Brüssel

08. Februar 2011 12:54; Akt: 08.02.2011 16:06 Print

Verlage fordern freien Zugang zum iPad

Apple solle den Medienhäusern kein bestimmtes Geschäftsmodell vorschreiben, verlangt der Verband der Europäischen Zeitungsverleger. Apple schweigt vielsagend.

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Wer hat bei den iPad-Inhalten das Sagen? Die europäischen Verleger ringen mit dem US-Technologiekonzern Apple um Einfluss. (Bild: Keystone)

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Die europäischen Verleger haben am Montag an Apple appelliert, keine Zugangsbeschränkungen für die Nutzung von Verlagsangeboten einzuführen. Sie wollen die Freiheit haben, das von ihnen bevorzugte Bezahlungssystem für Inhalte auf dem iPad auszuwählen und den Preis selbst festzulegen.

Um den Verkauf der iPad-Inhalte wird schon länger gerungen, wie 20 Minuten Online berichtete. Bislang können die Verlage ihren Abonnenten die digitalen Applikationen direkt anbieten. Apple hat jedoch letzte Woche zur Einführung der iPad-Zeitung «The Daily» des Medienkonzerns News Corp. angekündigt, in Kürze ein Abomodell für Zeitungen auf dem iPad vorzustellen. Dabei zeichnet sich ab, dass Apple darauf besteht, dass die Verlage neben eigenen Vertriebswegen auch einen Kauf der Inhalte über den Apple-eigenen Internetladen iTunes ermöglichen müssen. Die Nutzer sollen also wählen können, ob sie mit ihrem iTunes-Account bezahlen wollen. Diese Option sei schon immer Bedingung gewesen, hatte eine Apple-Sprecherin zu einem früheren Zeitpunkt gesagt.

Die Verlage stören sich an der Höhe der Umsatzprovision von 30 Prozent, die Apple in iTunes für das Hosting der Inhalte und das Inkasso einbehält. Ausserdem wollten die Verlage die Hoheit über die Kundendaten haben. Ausserdem bestehen die Verleger darauf, Angebote für verschiedene Medientypen wie Online und Print in einem Paket anbieten zu können.

Apple kommentierte den Aufruf der Verleger nicht. Der Verband der Europäischen Zeitungsverleger (ENPA) repräsentiert 5200 Tageszeitungen in 23 europäischen Ländern. Auch der Verband Schweizer Medien ist Mitglied des ENPA.

Apple will mitverdienen

Erst kürzlich hat Apple eine E-Book-Reader-Software von Sony für das iPhone abgelehnt. Begründet wurde dies damit, dass Nutzer Bücher nicht direkt aus der Anwendung heraus kaufen könnten, sondern dazu auf eine Website müssten.

Dabei geht es natürlich nicht nur um Nutzerfreundlichkeit, sondern auch ums Geld. Bei In-App-Käufen bekommt Apple immer 30 Prozent. Wird der potenzielle Käufer auf eine Website geleitet und tätigt den Kauf dort - wie beim Sony-Programm, dann ist das nicht der Fall. Allerdings war Apple in der Vergangenheit nicht immer so streng. So gibt es ein App von Amazon für den E-Book-Reader Kindle für iPhone und iPad, der auch keine In-App-Käufe vorsieht. Deshalb protestierte Sony auch umgehend gegen den Schritt von Apple.

(dsc/sda)