Keine Zulassung

10. September 2019 10:02; Akt: 10.09.2019 10:02 Print

Tausende illegale E-Trottis fahren auf den Strassen

von Dominic Benz - Kunden kaufen beim Onlinehändler Digitec Galaxus vor allem Elektro-Trottinette ohne Zulassung für die Strassen. Experten warnen.

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Diese Bussen drohen beim Fahren mit dem E-Trottinett. In der Schweiz boomen E-Scooter. Doch Tausende dieser gekauften E-Trottinette sind gar nicht zugelassen und daher auf öffentlichen Strassen verboten. Drei Viertel der bei Digitec Galaxus in diesem Jahr verkauften E-Scooter haben keine Zulassung, wie der Onlinehändler mitteilt. Der Anteil der verkauften E-Scooter mit Zulassung hat sich aber seit 2017 klar vergrössert. Im letzten Jahr lag er noch bei rund 8 Prozent. Ein Problem hat dieser damit nicht. «Es ist den Kunden überlassen, welches Modell sie haben wollen und was sie damit machen», sagt Alex Hämmerli, Sprecher von Digitec Galaxus, zu 20 Minuten. Die Preise bei den E-Scootern mit Zulassung sind deutlich höher. So liegen die Kosten beim Onlinehändler derzeit bei rund 700 Franken im Schnitt. Das ist aber klar günstiger als noch im letzten Jahr, als sie noch über tausend Franken kosteten. 2017 waren es durchschnittlich 971 Franken gewesen. Durchschnittspreis je nach Zulassungstyp: Der durchschnittliche Preis bei Digitec Galaxus für strassentaugliche E-Scooter liegt bei 418 Franken, 2018 lag er noch bei 368 Franken und 2017 bei 369 Franken. Mittlerweile geben die Konsumenten aber für ihr Akku-Gefährt leicht mehr Geld aus. Heute kosten laut Digitec Galaxus zwei Drittel der verkauften E-Trottinette zwischen 400 und 600 Franken. Der Durchschnittspreis liegt bei 491.50 Franken. Vor einem Jahr kosteten zwei Drittel der verkauften Artikel unter 400 Franken. Laut Babette Sigg schieben die Händler die Verantwortung bei den Zulassungen auf die Konsumenten. «Das ist für mich eine Ausrede, damit sie um jeden Preis auch günstigere Produkte anbieten können – und das auf Kosten der Sicherheit», sagt die Präsidentin des Schweizerischen Konsumentenforums zu 20 Minuten.

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E-Scooter boomen. Nicht nur zum Mieten sind die batteriebetriebenen Trottinette beliebt. Mittlerweile flitzen Tausende Schweizer auf ihrem eigenen Gefährt durch die Gegend. Wie Onlinehändler Digitec Galaxus mitteilt, hat sich insgesamt der Verkauf von E-Scootern im Vergleich zum Vorjahr verfünffacht.

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Allerdings sind die meisten dieser gekauften E-Trottinette gar nicht zugelassen und damit auf öffentlichen Strassen verboten. Laut Digitec Galaxus verfügt heute rund jeder vierte verkaufte E-Scooter über eine Strassenzulassung. Im Umkehrschluss heisst das aber: Drei Viertel der in diesem Jahr verkauften E-Trottinette sind nicht strasssentauglich. Fahrer eines solchen Geräts riskieren im öffentlichen Raum eine Busse und eine Verzeigung (siehe Box).

«Wir überlassen es unseren Kunden»

Ein Problem mit dem Verkauf von nicht zugelassenen E-Scootern hat Digitec Galaxus nicht. «Wir überlassen es unseren Kunden, welches Modell sie haben wollen und was sie damit machen», sagt Unternehmenssprecher Alex Hämmerli zu 20 Minuten. Die Nachfrage nach solchen E-Scootern sei gross.

Digitec Galaxus informiere aber mit redaktionellen Beiträgen im Onlineshop über die Gesetzeslage. «Wir weisen zudem prominent aus, welche Modelle eine Strassenzulassung haben und welche nicht», so Hämmerli. Irgendwann nur noch E-Trottis mit Zulassung zu verkaufen, stehe aktuell nicht zur Diskussion. «Schliesslich haben wir auch Kunden, die nur auf Privatgrund herumfahren wollen.»

«Das ist eine Ausrede»

Dass die für Strassen verbotenen E-Scooter so gefragt sind, dürfte auch mit dem Preis zu tun haben. Denn die Akku-Gefährte mit einer Zulassung sind grundsätzlich teurer und kosten bei Digitec Galaxus heute im Schnitt 700 Franken, solche ohne Zulassung rund 420 Franken.

