,7 Milliarden Franken gewachsen. Dass Bio im Trend liegt, zeigen auch die grossen Schweizer Detailhändler. Im Oktober 2012 kaufte die Migros den deutschen Bio-Pionier Tegut. Zudem eröffnete der Orange Riese im Sommer 2012 in Zürich den ersten Alnatura-Bio-Supermarkt. Ihm dürfte Veganz die Kunden streitig machen.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Es ist erschreckend, mit was für Halbwissen und Vorurteilen manche Menschen durchs Leben gehen. Vegane Ernährung schmeckt 1. super, da es weit mehr gibt als Körner picken und Rohkost. 2. brauchen Veganer keinerlei Supplements (B12 noch am ehesten, aber das synthetische Taurin in einem RedBull reicht auch dafür locker) und 3. bin ich der Meinung, dass man sich ein wenig mehr Gedanken machen sollte über unsere blaue Kugel. Wir können nicht mal die paar Mrd. jetzt ernähren - wie wird das 2050? Die Massentierhaltung geht mir einfach gegen den Strich! – Marco G

Toll!! Es ist enorm schwer vegan zu leben - schön dass es ein Geschäft gibt in welchem man ohne gross zu überlegen einpacken kann... – Benjamin Sen

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marco G am 09.08.2013 08:59 Report Diesen Beitrag melden

    Halbwissen und Vorurteile

    Es ist erschreckend, mit was für Halbwissen und Vorurteilen manche Menschen durchs Leben gehen. Vegane Ernährung schmeckt 1. super, da es weit mehr gibt als Körner picken und Rohkost. 2. brauchen Veganer keinerlei Supplements (B12 noch am ehesten, aber das synthetische Taurin in einem RedBull reicht auch dafür locker) und 3. bin ich der Meinung, dass man sich ein wenig mehr Gedanken machen sollte über unsere blaue Kugel. Wir können nicht mal die paar Mrd. jetzt ernähren - wie wird das 2050? Die Massentierhaltung geht mir einfach gegen den Strich!

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  • Lenny Pain am 09.08.2013 10:52 Report Diesen Beitrag melden

    Herzlich Willkommen

    Ich freue mich!

  • Urs Meier am 09.08.2013 09:50 Report Diesen Beitrag melden

    Hervorragend und Zukunftsweisend

    Dazu kann ich nur herzlich gratulieren. Ein Geschäft, welches sich nicht nur in der Werbung um unsere Ressourcen bemüht, ist leider selten. Schade, dass es nach wie vor vielen Fleischessern völlig egal ist, dass ihr Genusskonsum unsere Erde zerstört. Ärgerlich sind auch die steinzeitlichen Argumente, dass der Mensch Fleisch benötigt um gesund zu bleiben. Jeder Ernährungsberater oder Facharzt wird Euch bestätigen, dass man umgekehrt gesünder lebt!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Beat am 09.08.2013 16:41 Report Diesen Beitrag melden

    selbstbestimmung

    jeder erwachsene soll selbst entscheiden wie er sich ernähren will. aber lasst doch bitte eure haustiere und kinder artgerechte nahrung essen, sonst drohen mangelerscheinungen. ps: bin vegetarier.

  • DinChef am 09.08.2013 11:17 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht alle über einen Kamm

    Der Mann sieht aber etwas blass aus im Gesicht ;-). Spass beiseite. Es ist doch in Ordnung, wenn jemand für sich entscheidet, vegan zu leben. Ein Bedürfnis ist offenbar vorhanden, sonst hätte er nicht solchen Erfolg mit seiner Geschäftsidee. Die meisten Veganer sind stille Geniesser und und brauchen weder zu missionieren noch den Moralapostel zu spielen. Und nicht jeder Fleischkonsument schaufelt bergeweise tote Tiere in sich rein.

  • Pit Rorschach am 09.08.2013 11:05 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Konkurrent für Reform- + Bioläden

    Ich wäre sofort Kunde, auch wenn die Preise noch 20 - 25% über den Hochpreisläden Migros+Coop liegen. Schade nur, mit 21 Läden in ganz Europa ist das ziemlich mager. Standort Zürich mag für Veganz toll sein, doch besteht die Schweiz nicht nur aus Zürich. Die Reformhäuser und Bio-Läden werden höchstens schmunzeln, denn mit einem einzigen Geschäft in der Schweiz kann Veganz als Konkurrent vergessen werden. Wenn schon expandieren, nehme man sich ALDI + Lidl als Vorbild

  • Lenny Pain am 09.08.2013 10:52 Report Diesen Beitrag melden

    Herzlich Willkommen

    Ich freue mich!

  • Georg Zumkehr am 09.08.2013 10:47 Report Diesen Beitrag melden

    Paradox

    wie wohl pflanzlicher Käse schmeckt?