Autoindustrie

09. Juni 2011 13:35; Akt: 09.06.2011 22:39 Print

Verliert GM die Geduld mit Opel?

Wieder gibt es Wirbel um einen möglichen Verkauf des defizitären Autoherstellers Opel. Der Mutterkonzern General Motors (GM) dementiert entsprechende Gerüchte nur halbherzig.

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Opel ist nach Medienberichten erneut vom Verkauf bedroht. Nach Meldungen von «Auto Bild» und «Spiegel Online» erwägt Opel-Eigentümer General Motors (GM) die Trennung von der defizitären deutschen Tochter. Ein Opel-Sprecher erklärte dazu am Donnerstag in Rüsselsheim, es handle sich bei den Berichten um Spekulationen, «die wir nicht kommentieren».

Die Firmenleitung wandte sich nach Informationen der Nachrichtenagentur dapd am Donnerstag mit einem Schreiben an die verunsicherten Mitarbeiter. Opel-Betriebsratschef Klaus Franz sagte, es handle sich um «reine Spekulationen, die von wem auch immer in die Welt gesetzt wurden», um Opel zu schaden. Franz sagte aber auch, der Betriebsrat vermisse «ein klares Dementi von General Motors».

Zweifel an der Überlebensfähigkeit

GM wollte Opel bereits vor zwei Jahren verkaufen und hatte entsprechende Verhandlungen weit vorangetrieben, ehe der Weltkonzern aus Detroit seine Meinung änderte und Millionen in die Sanierung von Opel steckte.

Laut «Auto Bild» mehren sich bei GM aber Zweifel an der Überlebensfähigkeit von Opel. Nach «Spiegel»-Informationen sind GM-Manager davon überzeugt, dass die US-Mutter nicht mehr auf Opel angewiesen sei. Sparsame Motoren und Modelle könne der US-Konzern auch von der Konzerntochter aus Korea beziehen. In den letzten Monaten der hohen Spritpreise waren kleine und sparsame Autos Renner auf dem US-Markt. GM hatte in diesem Zusammenhang den Opel Astra genutzt, um daraus den Chevrolet Cruze zu formen.

Ärger über Verluste

Dem «Spiegel»-Bericht zufolge sorgt in der GM-Zentrale in Detroit zudem für Verärgerung, dass das Europageschäft weiterhin Verluste einfährt, während alle anderen Regionen profitabel arbeiten. GM hatte Anfang Mai für das erste Quartal im Europageschäft einen Verlust von 400 Millionen US-Dollar (knapp 270 Millionen Euro) gemeldet und damit 600 Millionen Dollar weniger Verlust als im Vorjahresquartal.

Das GM-Europageschäft besteht im Wesentlichen aus Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall. In den letzten Monaten war das Geschäft bei Opel angesprungen, der Hersteller aus Rüsselsheim hatte der Konkurrenz Marktanteile abgenommen. Zuletzt war der Astra Kombi gut von den Kunden angenommen worden.

Chinesen oder VW als mögliche Käufer

GM-Europachef Nick Reilly hatte Anfang Mai die Erwartung bestätigt, Opel werde im laufenden Jahr in die Gewinnzone kommen, wenn bei der Berechnung die Sanierungskosten aussen vor blieben. Erst vor wenigen Tagen hatte Opel einen Stellenabbau von insgesamt 1800 Jobs in Bochum unter Dach und Fach gebracht. Echte Gewinne werden für 2012 erwartet.

Nach den Pressemeldungen gelten als Kaufinteressenten chinesische Autohersteller, die auf dem europäischen Markt Fuss fassen wollen. Daneben gelte VW als möglicher Interessent, schreiben «Spiegel» und «Auto Bild». Der Wolfsburger Konzern könne so chinesische Konkurrenten aus dem europäischen Markt fernhalten.


(ap)

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