Den Verkauf von nicht zugelassenen E-Scootern finden Konsumentenschützer problematisch. Laut Babette Sigg schieben die Händler die Verantwortung auf die Konsumenten. «Das ist für mich eine Ausrede, damit sie um jeden Preis auch günstigere Produkte anbieten können – und das auf Kosten der Sicherheit», sagt die Präsidentin des Schweizerischen Konsumentenforums zu 20 Minuten. Es liege auf der Hand, dass es mit nicht zugelassenen E-Scootern zu mehr Unfällen komme. Sigg appelliert daher an die Konsumenten, zugelassene Produkte zu kaufen und dafür mehr Geld zu investieren.

«Mehrere Tausend E-Scooter verkauft»

Das Bundesamt für Strassen (Astra) stört sich grundsätzlich nicht daran, dass die Händler E-Scooter ohne Zulassung verkaufen. Es sei aber wichtig, dass sich die Kunden vor dem Kauf vergewisserten, ob man auf der Strasse fahren dürfe oder nicht. «Fahrer von E-Trottinetten müssen sich schliesslich an die gleichen Verkehrsregeln halten wie die Velofahrer», sagt Sprecher Guido Bielmann.

Die Händler haben auf den Hype mit E-Scootern reagiert und ihr Sortiment kräftig ausgebaut. 2015 gab es bei Digitec Galaxus nur sechs Modelle zu kaufen. Mittlerweile hat der Händler 78 Modelle im Angebot. Davon haben 16 eine Zulassung, 46 keine. Bei den restlichen Modellen ist es unklar, ob sie verboten sind oder nicht. Absolute Verkaufszahlen will Digitec Galaxus nicht nennen, nur so viel: «In diesem Jahr haben wir mehrere Tausend E-Scooter verkauft.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • wen wunderts am 10.09.2019 10:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

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    nur Autofahrer werden ja konsequent gebüsst. Für alle anderen auf der Strasse gilt kein Gesetz.

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  • Susanne am 10.09.2019 10:15 Report Diesen Beitrag melden

    War ja klar

    Solange auf den Strassen nie Kontrollen stattfinden, wird der Wildwuchs immer grösser, und man bekommt das nicht mehr in den Griff. Macht nur weiter so. Nun haben wir neben der Velo Anarchie noch die Trotti-Anarchie.

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  • RL am 10.09.2019 11:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Velomaffia

    Velofahrer und E-Trottinets geniessen diplomatische Immunität.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Driver am 12.09.2019 02:31 Report Diesen Beitrag melden

    Eine gefährliche Sauerei

    Der Wildwuchs auf den Strassen wird immer grösser und die Unfallgefahr steigt im höchsten Masse.

  • Paul Portmann am 11.09.2019 18:54 Report Diesen Beitrag melden

    Strassenzulassung

    Liebe Susanne Hier gehts um E-Trotties, nicht um Velos. Und: Mein Velo hat eine Strassenzulassung, ergo keine Anarchie.

  • etwaszuändern am 11.09.2019 16:40 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist einfach Zeit

    Es ist Zeit, mindestens die Hälfte vom Fahr Platz sollen die Autos abgeben. Ja abgeben. Auf dem Trottoir fühle ich mich oft erschreckt, wenn sie so vorbei schwirren. Ich habe Angst, dass ich einmal verletzt werde, schwer verletzt werde. Ich höre diese Scooters leider nie. Ein falscher Schritt von mir....Ich finde es auch sehr frech, nicht zu gelassene Scoooter s zu verkaufen. Sicherheit ist auch im privaten Fahrbereich wichtig. Grundsätzlich würde ich es begrüssen, dass diese Fahrzeuge und nicht die Autos den Vorrang hätten. Ich hoffe es kommt bald so weit.

  • m&m am 11.09.2019 15:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verbot

    An alle die es noch nicht gemerkt haben, in der Schweiz ist aus Prinzip alles was Spass macht grundsätzlich verboten. Wir sind ein wirklich armes Land.

  • Thomas am 11.09.2019 14:36 Report Diesen Beitrag melden

    Verkaufsverbot!

    Ich frage mich wieso man solche Dinge in der Schweiz eigentlich kaufen kann, wenn man sie nirgends ausser auf dem eigenen Grundstück benutzen darf? 99% der Leute haben ja gar kein eigenes Grundstück!