«Wirtschaftlichste Alternative»

11. Juni 2019 11:27; Akt: 11.06.2019 11:35 Print

Schmeissen Händler die Retouren wirklich weg?

Zerstören statt wiederverkaufen – Onlinehändlern wird oft vorgeworfen, dass sie Retouren im grossen Stil vernichten. Ist das wirklich so?

Das passiert wirklich mit Amazon-Retouren. (Video: Glomex)

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Dem Online-Handel soll verboten werden, retournierte, neuwertige Produkte zu vernichten. Das fordern die Grünen derzeit in Deutschland. Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sagt, von den rund 500 Millionen Produkten, die jährlich in Deutschland zurückgeschickt werden, würden viele komplett vernichtet: «Dabei handelt es sich um neuwertige Produkte, die voll funktionsfähig sind und höchstens einen Kratzer haben», zitiert sie der «Spiegel».

Nicht immer lohnt sich der Wiederverkauf: «Irgendwann ist die Vernichtung respektive Zuführung zum Recycling die wirtschaftlichste Alternative», sagt E-Commerce-Experte Ralf Wölfle von der Fachhochschule Nordwestschweiz zu 20 Minuten. Dies könne etwa bei Produkten der Fall sein, wo der Warenwert tiefer ist als die Wiedervermarktungskosten.

Ein anderer Grund ist Hygiene, etwa bei Zahnbürsten – die werden auch entsorgt, wenn sie neuwertig sind: Selbst bei eingeschweissten Produkten könne man nicht garantieren, dass die Bürste nicht doch ausgepackt und getestet wurde, berichtet das Wissensmagazin Galileo (siehe Video oben).

Vernichtungsquote von 1,4 Prozent

Aber vernichten Amazon & Co. wirklich im grossen Stil ihre Retouren? Amazon betont gegenüber 20 Minuten, man wolle so wenige Produkte wie möglich entsorgen. Auch Experten sind sich einig, dass Händler in der Regel versuchen, die Entsorgung zu vermeiden. Laut Medienberichten sind es trotzdem noch Hunderte Artikel pro Tag – alleine in Deutschland.

Bei 1000 vernichteten Paketen pro Tag liegt die Vernichtungsquote bei Amazon Deutschland zwischen 1 und 2,9 Prozent, wie eine Milchbüechli-Rechnung von 20 Minuten zeigt. Wie viel dieser Ware effektiv neuwertig ist, ist unklar. Von Vernichtung im grossen Stil kann aber nicht die Rede sein:


Ungefähr 1 bis 2,9 Prozent der Amazon-Retouren dürften vernichtet werden. (Berechnung: 20M)

Schweizer senden tendenziell weniger Ware zurück als Deutsche, wie Wölfle sagt. Darum dürfte der Beitrag der Schweizer Onlineshopper an der effektiven Zahl der vernichteten Produkte vergleichsweise gering sein. «In der Schweiz ist mir kein Anbieter bekannt, der die Ware vernichtet», sagt Wölfle zudem.

Bei Kleiderhändlern wie etwa Zalando ist die Retourenquote besonders hoch. Die Hälfte der Bestellungen komme zurück, sagt eine Zalando-Sprecherin zu 20 Minuten. Sofern zurückgegebene Modeartikel nicht als Neuware verkauft werden können, landen sie in der Regel in Outlets und ähnlichen sekundären Vertriebskanälen, wie Wölfle sagt. Zalando will die Zahl seiner Outlets – grosse Geschäfte ausschliesslich mit Retourware – bis 2020 auf zehn erhöhen.

Spenden statt vernichten

Göring-Eckardt von den Grünen verlangt von den Onlinehändlern auch, dass sie unverkaufbare Produkte verschenken oder dafür sorgen, dass die Rohstoffe zurück in den Wertstoffkreislauf gelangen – beides umweltfreundlichere Alternativen zur kompletten Vernichtung.

Amazon spendet bereits jetzt grosse Mengen an Artikeln an die Plattform Innatura, die die Sachspenden an gemeinnützige Organisationen weitervermittelt. Dabei handelt es sich um überschüssige Lagerbestände, also nicht ausschliesslich um Retouren.


Amazon spendet überschüssige Ware an Innatura. (Video: Amazon)

Amazon moniert jedoch, dass man in Deutschland auf Spenden Mehrwertsteuer bezahlen muss. «Daher ist es für Unternehmen in Deutschland wirtschaftlich wenig sinnvoll, Waren zu spenden», sagt ein Sprecher zu 20 Minuten.

(rkn)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Firma unbekannt am 11.06.2019 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    Arbeite bei onlinehändler

    Ich arbeite bei einem namenhaften onlinehändler ( will den nicht sagen ). Wir werfen die retouren nicht weg sondern die werden wieder verkauft sofern sie unbenutzt bzw nicht beschädigt sind, der rest der defekt ist muss entsorgt werden da es nicht verkauft werden kann oder wir verkaufen es an einem händlern ins ausland der es dann repariert und wieder verkauft. Entsorgt wird aber keine gute ware.

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  • Chris am 11.06.2019 11:45 Report Diesen Beitrag melden

    USA als Vorbild

    In den USA kann man retouren Pakete für ein paar 100$ kaufen. Ist super spassig weil man nie genug weiss was man kriegt! Sollte hier auch so sein!

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  • DP am 11.06.2019 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    Reine Verschwendung

    Zahnbürste retour? Wem passt denn die Grösse einer Zahnbürste nicht? Ok es gibt ZB für Kinder / Erwachsene. Aber es kann doch nicht sein dass so eine Falschbestellung erfolgt. Die Menschheit ist am verblöden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Kurt am 12.06.2019 14:37 Report Diesen Beitrag melden

    Tiefer geht kaum ..

    ''dass man in Deutschland auf Spenden Mehrwertsteuer bezahlen muss'' .. man glaubts kaum .. ich denke daran wenn der nächste krawattierte Polittroll wieder über Umweltschutz philosophiert ..

  • Golden_king10100 am 12.06.2019 11:20 Report Diesen Beitrag melden

    Die sachen kan man auch anders verwenden

    Warum werden die Produkte überhaubt weggeworfen was bringt es eigentlich die sachen zu zerstören. Was nüzt es??

  • Alessandro Trani am 12.06.2019 10:28 Report Diesen Beitrag melden

    Karton

    ich finde es isst Karton verschwendung

  • Golden_king10100 am 12.06.2019 09:46 Report Diesen Beitrag melden

    es ist doch egal leute

    Ich finde es eigentlich nicht so interesant den es ist egal weil mehrere Tausend leute jeden Tag was bestellen und wider zurück schiken.

  • humpty am 12.06.2019 06:39 Report Diesen Beitrag melden

    behalten

    habe jetzt schon mehrmals erlebt, dass mir vom kundendienst gesagt wurde ich solle das produkt behalten oder wegwerfen statt zurücksenden und das geld werde mir erlassen als ich ein problem gemeldet habe...also insofern kann ich mir das schon vorstellen.