Vollgeld-Initiative

03. Juni 2014 14:02; Akt: 03.06.2014 14:02 Print

Verein will Banken die Macht entreissen

von L. Frommberg - Banken handeln mit deutlich mehr Geld, als sie besitzen. Ein Schweizer Verein sieht das als Ursache für Finanzkrisen. Daher will er die Banken nun entmachten.

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CS und UBS am paradeplatz in Zürich: Die Initiative soll ihnen die Macht nehmen. (Bild: Keystone/Alessandro Della Bella)

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Eigentlich klingt es logisch: Man soll nur das Geld verleihen, das man auch wirklich besitzt. Doch das internationale Finanzsystem funktioniert schon lange nicht mehr so. Denn: Es ist wesentlich mehr Geld im Umlauf, als physisch tatsächlich vorhanden ist. Banken bringen Geld in Umlauf, indem sie ihren Kunden Kredite geben. Doch diese Kredite werden eben nicht vom Guthaben anderer Kunden finanziert, sondern existieren rein virtuell. Das führt dazu, dass das Guthaben vieler Bankkunden nur Forderungen gegenüber ihrer Bank sind. Und alle Forderungen Schweizer Bankkunden zusammengenommen machen in der Summe etwa zehnmal so viel aus wie das Bargeld, das die Notenbank aufgibt.

Dies sei ein Risiko, findet der Verein Monetäre Modernisierung (Momo). Daher lancierte die Gruppe heute die Vollgeld-Initiative. Sie fordert, dass die Schweizerische Nationalbank die Geldmenge fixiert. «Nach der Vollgeld-Umstellung gibt es nur noch Nationalbank-Geld auf unseren Privatkonten», erklärt Daniel Meier, Geschäftsführer des Vereins. Das elektronische Geld sei damit genauso vollwertiges Geld wie heute Münzen und Banknoten. Die Banken können also nur noch mit Geld arbeiten, das ihnen von Sparern, Investoren und Nationalbank zufliesst oder das sie selber besitzen. Das Geld-Erzeugen und -Verleihen aus dem Nichts wäre also nicht mehr möglich.

Rund 300 Mitglieder hat der Trägerverein der Initiative. Aktiv Interessierte gibt es laut Meier aber rund 2000. Und: Auch der ein oder andere prominente Wissenschaftler unterstützt das Vorhaben. So etwa der emeritierte St. Galler Wirtschaftsprofessor Peter Ulrich oder Hans-Christoph Binswanger, ebenfalls emeritierter St. Galler Professor. Insgesamt habe man bereits vor dem offiziellen Sammelstart 70'000 Unterschriften zugesichert bekommen, berichtet Meier.

Harsche Kritik

Doch es gibt auch harsche Kritik an der Initiative. So erklärte etwa Avenir Suisse in einer Ausgabe ihre «Standpunkte»: «Eine Vollgeld-Reform brächte bei weitem mehr Risiken als Chancen.» Ausserdem sei sie nicht rückgängig zu machen. Statt für eine Reform, «die an den Grundfesten der Geldordnung rührt», plädieren die Autoren Jörg Baumberger und Rudolf Walser deshalb für «kontrollierte und schrittweise Stabilisierungsmassnahmen wie etwa eine Erhöhung der Eigenkapitalquoten der Banken».

Weitere Kritiker der Initiative sehen katastrophale Folgen für den Finanzplatz Schweiz – er könnte sich komplett isolieren, so die Angst. Im Gegenteil, heisst es von Momo. «Mit Vollgeld wird der Schweizer Franken zur sichersten Währung und den Bankenplatz Schweiz im Bereich Vermögensverwaltung stärken», so Momo-Geschäftsführer Meier. Die Grossbanken würden allenfalls Stellen im spekulativen Investmentbanking abbauen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • effe am 03.06.2014 14:38 Report Diesen Beitrag melden

    immer noch nicht kapiert?

    Haben so viele unser Geldsystem. die Geldschöpfung aus dem nichts, Zinseszinsm und die Macht de rZentralbanken usw noch nicht kapiert? Macht euch mal schlau Leute!

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  • Baldiun am 03.06.2014 14:37 Report Diesen Beitrag melden

    wichtige Initiative

    und lasst euch diesmal nicht von der Propaganda der Reichen einschüchtern!

  • Churer am 03.06.2014 14:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genau!

    Richtig gut! Das Problem entlich mal ab der Wurzel anpacken, also meine stimme habt ihr zu 100%!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Realistisch am 05.06.2014 13:30 Report Diesen Beitrag melden

    SOLLTE ABER WELTWEIT PASSIEREN

    Anstoen bringt das genau gar nichts für die CH!! DAs ganze System/ Bankegeschäft isch marode, korrupt und stinkt bis in den Himmel..

  • cyan jaeger am 04.06.2014 14:26 Report Diesen Beitrag melden

    Wissen ist Macht

    Solange der Durchschnittsschweizer nichts von Geldpolitik, Geldsystem oder Volkswirtschaft im Allgemeinen versteht, kann man ihm/ihr so ziemlich alles als die perfekte Lösung verkaufen - mit genügend Banken-Bashing wird man auch genügend Zustimmung erhalten. Doch leider fehlt es den Meisten an genügend Weitblick und Demut um zuzugeben, dass sie keine Ahnung haben...

  • zocker am 04.06.2014 14:20 Report Diesen Beitrag melden

    anderer vorschlag

    Bei Kreditvergabe wetten die Banken eigentlich darauf, dass sie mehr Geld zurückbekommen und geben das auch schon wieder aus. also einfache lösung: Alle Finanzinstitute dem Lotteriegesetz unterstellen und ihre gewinne zu 35% besteuern

  • Kleiner Mann am 04.06.2014 14:00 Report Diesen Beitrag melden

    Eigenkapital-Erhöhung

    Jörg Baumberger und Rudolf Walser haben Recht, mit einer schrittweisen Erhöhung des Eigenkapitals. Warum den Initiativtext nicht optimieren und etwas Umsetzbares daraus machen - ansonsten kann man es gleich der JUSO zum Verfassen geben.

  • petra k. am 04.06.2014 13:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jeder ein Finanzexperte? 

    Man mag gewissen Unmut gegen Banken hegen, was niemanden zum Bankenberater befähigt.